Stromversorger arbeitet unter Hochspannung

- Strom wird bei Reparaturarbeiten nicht mehr abgeschaltet

VON SUSANNE DITTRICH Arget - "Arbeiten unter Spannung", so heißt die neue Technik des Energieversorgungsunternehmens E.ON Bayern. Gemeint ist damit, dass Wartungs- und Reparaturarbeiten an 20 000-Volt-Freileitungen durchgeführt werden, während der Strom mit voller Spannung durch die Leitung fließt. In anderen Ländern ist diese Methode bereits gang und gäbe. Ab jetzt wird diese Praxis auch in Oberbayern eingesetzt.

Mit Spezialfahrzeug und isolierender Schutzkleidung erschien das E.ON-Team gestern in Arget. Auf einem Feld in der Nähe des Sauerlacher Ortsteils sollte eine Routinearbeit erledigt werden: Drei Isolatoren auf einem Strommast der Überlandleitung "Otterfing" aus dem Umspannwerk Sauerlach sollten ausgetauscht werden.

Das Team wurde für diese Arbeit insgesamt vier Wochen auf einem speziellen Trainingsgelände in Bayreuth von Harry Stodart, Mitarbeiter der schottischen Firma Scottish Power, ausgebildet. Die Mannschaft besteht aus vier Monteuren und dem Kolonnenführer Bernd Wunderlich. Auf die Frage nach der Sicherheit bei Arbeiten dieser Art erklärte er: "Lieber unter Spannung arbeiten als vermeintlich spannungsfrei. Die meisten Unfälle geschehen, wenn die Spannungsfreiheit trotz Ankündigung nicht gegeben ist."

Der Preis für die Spezialfahrzeuge ist hoch, er liegt bei 250 000 Euro pro Wagen. Trotzdem rechnet sich diese Methode. Der Vorteil für Kunden und Unternehmen: Die Stromversorgung der umliegenden Haushalte muss nicht mehr für zwei Stunden unterbrochen werden. Bei den rund Bayernweit rund 2000 Einsätze pro Jahr 2000 Einsätzen, die in Bayern jährlich anfallen, reduzieren sich dadurch die Reparaturkosten merklich. Um all diese Einsätze in Zukunft durchführen zu können, braucht die E.ON Bayern jedoch noch ein zweites Fahrzeug. Bestellt ist es schon, im Frühjahr 2003 wird es zur Verfügung stehen.

Das erste Gefährt ist schon seit März diesen Jahres im Einsatz. Mit ihm können rund 1000 Einsätze im Jahr bewerkstelligt werden. "Bei Reparaturen oder Wartungen an unterirdischen Leitungen müssen jedoch nach wie vor kurzzeitige Stromabschaltungen in Kauf genommen werden. In diesem Fall ist unsere Methode nicht einsetzbar", meinte Peter-Michael Schabert, technischer Vorstand der E.ON Bayern.

Trotz längeren Wartens auf dem Argeter Feld konnte das E.ON-Team den Auftrag letztendlich übrigens nicht erledigen. Bernd Wunderlich entschuldigend: "Wir müssen warten, bis der Regen aufhört, sonst können diese Arbeiten nicht durchgeführt werden. Das wäre für die Männer zu gefährlich."

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