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Großer Andrang: Viele Bürger wollten sich die neuen Holzhäuser am Köglweg aus nächster Nähe ansehen und sich informieren.

Holzhäuser für Flüchtlinge am Köglweg

Skepsis gegenüber neuer Asylunterkunft

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Taufkirchen - Rund 400 Taufkirchener haben beim Tag der offenen Tür einen Blick in die neue Flüchtlingsunterkunft am Köglweg geworfen. Dort sollen bis zu 224 Asylbewerber in Holzhäuser einziehen. Dadurch verdoppelt sich die Zahl der Flüchtlinge im Ort.

Keine 600 Meter Luftlinie sind es von der Traglufthalle in Taufkirchen bis zum neuen Flüchtlingsheim hinter der Realschule – und doch trennen diese beiden Unterkünfte Welten. Hier die Wabenhalle, wo bis zu 300 Asylbewerber unter einem aufblasbaren Dach leben, wo es im Sommer einen Hitze-Alarm und erst kürzlich Sturmschäden gab. Wo Privatsphäre ein Fremdwort ist – oder wie Ernst Weidenbusch (CSU), Stellvertreter des Landrats, es ausdrückt: „Wenn da einer schnarcht, dann hören das 50 andere.“ 

Dort die neue Unterkunft: sieben zweigeschossige Holzhäuser, optisch durchaus ansprechend. Darin je acht Wohnungen mit zwei Viererzimmern, Küche und Bad. Gebaut von der Firma Ehret & Klein aus Starnberg, die bereits in Gräfelfing ein solches „Asyldorf“ errichtet hat, wie Projektleiter Konstantin von Abercron es bezeichnet. „Feel Home“ nennt das Unternehmen seine Holzhäuser in Modulbauweise, die es eigens für die Flüchtlingsunterbringung entwickelt hat – und die im Landkreis noch in weiteren Kommunen wie Ismaning, Garching oder Ottobrunn errichtet werden sollen.

 „Das wird sicher auch neidische Blicke geben“, prophezeit Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) beim öffentlichen Besichtigungstermin der neuen Unterkunft. „Schließlich haben viele Menschen hier in der Region große Probleme, eine Wohnung zu finden.“ Für seine Gemeinde bedeuten die neuen Holzhäuser, die für bis zu 224 Personen ausgelegt sind, mittelfristig eine Verdopplung der Flüchtlingszahl. 

Zunächst sollen in den nächsten Wochen die fast 200 Asylbewerber aus der Traglufthalle in die neue Unterkunft umziehen; danach wird Erstere wieder von neuen Geflüchteten bezogen. Ob Taufkirchen für die Aufnahme und Betreuung der weiteren Asylbewerber gewappnet ist? Darauf antwortet Sander mit einer Gegenfrage: „Haben wir eine Wahl?“ Zuvor hat er recht offen eingeräumt: „Es gab Druck, dass auch in Taufkirchen ein Standort für eine Unterkunft gefunden wird.“ Und angesichts der wenigen gemeindlichen Grundstücke „ging das aus wie das Hornberger Schießen“, so der Bürgermeister. 

Ungleich zuversichtlicher klingt da Georg Friede vom Taufkirchener Helferkreis, der rund 150 Ehrenamtliche zählt. „Wir spüren immer noch viel Hilfsbereitschaft im Ort“, sagt er. Zwar gebe es auch in Taufkirchen „immer mehr Leute, die Fragen stellen. Doch die große Mehrheit geht positiv mit den Flüchtlingen um“. Georg Friede hofft, dass die neue Unterkunft den Helfern ihre Arbeit erleichtern wird: „Wir können dort gezielter mit einzelnen Personen arbeiten – das war in der Massenunterkunft kaum möglich.“


Kritische Fragen und Gerüchte

Ernst Weidenbusch (CSU) ist seit fast vier Jahrzehnten in der Politik; einen wie ihn bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Doch als der Stellvertreter des Landrats vor der neuen Flüchtlingsunterkunft in Taufkirchen auf Gerüchte angesprochen wird, wonach Mädchen auf dem Schulweg von Asylbewerbern belästigt werden, da platzt ihm der Kragen: „Sie müssen verstehen, dass wir im Landratsamt auf solche Gerüchte inzwischen allergisch reagieren“, presst er hervor, bevor er – nun wieder ruhig – erklärt: „Für uns zählt die Polizei, und für uns zählt die unmittelbare Umgebung.“ 

Demnach gebe es zwar mitunter Streitereien in den Flüchtlingsheimen, so wie zuletzt in der Unterschleißheimer Turnhalle. „Aber wir haben keine Delikte von Asylbewerbern außerhalb der Unterkünfte“, betont Weidenbusch. „Wir haben kein Problem mit unseren Asylbewerbern und unserer Bevölkerung.“ Wobei selbst Landrat Christoph Göbel (CSU) im Interview mit dem Münchner Merkur eingeräumt hat, dass sich zur „Angst vor Veränderung“ bei immer mehr Menschen eine „Angst vor einer veränderten Sicherheitslage“ geselle. 

Das zeigt sich auch beim Besichtigungstermin in Taufkirchen. Hier melden sich Bürger zu Wort, die die Nähe der neuen Unterkunft zur Realschule kritisieren. Eine Frau warnt, dass man von einigen Holzhäusern aus direkt in die Turnhalle blicken könne, „wo die Mädchen Sport machen“. Weidenbusch dankt ihr für den Hinweis und kündigt an, dass man diese Häuser mit Familien belegen oder notfalls einen Sichtschutz errichten werde. Auch die Kosten für die Flüchtlingsunterbringung werden von einem Bürger angesprochen. Daraufhin erläutert Weidenbusch die besondere Konstellation in Taufkirchen: Hier verpachtet die Gemeinde ein Grundstück an die Firma Ehret & Klein, die dort ihre Holzhäuser errichtet und diese wiederum an den Landkreis vermietet.


Patrik Stäbler

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