Zwölf Jahre lang hat Benedikt Löppert für den TSV Grünwald gespielt. Jetzt hat seine Arbeit als Arzt Vorrang. Foto: bro

Südamerika als Augenöffner

Grünwald - Zwölf Jahre bei einem Verein: Das ist heutzutage selbst im Fußball-Amateurbereich eine seltene Verbundenheit. Erst recht, wenn man, wie Benedikt Löppert, der im Sommer seine Laufbahn beim TSV Grünwald beendet hat, in der Jugend mit dem Klub überhaupt nichts zu tun hatte.

VON UMBERTO SAVIGNANO

Grünwald - Bevor der heute 31-Jährige 2002 an der Keltenstraße anheuerte, wusste er so gut wie nichts über die Grün-Weißen. Fußballerisch ausgebildet wurde er bei der SpVgg Unterhaching. Mit dem Wechsel in den Herrenbereich galt es dann, sich neu zu orientieren. „Als ich damals in Unterhaching ausjährig war, wusste ich nicht, ob ich den Aufwand mit viermal Training die Woche betreiben wollte, mit einer halben Option und wahrscheinlich nicht so viel Spielzeit bei den Amateuren“, beurteilte er seine Chancen innerhalb der SpVgg skeptisch. „Ich habe mir dann viel angeschaut. Und war irgendwann an einem Freitag Abend in Grünwald. Mir hat gefallen, dass die Spieler danach alle beisammen gesessen sind.“

Auch der Freitagstermin sprach für die Isartaler. „Da hatte ich das ganze Wochenende für mich. Also habe ich mittrainiert und das war schon eine phänomenale Truppe. Fabian Klose, Hansi Schneider, Arne Schmidt, Stefan Summerer, Matthias Schmuck, Flo Schindler, Patrick Piber“, erinnert sich Löppert an seine ersten drei Jahre, damals in der Bezirksoberliga unter Trainer Walter Werner, in der keinesfalls nur die Geselligkeit zählte: „Wir waren nicht unerfolgreich.“

Erfolg hatte Löppert mit dem TSV auch unter Werners Nachfolger Siggi Niggl, der zuvor bei der SpVgg im Juniorenbereich tätig war. „Den kannte man in Unterhaching, auch wenn ich ihn dort nicht als Trainer hatte.“ Unter Niggl gelang der Aufstieg in die Landesliga. „Ein Highlight“, erinnert sich Löppert. „Auch diese Mannschaft mit Gianfranco Soave, Tim Roggermeier, Daniel Heidemann, Andi Herz: fußballerisch und menschlich outstanding.“ Aus der Landesliga mussten die Grün-Weißen allerdings postwendend wieder absteigen, sie wurden im Jahr darauf sogar in die Bezirksliga durchgereicht.

Ein bis heute nicht reparierter sportlicher Bruch, den Löppert aber teilweise nur aus der Ferne mitbekam. Denn für den Diplom-Sportwissenschaftler, der sich nun dem Medizinstudium zuwandte, taten sich auch abseits des Spielfelds entscheidende Dinge. „2007 habe ich von Juni bis September ein Krankenpflegerpraktikum in Südamerika gemacht, in Ecuador, Chile und Argentinien. Als ich zurückkam war in Grünwald der erste große Cut mit Michi Vötter als Trainer und vielen ganz jungen Spielern“, erzählt er. „2009 war ich dann nochmal zehn Wochen in Südamerika, diesmal in Ecuador, Bolivien und Peru. Ich habe in einem Armen-Krankenhaus in Quito gearbeitet, das von einer deutschen Ordensschwester unterstützt wurde, die 30 Jahre dort gelebt hat. Die hatte ich bei meinem ersten Aufenthalt kennengelernt.“

Wohn- und Arbeitsbedingungen in diesen Ländern hinterließen einen nachhaltigen Eindruck: „Die ganze Reise war sehr prägend, ein Augenöffner.“ Nach seiner Rückkehr folgte dann die entscheidende Weichenstellung für seine derzeitige berufliche Laufbahn: „Dass ich jetzt in Dachau als Arzt in einer Praxis mit osteopathischem Schwerpunkt angestellt bin, habe ich dem glücklichen Zufall zu verdanken, den man im Leben manchmal braucht. Mein jetziger Chef war 2010 noch Chefarzt im Klinikum Dachau, als ich dort ein Praktikum gemacht habe.“

Dessen Methoden faszinierten den Medizinstudenten: „Ich habe die Welt nicht mehr verstanden. Ich wollte es aber verstehen und er hat es mir ermöglicht, parallel zum Studium bei ihm als Praktikant zu arbeiten. Das war für mich eine Riesenchance und meine Arbeit kommt jetzt meinem Ideal sehr nahe.“ In der Phase des Praktikums blieb immerhin noch einmal viel Zeit für den Fußball. Löppert war voll dabei, als nach katastrophaler erster Saisonhälfte 2010/2011 erst unter Norbert Bartsch und dann vor allem unter Sepp Wazlawik am Ende die Rettung vor dem fast sicheren Absturz in die Kreisliga gelang. „Ich dachte, so kann man nicht aufhören. Mit Pero kam dann außerdem nochmal ein frischer Wind“, entschloss er sich, danach unter dem aktuellen Trainer Pero Vidak weiterzumachen. Zuletzt verpassten die Grün-Weißen den Aufstieg in die Landesliga dreimal in Folge als Zweiter nur ganz knapp. „Leider haben wir es nicht geschafft“, blickt Löppert zurück.

Am Schluss legte er den Fokus ohnehin immer stärker auf den Beruf, konnte kaum mehr trainieren, kam nur noch zu Kurzeinsätzen: „Ich muss auch zugeben, ich habe die letzten Jahre einfach nur noch Fußball gespielt und gar nicht über den Tellerrand geschaut, was die anderen Vereine so machen, sondern gerade mal gewusst, wo wir stehen.“

Coach Vidak bedauert Löpperts Karriereende übrigens sehr: „Er geht uns als Führungsspieler und Integrationsfigur total ab. Er ist kämpferisch ein Vorbild, vor allem für die Jungen. Und er hat mich auch als Trainer im Fitnessbereich besonders unterstützt, ist da ein Top-Mann.“ Löppert selbst hat den Abschied vom runden Leder aber offenbar ganz gut verdaut: „Ich habe mir lang nicht vorstellen können, dass es ohne Fußball geht. Bis jetzt geht es aber sehr gut.“ Irgendwann juckt es allerdings bestimmt wieder, davon sind alle in Grünwald überzeugt. „Ich kann die Füße nicht stillhalten“, sagt Löppert, der sich jetzt unter anderem mit Radfahren fit hält, selbst. Deshalb hofft Vidak auf ein baldiges Wiedersehen auf dem Fußballfeld, wenn auch nicht unter Wettkampfbedingungen: „Er hat ja gesagt, dass er hin und wieder im Training zum Kicken vorbeischaut, und da ist er immer willkommen.“ Und hinterher sitzen sie vielleicht noch ein bisschen beisammen, denn in puncto Geselligkeit sieht Löppert durchaus Parallelen zu seiner Anfangszeit an der Keltenstraße: „Das erinnert mich an die alte Mannschaft. Und das ist in Grünwald absolut so gewollt.“

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