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„Das ist reine Schikane!“ Peter Baumgartner will für seinen Fahrradanhänger notfalls vor Gericht kämpfen.

In der Parkstraße

Streit um Radl-Anhänger gipfelt wohl in Gerichtsverhandlung

Unterhaching - Peter Baumgartner (28) besitzt weder Auto noch Führerschein. Einkäufe erledigt er mit dem Fahrrad – und einem kleinen Anhänger. Doch die Wohnungseigentümergemeinschaft findet, der Anhänger braucht mehr Stellplätze, als Baumgartner zustehen. Über einen sehr deutschen Streit.

Wenn Peter Baumgartner (28) das Haus in der Parkstraße verlässt, trifft ihn manchmal der Schlag, so sagt er es. Denn dann hängt wieder einer dieser feuerroten Zettel an dem Anhänger seines Fahrrads der Marke Atlanta, blauer Rahmen, rote Klingel, im Gepäckträger klemmt ein Ersatzrücklicht. Seit April findet Baumgartner, der im Oktober 2014 in eine 60-Quadratmeter-Wohnung gezogen ist, regelmäßig solche Zettel an seinem Fahrradanhänger. „Stellen Sie sich vor, alle Bewohner würden sich ebenso verhalten“, schreibt die Hausverwaltung darauf im Auftrag der Wohnungseigentümergemeinschaft. Man bitte darum, den Anhänger im Keller unterzubringen, im Interesse des Haussegens, versteht sich.

Baumgartner sagt: „Das ist reine Schikane.“ Nach Ansicht der Wohnungseigentümergemeinschaft benötigt der Fahrradanhänger nämlich mehr als einen Stellplatz, nach Ansicht von Mieter Baumgartner aber nicht. Und diese Lappalie ist eigentlich auch schon der ganze Grund für einen Streit, den beide Parteien nun offenbar im kommenden Jahr vor Gericht ausfechten. 

Baumgartner hat letztens eine Rechnung erhalten. 255 Euro soll er bezahlen. Das sind Anwaltsgebühren, bestätigt die Hausverwaltung. Baumgartner sagt: „Das zahle ich sicher nicht.“

Wie bei anderen Wohnanlagen aus den 60er Jahren hat auch der Klotz in der Parkstraße zu wenig Fahrradstellplätze. Vier Fahrräder parken am einem Nachmittag im Dezember an dem einzigen Ständer mit rund zehn Plätzen. Viele Bewohner haben ihre Fahrräder über den Winter in den Fahrradkeller geräumt. Baumgartner nicht. 

Schließlich besitzt er weder Auto noch Führerschein. Er fahre regelmäßig mit dem Fahrrad zum Einkaufen, erzählt der junge Mann. Lebensmittel und andere Dinge verstaue er dann in seinem Anhänger. „Das mache ich schon immer so.“ 

Werner Adam, der die Wohnanlage im Auftrag der Eigentümergemeinschaft verwaltet, dagegen sagt: „Das Rad bewegt sich wochenlang nicht.“ Die Eigentümergemeinschaft habe angeboten, den Anhänger im Keller zu verstauen. Doch Baumgartner weigere sich. „Das ist Ignoranz gegenüber den anderen Bewohnern.“

Im Keller ist die Luft dick und das Licht flackert. Baumgartner sperrt die Tür zum Fahrradkeller auf. In dem Raum parken rund 20 Fahrräder. Mehr passt nicht rein. Schon gar nicht Baumgartners Fahrradanhänger, den er seit sechs Jahren besitzt und den er beim Umzug nach Unterhaching mitgenommen hat. „Ich kann ihn ja schlecht vor die Tür stellen, denn dann komme ich nicht mehr raus, geschweige denn jemand herein“, sagt er. Adam meint: „Da könnte man schon Platz schaffen."

Da weder Baumgartner noch die Wohnungseigentümer nachgeben wollen, kommt es aller Voraussicht nach zur Gerichtsverhandlung. „Das ist eigentlich schade“, sagt Werner Adam. 50 Jahre habe es das Zusammenleben an dieser Wohnanlage gut funktioniert, obwohl es kaum Fahrradstellplätze gebe. „Eigentlich regelt man so etwas über den kleinen Dienstweg." 

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