Kein Schädling, aber lästig: Die Bernsteinschabe verbreitet sich im Landkreis München.
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Kein Schädling, aber lästig: Die Bernsteinschabe verbreitet sich im Landkreis München.

Bernstein-Waldschabe macht sich im Landkreis breit

Schaben-Alarm: Das harmlose Tier wird oft verwechselt - das ist gefährlich

  • Stefan Weinzierl
    vonStefan Weinzierl
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Sie jagt Hausbesitzern und Mietern einen Schrecken ein und sorgt für Ärger in wirtshäsuern: Die Bernstein-Waldschabe ist auf dem Vormarsch. Das Insekt ist eigentlich harmlos – wird aber oft verwechselt.

Landkreis – Bei den hohen Temperaturen der vergangenen Wochen fühlt sich die Die Bernstein-Waldschabe, die ursprünglich nur in Südeuropa verbreitet war, sichtlich wohl. Ihr Lebensraum ist, wie der Name schon vermuten lässt, der Wald. Aber auch in Parks und Gärten werden die rund zehn bis 14 Millimeter langen, bernsteinfarbenen Insekten mit den kräftigen langen Beinen und den antennenartigen Fühlern immer häufiger beobachtet.

Per Koffer oder Lkw ins Land

Das eine oder andere Tier verirrt sich durchs offene Fenster oder die Terrassentür auch in Wohnungen und Häuser. „Der Unteren Naturschutzbehörde wurden bereits einzelne Vorkommen gemeldet, die sich als Bernsteinschaben herausgestellt haben“, bestätigt Christina Walzner, Sprecherin des Landratsamtes. Über die tatsächliche Verbreitung im Landkreis München sei allerdings noch nichts Genaueres bekannt.

Fest steht nur, dass sich das Tier hier wohlfühlt – und ausbreitet. „Mir ist zum ersten Mal vor fünf Jahren eine Bernstein-Waldschabe ins Haus geflogen“, erzählt Heinz Sedlmeier, Geschäftsstellenleiter der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz. Der Klimawandel sei für die Ausbreitung sicher nicht hinderlich, sagt er. Doch dass das Insekt den Weg über die Alpen geschafft hat, hat seiner Ansicht nach andere Gründe. Sedlmeier geht davon aus, dass es als blinder Passagier in einem Urlaubskoffer oder auf einem Lkw nach Deutschland gereist ist. Dann habe sich das Tier vor allem in städtischen Bereichen Süddeutschlands verbreitet. „In Städten ist es gerade im Sommer deutlich wärmer als im Umland“, erklärt der Umweltschützer.

Schädling zum Verwechseln ähnlich

Besondere Aufmerksamkeit wird den Tierchen zuteil, wenn sie sich in Häuser und Wohnungen verirren. Denn sie sehen der deutschen Schabe, die den schlechten Ruf als Vorratsschädling und Krankheitsüberträger hat, sehr ähnlich. Darum greifen viele Betroffene schnell zum Telefonhörer oder zum Handy und suchen Rat beim Schädlingsbekämpfer, wenn sie die Waldschabe in den eigenen vier Wänden entdecken.

„Wir bekommen mittlerweile am Tag bis zu 20 Anrufe von besorgten Leuten, die bei Waldschaben ausgemacht haben“, erzählt Ralf Lentl. Er ist technischer Leiter der Firma Bibel & Söhne Hygiene GmbH in Taufkirchen, die derzeit allein rund 1300 Kunden aus dem Lebensmittelbereich und der Gastronomie im Großraum München sowie Oberbayern betreut.

Betreuung bedeute dabei vor allem, dass man die Lokale und Betriebe präventiv berät, stellt Lentl klar. „Aber natürlich helfen wir auch, wenn wirklich ein Schädlingsbefall auftritt.“

Gastronomie in Aufregung

Gerade für die Gastronomie sowie für Betriebe aus der Lebensmittelbranche stellen die harmlosen Schaben ein echtes Problem dar. „Wenn Gäste so ein Tier an der Wand eines Wirtshauses oder in einem Biergarten entdecken, kann so etwas schnell auf Facebook landen und den Wirt in Verruf bringen“, erklärt Lentl. Er erinnert sich sogar an einen Fall, als ein Kontrolleur der Lebensmittelaufsicht in einem Betrieb eine Waldschabe entdeckt und mit einer Küchenschabe verwechselt hat. „Das hat für reichlich Ärger gesorgt.“

Im Landkreis München ist ein derartiger Vorfall laut Walzner noch nicht vorgekommen. „Das Verwechslungsproblem ist dem Verbraucherschutz bei uns im Haus aber bekannt“, sagt die Landratsamt-Sprecherin. Schädlingsexperten wie Lentl bezeichnen das Insekt deshalb als „Lästling“.

Ernste Sorgen machen müssen sich die Bürger über den tierischen Eindringling jedenfalls nicht, betont Lentl. Die Waldschabe, die sich von zersetzenden Pflanzen ernährt, findet in der Regel in Häusern und Wohnung keine Nahrung und verhungert oder trocknet aus. Experten gehen bisher auch davon aus, dass sich das Tier nur im Freien vermehren kann. Wer das Krabbelvieh trotzdem nicht im Haus haben möchte, dem rät Lentl Insektengitter an Fenstern und Türen anzubringen.

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