Studenten in Sorge: Krasse Preise, krasse Wohnungsnot

Garching - Die TU München meldet einen historisch hohen Bewerberansturm. Heißt auch für Garching: Es kommen noch mehr Studenten, der Wohnbedarf steigt weiter - und das bei ohnehin knappem Angebot.

Es ist ein WG-Zimmer im Herzen von Garching, 13 Quadratmeter groß, möbliert, hell, freundlich, gerade mal zehn Minuten mit dem Fahrrad zum Forschungsgelände - ideal also für Studenten. Wäre da nicht der Preis: 475 Euro verlangt der Vermieter laut Anzeige in einem Immobilienportal für das Zimmer, dazu kommen 90 Euro Nebenkosten. Macht 565 Euro. Pro Monat. Kann sich ein Student so etwas leisten?

Nein, findet Daniela. Die 19-Jährige lebt in einem kleinen Ort zwischen Stuttgart und Ulm, studiert ab Oktober Lebensmittelchemie an der TU München und sucht nun händeringend ein WG-Zimmer in Garching und Umgebung. Und damit ist sie nicht allein: Soeben hat die TU einen historisch hohen Bewerberansturm vermeldet. Die Folge: Zum Wintersemester wird mit einem neuen Höchststand von 38 000 Studenten gerechnet - auch am Standort Garching dürften die Zahlen steigen.

Entsprechend groß ist die Konkurrenz am Wohnungsmarkt. „Am Anfang waren 300 Euro meine Obergrenze“, sagt die angehende Studentin Daniela. „Dann habe ich das erst auf 350 und jetzt auf 400 Euro erhöht.“ Zwar habe sie gewusst, dass München kein billiges Pflaster sei. „Aber diese Preise sind schon krass - zumal es ja im Umland ist.“

Krass findet die Preise in seinem Heimatort auch Garchings Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD). „Der momentane Druck auf dem Wohnungsmarkt ist Wahnsinn“, sagt er. Allein bei der jüngsten Bürgersprechstunde seien fünf Menschen mit dem gleichen Anliegen erschienen - bezahlbarer Wohnraum. „Nicht nur Studenten haben dieses Problem“, weiß Gruchmann, „sondern auch die Generation von Garchingern, die jetzt von zu Hause auszieht“.

20 000 Menschen arbeiten und studieren inzwischen auf dem Forschungscampus. Dazu kommen noch mal 20 000 Beschäftigte im Gewerbegebiet. Erst vor zwei Wochen hat der Versicherer „Swiss Life“ seine neue Deutschland-Zentrale in Hochbrück bezogen - mit 650 Beschäftigten. Und die Pläne für einen Ausbau liegen bei „Swiss Life“ bereits in der Schublade. „Es gibt schlicht und ergreifend zu wenig Wohnungen“, sagt Gruchmann. „Die Stadt kann da kaum etwas machen.“

Immerhin: Auf zwei Projekte verweist der Bürgermeister, die mittelfristig Entlastung schaffen sollen. Zum einen gebe es im Ortsteil Hochbrück Kapazitäten für neue Immobilien. Zum anderen - und hier liegt die große Hoffnung - soll in der sogenannten Kommunikationszone zwischen Forschungsgelände und nördlichem Stadtrand zusätzlicher Wohnraum entstehen. „Der Masterplan, der als Sieger aus dem Ideenwettbewerb hervorgegangen ist, sieht bis zu 600 Wohnungen auf dieser Fläche vor“, sagt Gruchmann. Bis zu 3000 Einwohner könnten hier ein Zuhause finden. Doch bis dahin wird es dauern. „Wir sind wir mit den Grundstücksbesitzern in den Endverhandlungen über die Erschließung“, sagt der Rathauschef. Bis die Bagger anrücken, werden aber sicher ein, zwei Jahre vergehen. Frühestens in drei Jahren könnten erste Wohnungen stehen.

So lange kann sich Daniela aus Baden-Württemberg nicht gedulden: Ihr Semester beginnt am 6. Oktober. „Ich hoffe wirklich, dass ich etwas finde“, sagt sie. „Sonst muss ich einige Monate bei einem Kumpel unterkommen - oder ins Hotel ziehen.“

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