Der Drohnen-Bastler aus Ismaning: Florian Kamrath mit seinem Prototyp eines handlichen Quadrokopters. Im Oktober entscheidet sich, ob es mit dem Projekt weitergeht. Foto: ps

Student baut Drohne im Rucksack-Format

Ismaning - Vom Fliegen ist Florian Kamrath (22) aus Ismaning begeistert. Doch für einen Flugschein fehlt ihm das Geld. Deshalb sucht sich der Student etwas anderes, bestellt einen Drohnen-Bausatz im Internet - und beginnt zu basteln. Für seinen Prototyp interessiert sich heute eine große Modellbau-Firma.

„Früher habe ich mit meinem Vater die dicken Graupner-Kataloge durchgeblättert“, erzählt Florian Kamrath (22) aus Ismaning auf dem Weg zur Firma Graupner in Kirchheim unter Teck. „Wir fanden es cool, all die Flugzeuge und Hubschrauber anzuschauen, die wir uns nie hätten leisten können.“

Inzwischen hat sich die Lage umgekehrt: Nicht Kamrath interessiert sich für die Firma Graupner, die unter Modellbauern eine große Nummer ist, sondern Graupner interessiert sich für Kamrath. Genauer gesagt: für seine Idee von einer handlichen Drohne für jedermann. Wegen ihr ist Kamrath eingeladen worden, um bei der Firma vorzusprechen. Dort folgt die nächste Überraschung: Nicht irgendein Entwickler empfängt ihn, sondern der Chef höchstpersönlich.

Dabei beschäftigt sich Kamrath erst seit gut einem Jahr intensiver mit Drohnen, also unbemannten Luftfahrzeugen, die selbstständig auf einer vorher festgelegten Route fliegen (siehe Kasten). Als Sohn eines Piloten habe er immer schon eine Begeisterung fürs Fliegen gehabt, erzählt er. „Doch für den Flugschein hatte ich weder Zeit noch Geld.“

Also bestellt sich der Maschinenbaustudent im Internet einen Bausatz für einen Trikopter, eine Drohne mit drei Rotoren. Beim Zusammenbauen zerstört Kamrath ein Sägeblatt, muss schmerzhaft erfahren, dass Glasfaserstaub „unschön auf der Haut kitzelt“, und zuletzt habe das Ergebnis „furchtbar ausgeschaut“. Dennoch verbringt der Ismaninger Stunden und Tage in seiner Werkstatt im Keller, sägt, lötet, schraubt und arbeitet sich immer tiefer in das Thema ein.

„Irgendwann wollte ich eine Drohne haben, die man einfach in den Rucksack packen und runter zur Isar mitnehmen kann“, erzählt Kamrath. So sei die Idee für einen handlichen Quadrokopter entstanden: „Ich fand es irre, dass es so was noch nicht zu kaufen gibt.“

Im Keller entwickelt er ein Konzept für die Drohne, doch erst sein Freund Lorenzo Pantasso, ein BWL-Student, bringt ihn auf eine Idee: „Er hat vorgeschlagen, dass wir das als Projekt machen und Firmen anschreiben“, erzählt Kamrath.

Bereits das zweite Unternehmen lädt die Ismaninger ein - und so stehen die beiden kurz darauf vor dem Firmensitz von Graupner. Dort präsentieren sie ihre Drohne, die vor allem Extremsportler ansprechen soll. „Beispielweise fliegt sie über einem Mountainbiker und filmt dessen Abfahrt“, sagt Kamrath. Der Graupner-Chef ist von der Idee angetan und verspricht Unterstützung: Ein Jahr lang erhält Kamrath sämtliches Material kostenlos gestellt; dazu steht ihm die Firma mit ihrem Fachwissen zur Seite. „Die haben zugesagt, ohne dass sie meine Drohne auch nur einmal in der Luft gesehen haben“, staunt Kamrath.

Seitdem arbeitet der Ismaninger fieberhaft an einem Prototypen; bis Ende Oktober will er Graupner sein Modell vorführen. Und dann? „Wenn’s schlecht läuft, winken sie ab, und das war’s.“ Und wenn’s gut läuft? „Dann finden sie es so interessant, dass sie anhand meines Prototyps eine Drohne entwickeln oder vielleicht auch nur ein Teil davon in ein künftiges Modell einbauen.“

Und dann könnte man eine Kamrath’sche Idee vielleicht irgendwann in eben den Graupner-Katalogen finden, die er als kleiner Bub so ehrfürchtig durchgeblättert hat. „Momentan sind Drohnen für mich noch ein Hobby“, sagt Kamrath. „Aber ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn das irgendwann zum Beruf werden könnte.“

(ps)

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