Tanzen wie im Wilden Westen

Unterschleißheim - „Right!“ „Left!“ „Boys around!“ Am laufenden Band kommen die Anweisungen von der Callerin Vroni Kirschner, und die vier Tanzpaare hören aufs Wort. Meistens zumindest.

Es kommt schon mal vor, dass ein Tanzpartner verloren geht, weil man sich beim Square Dance falsch herum gedreht hat. „Das Schwierigste ist, links und rechts zu unterscheiden. Was Sie normalerweise können, klappt plötzlich nicht, weil alles so schnell geht,“ Ursula Baumann lacht. Sie ist Pressesprecherin der „Munich NinePins“ in Unterschleißheim. Und sie muss es wissen, denn an ihrer Bluse hängt ein Button mit den übereinander stehenden Worten „Boy“ und „Girl“, der gedreht werden kann, wie man’s gerade braucht.

Kilometerzähler zeigt nach dem Tanzen acht Kilometer an

Das heißt: Sie beherrscht sowohl die Männer- als auch die Frauenschritte und „das kann nicht jeder“, sagt Präsident Heinz Berger anerkennend. 2008 wurde der Verein „Munich NinePins e.V.“ gegründet und dem Namen entsprechend wollte man „eigentlich auf einer Kegelbahn tanzen“, so Gründerin und Sportkeglerin Luise Ostheimer. Zwar wurde aus der Kegelbahn nichts, aber immerhin landeten die anfänglich 19 Square Dancer zunächst in der Sportgaststätte Lohhof.

Die aber wurde für die Tanzabende bald zu klein und man zog ins Jugendzentrum „Gleis 1“ um. Derzeit wird im Hotel „Star Inn“ getanzt und nach dem Umbau des „Gleis 1“ geht’s für die mittlerweile rund 30 Mitglieder wieder zurück ins Jugendzentrum.

Die Idee zur Vereinsgründung kam von Luise Ostheimer. „Ich hatte 2003 den Square Dance in Aubing gelernt und dachte mir: Das muss es auch in Unterschleißheim geben.“ Diese Ansicht teilte auch Callerin Vroni Fischer und man fand weitere Gleichgesinnte. Neun fröhlich-bunte Kegelfiguren zieren das Vereins-Abzeichen, das an den Hemden und Kleidern wie ein Orden hängt. Daran baumeln weitere kleine Anhänger von Vereinen, bei denen die Square Dancer zu Gast waren. Manchmal sind das so viele, dass der Square Dancer mehrere Abzeichen braucht. So wie Präsident Heinz Berger, denn der war schon bei 131 Clubs in acht Ländern.

Er hat seinen Square Dance-Kurs vor fünf Jahren absolviert und ist nun graduierter Square Dancer, der alle 67 Tanzfiguren beherrscht. Auch in den USA war Berger schon, und er hat festgestellt: „Es kommt zwar auf den Caller und den Ausbildungsstand im Verein an, aber wir tanzen ein bisserl schneller.“

Es kommt sogar vor, dass die Unterschleißheimer einen Square Dance an der Autobahn hinlegen. Bei einer Fahrt nach Frankfurt „haben wir auf dem Rastplatz getanzt - es war stockdunkel und wir sind über unsere Beine gestolpert, aber wir hatten eine Riesengaudi“, erinnert sich Ursula Baumann lachend.

Hin und wieder treten die „Munich NinePins“ auf, wie etwa beim Weltkindertag in Unterschleißheim. Meist aber wird einfach nur getanzt, denn Wettbewerbe und Meisterschaften gibt es nicht. „Gott sei Dank nicht“, finden Ursula Baumann und Luise Ostheimer. „Bei uns geht es ums Miteinander, um die Freude und nicht um Wettkämpfe, bei denen man untereinander fightet.“

Und so macht es auch nichts, wenn jemand mal patzt. „Dann lachen wir gemeinsam drüber, haben Spaß und machen weiter“, sagt Baumann.

Luise Ostheimer hat einen Tipp für alle, die den Square Dance lernen wollen: „Man muss das Gehirn ausschalten und sich so konzentrieren, dass alle Sorgen und Probleme draußen bleiben.“ Die Konzentration sei eine Art Gehirnjogging, doch beim Square Dance joggen auch die Beine. Luise Ostheimers Kilometer-Zähler zeigte mal nach einem zweistündigen Tanzabend stolze acht Kilometer an.

Damit das durchgehalten wird, gilt: Kein Alkohol vor und während des Tanzens, sondern erst danach bei der Afterparty. Tabu ist wegen des Mundgeruchs auch der Genuss von Knoblauch und Zwiebeln, denn „man will den Tanzpartner ja nicht vertreiben“, scherzt Präsident Heinz Berger. Im Gegenteil: Die „Munich NinePins“ würden gerne wachsen und eine Jugendgruppe aufbauen, aber noch fanden sich nicht genug Nachwuchstänzer, denn eine Gruppe besteht aus vier Tanzpaaren, also acht Square Dancern.

Die Munich NinePins

sind eifrig bei der Sache. Jeden Dienstag ab 19 Uhr wird getanzt. Die Termine, Tanzorte - derzeit das „Star Inn“, voraussichtlich ab Herbst wieder im „Gleis 1“ - und Kontaktdaten stehen auf der Webseite www.munich-ninepins.de im Internet. Dort gibt es auch Infos und Anmeldeformulare für den Anfänger-Tanzkurs ab Oktober 2014 im Jugendzentrum Gleis 1. Außerdem veranstalten die Tänzer kostenlosen Schnupperabende, sogenannte Open House, am 23. und 30. September jeweils von 19 bis 21 Uhr im „Gleis 1“. mf

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