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Aktion Wunschbaum: Rentner Gerhard Seedorff aus Taufkirchen wünscht sich einen Gesprächspartner

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Von: Max Wochinger

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Würde im Leben war ihm schon immer wichtiger als Geld, sagt Gerhard Seedorff aus Taufkirchen.
Würde im Leben war ihm schon immer wichtiger als Geld, sagt Gerhard Seedorff aus Taufkirchen. © Robert Brouczek

Vielen Rentner im Landkreis fehlt es an Geld, für einen Extrawunsch bleibt oft nichts über. So geht es auch Gerhard Seedorff aus Taufkirchen. Der Münchner Merkur hilft – mit der Aktion Wunschbaum.

Taufkirchen – Einen Tausendsassa wie Gerhard Seedorff (85) trifft man in Taufkirchen nicht zweimal. Im westafrikanischen Land Nigeria hat er Trinkwasserbrunnen gebohrt, er hat eine Partei mitgegründet, die sich für das bedingungslose Grundeinkommen einsetzt und erst vor vier Jahren hat Seedorff seine Erfindung patentieren lassen: eine Fahrradkorbhalterung.

Trotz der Erfolge lebt er heute in einem Seniorenheim in Taufkirchen – von Mini-Rente und Grundsicherung. Dass er nun auf Sozialhilfe angewiesen ist, macht ihm nichts aus.

Er ist ein Idealist

Der 85-Jährige macht sich keine Sorgen wegen seiner mageren Rente. Wenn man ihn fragt, worüber er so nachdenkt, sagt er: „Wie kann man ein empathisches Gesellschaftsleben gestalten?“ Er ist ein Idealist. „Auf der Suche nach der Vision für unsere Zukunft!“: So steht es auch in seinem Profil bei Twitter, dem Kurznachrichtendienst für eher jüngere Menschen. 85-Jährige trifft man hier nur selten.

Die Aktion Wunschbaum: So können Sie helfen

Coronavirus, Energiekrise, Inflation: Rentner leiden besonders stark im Krisenjahr 2022. Schon seit Jahren ist Armut und Vereinsamung im Alter ein großes Problem hierzulande. Ältere Menschen verbringen ihre letzten Lebensjahre oft allein, in der Wohnung oder im Heim. Sie sind meist mit dem Nötigsten versorgt, für mehr reicht das Geld nicht. Oder sie können sich aus gesundheitlichen Gründen einen Wunsch nicht ohne fremde Unterstützung erfüllen. Der Münchner Merkur will diesen Menschen helfen, mit der „Aktion Wunschbaum“. Wir stellen in den kommenden Wochen ältere Mitmenschen mit unerfüllten Wünschen vor. Sie, liebe Leser, dürfen sich einen Wunsch vom imaginären Baum pflücken, das Geschenk besorgen und verpacken. Auch eine persönliche Grußkarte bereitet viel Freude. Wir garantieren, Ihr Geschenk persönlich zu überbringen. Machen Sie mit – und schenken Sie etwas Herzenswärme in dieser herausfordernden Zeit.

Es gibt darüber hinaus eine Vielzahl an Wünschen von Menschen, die nicht in der Zeitung auftreten möchten. Sei es aus Scham über die eigene Not oder aus Vorbehalte, Fremde um Hilfe zu bitten. Auch diese Wünsche wollen wir erfüllen. Dafür bieten wir in Kooperation mit der Münchner Seniorenhilfe „Lichtblick“ die Möglichkeit, Geld zu spenden. Schnell und unbürokratisch sorgt „Lichtblick“ für die Anschaffung dringend benötigter Dinge. Das Konto des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe ist freigeschaltet für Überweisungen. Für eine Spendenquittung geben Sie bitte Ihre Anschrift an. IBAN: DE30 7009 0500 0004 9010 10 BIC: GENODEF1S04 Sparda-Bank München. Das Kennwort lautet „Wunschbaum“. mw

Seine Vorstellung für die Gesellschaft von Morgen? Ein Staat, der viel kommunaler organisiert ist. Krankenkasse, Wohnungsbau, Bildungspolitik: Die Verantwortung für die Bürger läge fast ausschließlich bei den Gemeinden und Städten. Dazu zählt nach seiner Meinung auch das bedingungslose Grundeinkommen, 2016 habe er deswegen die BEG-Partei in München mitgegründet, die sich dafür einsetzt, sagt er. „In Würde leben und in Würde leben können“, darum geht’s ihm. Seedorf ist wacklig auf den Beinen, bei seinen Argumenten ist er standfest.

Trinkwasserbrunnen in Nigeria gebaut

Die Geburtsstunde für seine politischen Ideen war in Afrika, Mitte der 70er-Jahre. Seedorff, studierter Flugzeugbauer aus Bremen, Angestellter beim Luftfahrtkonzern Bölkow in Ottobrunn, war damals nach Nigeria gekommen, weil ihn ein alter Geschäftspartner angerufen hatte: Gerhard, wir müssen Trinkwasserbrunnen bauen. „Wir hatten damals ein Bohrgerät für 500 000 Mark angeschafft und Mitarbeiter eingestellt – und mit der Firma viel Geld verdient“, erinnert sich der ehemalige Unternehmer.

Als Seedorff wieder zurück in München war, sei ihm aufgefallen, dass die Menschen hierzulande viel unglücklicher seien als in Nigeria – trotz des Wohlstands. „Ich habe eines gelernt in Nigeria“, sagt Seedorff heute, „wir müssen heute leben und nicht morgen“. Er investierte sein Geld immer wieder in neue Firmen, kaufte sich ein Haus in Florida – zur Seite legte er aber kein Geld. „Daran dachte ich damals nicht.“

Er vermisst jemanden, mit dem er sich austauschen kann

2004 war er zum letzten Mal in Nigeria. Am Ende sei aus seien Unternehmen und Geschäften nichts herausgesprungen, sagt er, „gar nix“. Traurig ist er deswegen nicht. „Ich brauche nicht viel.“ Nur, einen Gesprächspartner vermisst er, im Seniorenheim sei er unterfordert. Er schreibt Briefe an Politiker und wirbt für das bedingungslose Grundeinkommen. Mit Zeitungslesen und Nachrichtengucken hält sich der Lebemann geistig fit – oder eben mit dem Erfinden von Fahrradkorbhalterungen. Kapital rausgeschlagen hat er aus dem Patent nicht. Ums Geld geht es ihm auch nicht.

Aktion Wunschbaum

Wollen Sie Gerhard Seedorff Gesellschaft leisten? Dann nehmen Sie möglichst zeitnah Kontakt mit uns auf, rufen Sie uns an: Münchner Merkur, Landkreisredaktion, Telefon: 089/ 66 50 87 33.

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