Nach Selbsttötungen an BW-Uni

„Suizid darf kein Tabu-Thema sein“

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Neubiberg – Die Bundeswehr-Universität reagiert auf die rätselhaften Selbsttötungen von drei Studenten und plant entsprechende Maßnahmen. Unterdessen wird bekannt, dass es Abschiedsbriefe gibt.

Die Bundeswehr-Universität München reagiert auf die rätselhafte Suizid-Serie und will mehrere Maßnahmen initiieren, um zukünftige Selbsttötungen von Studenten zu verhindern. Das gab der Leiter des Studienbereiches und höchste Soldat der Universität, Detlev Adelmann, beim Neujahrsempfang auf dem Campusgelände bekannt.

Geplant ist unter anderem die Gründung eines Allgemeinen Beirates, der sich des Problems annehmen soll. Wie berichtet, hatten sich Ende 2015 innerhalb von sechs Wochen drei Studenten der Uni umgebracht. Die Gründe sind nicht bekannt. Die Polizei ermittelt derzeit.

"Wir haben teilweise Abschiedsbriefe gefunden."

Nach Informationen der Universität kannten sich die drei Kommilitonen nicht persönlich. Adelmann sagte beim Neujahrsempfang: „Wir haben teilweise auch Abschiedsbriefe gefunden. Hinweise auf einen Zusammenhang mit dem Dienst oder Studium gab es nicht.“

Die Bundeswehr-Uni nimmt das Thema sehr ernst. Präsidentin Merith Niehuss sagte in ihrer Begrüßungsrede vor rund 150 Studenten, Dozenten und Vertretern aus Militär, Politik und Kirche: Das Jahr 2015 habe sehr schlecht geendet. 

Anschließend räumte Adelmann in seiner Rede den tragischen Vorfällen sehr viel Platz ein. „Es waren Studierende verschiedenen Alters, die unterschiedliche Studiengänge besuchten und sich untereinander nicht kannten.“ Die Familien der Opfer seien extrem schockiert gewesen. Keiner der Angehörigen hätte eine Erklärung für das Geschehene, so Adelmann. Er lobte die Militärseelsorge der Uni: „Eine der betroffenen Familien, obwohl konfessionslos, fühlte sich in dem für sie unbekannten Umfeld der Kirche trotzdem wohl.“

Studenten sollen Studenten helfen

Der Leiter des Studienbereiches kündigte Maßnahmen an, um zukünftige Selbsttötungen zu verhindern. Erstens will die Uni einen Allgemeinen Beirat gründen, „der sich mit solchen Problemen beschäftigen“ soll, wie Adelmann sagte. Der Beirat soll größtenteils aus Verantwortlichen der Universität bestehen, die sich regelmäßig treffen. 

Außerdem soll das sogenannte Peer-Coaching am Campus intensiviert werden. Dieses Konzept sieht vor, dass eine organisierte Gruppe von Studenten als Ansprechpartner für Kommilitonen in schwierigen Lebenssituationen zur Verfügung stehen. Laut Adelmann haben sich bereits 40 Freiwillige für 24 geplante Stellen gemeldet. 

Die Universität der Bundeswehr will in Zukunft offen mit dem Thema umgehen. Pressesprecher Michael Brauns sagte auf Nachfrage: „Man muss das aktiv angehen. Selbstmord ist ein gesellschaftliches Tabu-Thema. Aber das darf es nicht sein.“ Gleichwohl betont Brauns, man solle sich nicht verrückt machen lassen. „Wenn man einmal schlecht drauf ist, ist das nicht gleich eine Depression."

Thomas Radlmaier und Christoph Trost

Rubriklistenbild: © Robert Brouczek

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