Josef-Breher-Mittelschule in Pullach
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Letztlich ist das Ganze eine Win-win-win-Situation. Wir entlasten die überfüllte Mittelschule Pullach, wir stärken die Mittelschule Oberhaching, und für unsere Schüler verkürzt sich der Schulweg. Hans Sienerth, Bürgermeister in Straßlach

Freude in Straßlach-Dingharting, Befürchtungen in Pullach

Neuer Zuschnitt für Schulsprengel

  • vonAndrea Kästle
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Die Regierung von Oberbayern hat dem Antrag der Gemeinde Straßlach-Dingharting auf einen Wechsel des Schulsprengels von Pullach nach Oberhaching zugestimmt.

Pullach/Straßlach-Dingharting – Noch ist gar nicht klar, wohin die Mittelschule Pullach, die ja neu gebaut werden soll, überhaupt kommen kann. Ob der Neubau nach Baierbrunn ausgelagert wird, wie Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) es gern hätte. Oder ob in Pullach nach einer Ausweichfläche gesucht werden muss. Die Diskussion darüber dürfte jetzt ganz neu aufgerollt werden – denn die Regierung von Oberbayern hat dem Antrag der Gemeinde Straßlach-Dingharting auf einen Wechsel des Schulsprengels nach Oberhaching zugestimmt.

Was heißt, dass ab nächstem Schuljahr Kinder aus Straßlach-Dingharting der Oberhachinger Mittelschule zugeordnet werden, wer jetzt schon in Pullach ist, kann dort auch bleiben. Damit wird dann in vier, fünf Jahren die Pullacher Mittelschule auf etwa 20 Schüler aus Straßlach-Dingharting verzichten müssen, weshalb die durchgehende Zweizügigkeit dort nicht mehr garantiert sein wird. Und Oberhaching hat irgendwann eben 20 Schüler mehr.

Während in Straßlach Rathauschef Hans Sienerth (parteifrei) sich freut, dass die Regierung den Argumenten seiner Verwaltung gefolgt ist, sind die Pullacher weniger begeistert. Susanna Tausendfreund fürchtet, dass ihre Mittelschule das bekannt hohe Niveau nicht halten werde können. „Wir sind nicht glücklich mit der Vorgehensweise.“

„Letztlich ist das Ganze eine Win-win-win-Situation.“

Derweil scheint der Deal für die Schüler aus Straßlach-Dingharting ein klarer Gewinn. Denn in Oberhaching soll bekanntlich ein Schulcampus entstehen, dort werden ab 2026 nicht nur Mittelschule und Gymnasium, sondern auch Realschule und FOS verfügbar sein. Sienerth: „Letztlich ist das Ganze eine Win-win-win-Situation. Wir entlasten die überfüllte Mittelschule Pullach, wir stärken die Mittelschule Oberhaching, und für unsere Schüler verkürzt sich der Schulweg.“ Denn nach Baierbrunn hätten Kinder aus entlegeneren Ortsteilen seiner kleinteiligen Gemeinde, etwa aus Holzhausen, bis zu einer Stunde gebraucht, rechnet der Rathauschef vor. „In Oberhaching sind sie in 15 bis 20 Minuten.“

Tausendfreund hingegen kündigt an, der Regierung jedenfalls „eine Erwiderung zu schreiben“. Denn mit der durchgängigen Zweizügigkeit wackelt freilich auf Dauer auch das pädagogische Angebot der Josef-Breher-Schule in Pullach, wie die Mittelschule heißt. Die Einrichtung hat insgesamt einen sehr guten Ruf, über zwei V-Klassen kommt man hier auch zur Mittleren Reife. Tausendfreund: „Wir müssen uns jährlich auf Zitterpartien einstellen, ob sich in den Jahrgangsstufen je zwei Klassen bilden lassen.“ Deshalb hatten sich die Gemeindeverwaltung und der Elternbeirat schon vor Monaten der Regierung gegenüber gegen die Sprengelverschiebung ausgesprochen.

In Straßlach-Dingharting wiederum, wo allmorgendlich momentan noch Schüler in alle Richtungen ausschwärmen, hofft Sienerth, die Schülerströme bündeln zu können. Der Landkreis würde einen Bus nach Oberhaching einrichten – und die Gemeinde könnte, wenn diejenigen Kinder, die jetzt schon nach Pullach gehen, fertig sind mit der Schule, den Bus nach Pullach einstellen, den sie freiwillig eingerichtet hat. Dasselbe gilt für Wolfratshausen, wo etwa 20 Kinder aus Straßlach-Dingharting die dortige Realschule besuchen. 70 000 Euro könnte sich die Gemeinde dadurch im Jahr sparen. Wobei laut Sienerth der finanzielle Aspekt nicht ausschlaggebend gewesen sei für den Antrag, den Schulsprengel ändern zu lassen: „Es ist einfach die bessere Lösung.“

Pullach sorgt sich um die V-Klassen

Denn natürlich wird Straßlach-Dingharting, die zweitkleinste Gemeinde im Landkreis, sich auch an den Baukosten für die Realschule in Oberhaching beteiligen müssen. Die Einrichtung wird zu 70 Prozent vom Landkreis bezahlt, 30 Prozent der Baukosten müssen die Gemeinden, deren Kinder dort dann lernen werden, aufbringen. Die FOS übernimmt voll und ganz der Landkreis. Straßlach-Dingharting ist bereits Mitglied im entsprechenden Zweckverband geworden; und irgendwann werden auf die Gemeinde weitere Kosten zukommen, wenn etwa die Mittelschule saniert werden soll. Sienerth sagt: „Jeder muss irgendwann zahlen.“

Wie es nun weitergeht? Susanna Tausendfreund meint: „Es ist weiterhin alles im Fluss.“ Klar sei so oder so, dass die jetzige Pullacher Mittelschule auf Dauer schlicht zu klein sei – und erweitert oder eben neu gebaut gehört. Weiterhin sei Baierbrunn noch immer interessiert daran, eine Mittelschule zu bekommen. Letztlich bleibe die Pullacher Josef Breher-Schule für viele Kinder attraktiv, sie ist die einzige Mittelschule im südlichen Landkreis, die die besagten V-Klassen anbietet.

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