Südkoreanische Professoren lernen Volkshochschule kennen

- Delegation informiert sich über Aufbau und Angebot der Einrichtung

Ismaning (agm) - Die alte Ismaninger Mädchenschule, heute Domizil der Volkshochschule (VHS) im Norden des Landkreises München, hatte einen Teil der geistigen Elite Südkoreas zu Gast. 25 Professoren der großen Universitäten in Südkorea waren gekommen, um in vier Tagen das deutsche System der Volkshochschulen kennenzulernen. Die Besichtigung des VHS-Hauses in Ismaning und der zweistündige Austausch mit VHS-Mitarbeiter Bodo Müller-Thielicke stellte den Beginn der Informationsfahrt dar. Dann ging es nach Rothenburg ob der Tauber, nach Leipzig und abschließend für zwei Tage nach Berlin.

Geographie-Professor Chong-kyu Kim, Vorsitzender der Vereinigung koreanischer Universitäten für den Bereich Weiterbildung, hatte für die Reise nach Deutschland geworben. Er hatte von 1982 bis 1988 sechseinhalb Jahre in Kiel studiert und dort promoviert. Heute ist Chong-kyu Kim Professor an der Kyung Hee-Universität in Seoul. Im Rahmen seines verpflichtenden Verwaltungsdienstes ist er als Direktor für die Abteilung Weiterbildung der Universität zuständig. Als solcher wurde er dann auch zum Sprecher aller Direktoren der "Center für Continuiing Education" bestimmt.

Viele Fragen zur Erwachsenenbildung

"Wir kennen in Korea mehr das amerikanische Weiterbildungssystem," sagte er nun in bestem Deutsch. Deshalb habe er seinen Kollegen empfohlen, sich auch das deutsche VHS-System genauer anzuschauen: "Ich halte es für wichtig, andere Kulturen kennenzulernen."

Überraschter Augenaufschlag der Gäste, als Müller-Thielicke berichtete, dass Besucher der VHS, die jünger als 15 Jahre sind, keinen Zuschuss erhalten; Schmunzeln, als von der Bedeutung der vier Kommunen und der bewussten Einbindung der vier Bürgermeister im Vorstand die Rede ist; viele Nachfragen zum Thema, wie berufstätige junge Menschen und Arbeitslose Angebote der Volkshochschule nutzen können.

Die zwei Stunden bieten auch optisch einen Austausch der Kulturen: An der Wand im Saal hängt das "Polit-Theater" von Fotokünstler Christian Lehsten. Motive regionaler und überregionaler Politiker, die den Gästen allerdings wenig sagen. Da kommt die herumgereichte Volkshochschul-Jugendzeitschrift "Spacekeks" gerade recht: Als hätten die jungen Blattmacher gewusst, dass sie Offenheit den fernen Asiaten gegenüber beweisen müssten, stellte das Titelbild eine junge Japanerin dar. Sie weist auf die Auftaktgeschichte hin, der "SpaceReportage" von Robert Schikowski. Er besuchte als Zivildienstleistender eine japanische Behinderten-Einrichtung in Tokio, erzählte von dem Land, in dem Furii Taimu, so der Begriff für Freizeit, Mangelware ist.

Schnee wiederum ist Mangelware in Südkorea: Strahlend treten die 25 Professoren daher nach zwei Stunden aus der alten Mädchenschule in die winterliche Landschaft Ismanings hinaus. Mit Videokamera und Fotoapparat halten die Gelehrten jede Minute ihres viertägigen Ausfluges in das fremde Deutschland fest, als ihre ganz persönliche Erwachsenenbildung.

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