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Windkraftpläne im Hofoldinger Forst: Strom auch bei Flaute

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Von: Volker Camehn

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Man will hoch hinais: Aus dem Hofoldinger Forst werden wohl bald die Windkrafträder herausragen.
Man will hoch hinais: Aus dem Hofoldinger Forst werden wohl bald die Windkrafträder herausragen. © Archiv Rychly

In drei Jahren sollen drei Windräder im Hofoldinger Forst entstehen. Dafür gibt es jetzt schon viel Werbung.

Hofolding – Wer sich von den geplanten Windkraftanlagen im Hofoldinger Forst schon heute ein Bild machen will, kann zum Beispiel auf die Webseite des Ingenieurbüros Sing gehen. Das Unternehmen mit Sitz in Landsberg am Lech ist spezialisiert auf Erneuerbare Energien, von der Planung bis zum Betrieb. Ein Schwerpunkt ist dabei die Windenergie. Fotos von Sing-Projekten in Berg am Starnberger See und in Fuchstal/Landkreis Landsberg, zeigen unter anderem: Man will hoch hinaus, vor allem was die Höhe der Windräder anbelangt: Knapp 150 Meter ragen die Windkraftanlagen hier, über Baumwipfel hinaus, in den Himmel.

Genehmigungs-Anträge sollen schon im Frühjahr vorliegen

Projektleiter Robert Sing war denn jetzt auch auf der Bürgerversammlung in Sauerlach, um die Möglichkeiten der Windenergiegewinnung an der südöstlichen Grenze Sauerlachs zu erörtern. Das Interesse der Sauerlacher war überschaubar: Geschätzt 50 Bürger nahmen an der Veranstaltung in der Mehrzweckhalle teil.

Die Marschrichtung ist klar: 2024, so der Plan, sollen auf dem Gebiet der gemeinsamen Gemeindegrenzen zu Otterfing und Aying drei Windkraftanlagen entstehen. Bauplanungsrechtlich fehlt zwar noch die Anpassung des Landschaftsschutzgebiets „Hofoldinger und Höhenkirchner Forst im Landkreis München“; dieses Verfahren lässt sich jedoch laut Landratsamt München parallel zum Antragsverfahren für die Windräder durchführen. Bereits im kommenden Frühjahr sollen auch schon die Genehmigungs-Anträge vorliegen. Das Landratsamt führt zur Zeit den Vorsitz der Arge Windenergie Hofoldinger Forst, die seit 2013 gemeinsame Pläne für Anlagen an der A 8 ausarbeitet.

Der Bau der Windräder im Hofoldinger Forst ist nur noch eine Frage der Zeit. Die künftige Bundesregierung könnte nun Wind in die Realisierung bringen. Kritiker aus Aying verstummen indes.

Eine Betreiber GmbH soll gegründet werden

Das ehrgeizige Projekt will man gemeinsam stemmen: Für die Windanlagen wollen Otterfing, Aying und Sauerlach eine Betreiber-GmbH gründen. Zudem wollen sie ihren Bürgern ermöglichen, sich finanziell an dem Großprojekt zu beteiligen: Etwa 30 Prozent der Gesamtkosten (rund 18 Millionen Euro) ließen sich auf diese Weise durch Bürger-Einlagen decken, so das Kalkül. Besser als der aktuelle Zinssatz ist dieses Invest aus heutiger Sicht allemal: Laut Robert Sing scheint „eine Rendite von rund fünf Prozent“ realistisch. Ein Argument, dass Projekt-Gegnern den Wind aus den Segeln respektive Rotoren nehmen soll: Die hatten nämlich kritisiert, dass diese Anlagen unwirtschaftlich seien.

Ganz falsch war das lange Zeit nicht: „Vor ein paar Jahren hätte sich das wohl noch nicht gerechnet“, sagt etwa Gemeinderat und Winkraftbefürworter Götz von Borries (UBV). Dank des technischen Fortschritts sei das aber inzwischen anders, ist von Borries überzeugt. Selbst bei wenig starkem Wind (ab drei Meter pro Sekunde) lässt sich heutzutage Strom produzieren, auch weil die Rotorblätter größer werden, heißt es bei Sing. Entsprechend steige die Ausbeute.

Je höher, desto mehr Strom

Grundsätzlich gilt: Je höher die Windkraftanlage, desto mehr Strom lässt sich gewinnen, weil mit zunehmender Höhe die Windgeschwindigkeit steigt. Und ohne Windkraft scheint es beim Klimaschutz nichts zu gehen. „Wir haben alle einen Auftrag“, sagt von Borries. Findet übrigens auch Michael Hohenleitner (CSU): „Wenn wir Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir handeln.“ Zudem, so sein Eindruck, „gibt es in Sauerlach nur wenig Widerstand gegen das Projekt“.

Ganz ohne Eingriffe in die Natur des Forstes geht das alles natürlich nicht: Es müssen Flächen im Hofoldinger Forst für das große Bauvorhaben gerodet werden. Robert Sing geht von etwa 6000 Quadratmeter aus, eine entsprechende Aufforstung an anderer Stelle sei gleichwohl geplant.

Das Projekt Windenergie nimmt im Landkreis München also Fahrt auf, so der Eindruck. Wenn auch ohne Brunnthal, das sich nach heftiger Debatte im Gemeinderat bereits im Frühjahr dieses Jahres gegen Windkraftanlagen ausgesprochen hat. Rückenwind könnte demnächst aber auch aus Berlin kommen, sollte das Bundes-Immissionsschutzgesetz, geändert werden. „Die neue Regierung will die Abläufe beschleunigen“, betont Robert Sing. Aktuell dauert das Genehmigungsverfahren noch ein halbes Jahr.

Immissionsschutzgesetz

Das Immissionsschutzrecht ist laut Umwelt Bundesamt „einer der zentralen Rechtsbereiche des Umweltschutzes“. Es verfolgt demnach das Ziel, „potenziell schädliche Einwirkungen auf den Menschen und seine Umwelt (Immissionen) durch Maßnahmen der Gefahrenabwehr und der Vorsorge zu verringern“. Auf nationaler Ebene ist das Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG) der Kern des gesetzlichen Regelwerks zum Immissionsschutzrecht.

Mit dem BImSchG setzte der Gesetzgeber zudem europarechtliche Neuerungen um, wie etwa EG-Richtlinie über die Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung, das Luftqualitätsrecht der EU und EU-Richtlinien für den Lärmschutz um.

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