„Wir stärken die mittelständischen Unternehmen vor Ort, sichern Arbeitsplätze und Wohlstand in Ghana“, sagt Unternehmensgründer Wolf-Dietrich Fugger. 
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„Wir stärken die mittelständischen Unternehmen vor Ort, sichern Arbeitsplätze und Wohlstand in Ghana“, sagt Unternehmensgründer Wolf-Dietrich Fugger. 

Start-up-Unternehmen

Sauberer Strom für Afrika: Taufkirchner baut Solaranlagen in Ghana

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Wolf-Dietrich Fugger (60) aus Taufkirchen hat vor einem Jahr das Start-up-Unternehmen Ewia gegründet. Er plant, baut und vermietet Solaranlagen in Ghana.

Taufkirchen – Vorsicht, ein Versprecher kann heikel werden, denn auf Twi, der am meisten in Ghana verbreiteten Sprache, hat das Wort Ewia zwei unterschiedliche Bedeutungen, je nach Betonung. Liegt sie auf dem i, ist damit „Dieb“ gemeint, betont man indes das a, heißt Ewia auf Deutsch „Sonne“. Im letztgenannten Sinn hat Wolf-Dietrich Fugger (60) aus Taufkirchen im Februar 2020 zusammen mit Ralph Schneider (54) und Timo Schäfer (40) das Start-up-Unternehmen „Ewia Green Investments“ gegründet. Kurz gesagt geht es darum, Solaranlagen zu planen, zu bauen und zu verleasen. In Ghana.

Sauberer Strom und Arbeitsplätze

Die Sonne von Ghana trägt Wolf-Dietrich Fugger quasi im Herzen. 1996 lernte der Taufkirchner in dem westafrikanischen Staat seine Frau kennen, hat mir ihr zwei inzwischen erwachsene Söhne. In Ralph Schneider und Timo Schäfer fand der promovierte Agrarwissenschaftler zwei fachkundige Firmen-Mitgründer, die, wie er selbst, in Afrika allgemein und Ghana speziell bestens vernetzt sind. Gemeinsam sorgen sie nun für ökologisch sauberen Strom in Ghana, schaffen zugleich Arbeitsplätze vor Ort. Und verdienen damit Geld.

„Dass wir private Unternehmen in Afrika mit günstigem Solarstrom versorgen, machen wir als Business, nicht als Charity“, betont Wolf-Dietrich Fugger. Etwa 23 Dollarcent kostet die Kilowattstunde Strom in Afrika, fast soviel wie für Betriebe in Deutschland. Preiswerter geht das mit Solarstrom, umweltfreundlicher als der Dieselgenerator ist dieser auch. Ein Geschäftsmodell, von dem beide Seiten profitieren. „Für unsere Kunden bauen wir eine maßgeschneiderte Solaranlage, die genau deren Strombedarf deckt. Sie mieten die Anlage über einen definierten Zeitraum, meist sieben bis zwölf Jahre, und kaufen sie anschließend für einen Euro von Ewia. Mit den eingesparten Stromkosten zahlen sie die Leasingraten, danach haben sie als Eigentümer der Solaranlage kostenlosen Strom“, erläutert Wolf-Dietrich Fugger das Prinzip. Kunden sind keine staatlichen Institutionen, sondern private Betriebe: Hotels, ein Krankenhaus, ein Safthersteller, eine Privatschule, ein Kühlhaus beispielsweise.

Ghana hat die zweithöchsten Strompreise von ganz Afrika

Das Ewia-Trio schwärmt von einer „Win-Win-Situation“, Ralph Schneider präzisiert diese, neben dem eigenen Gewinn: „Wir stärken die mittelständischen Unternehmen vor Ort, sichern Arbeitsplätze und Wohlstand in Ghana.“ Timo Schäfer als Finanzchef des Start-ups umreißt die Zahlen: „In den nächsten sechs Jahren wollen wir 20 Millionen Euro in Solaranlagen in Ghana investieren. Dadurch könnten innerhalb von 25 Jahren 680 000 Tonnen CO2 eingespart werden.“ Das alles, wie gesagt, zwar auch aus Liebe zu Afrika, aber eben zugleich unter wirtschaftlicher Prämisse.

„Unser Ziel“, ergänzt Schäfer, „ist es, der führende Finanzier von Solarinvestitionen in Afrika zu werden.“ Denn das Ewia-Team kümmert sich neben der Technologie um die Finanzierung. Was beides komplizierter ist als in Deutschland. Hierzulande beispielsweise lässt sich überschüssiger Solarstrom ins bundesweite Netz einspeisen – in Afrika nicht. „Das bedeutet, jede Anlage muss exakt dimensioniert werden für den Strombedarf des Kunden“, sagt Wolf-Dietrich Fugger. Für die Betriebe vor Ort rechnet sich dies aber, denn hinter dem Senegal hat Ghana die zweithöchsten Strompreise von ganz Afrika. „Was wir letztlich anbieten, ist ein investitionsloser Zugang zu preiswertem Solarstrom mit gleichzeitig positivem Effekt auf die Umwelt.“

Für die nächsten Projekte – es gibt Anfragen aus den Nachbarstaaten Burkina Faso, Togo, Benin und Mali sowie neben Solarstrom auch für Mobilfunkanlagen – sucht Ewia über eine Crowdfundingkampagne Kapitalgeber. 500 000 Euro sollen es bis Ende Juni werden, etwa ein Viertel der Summe ist schon eingegangen.

Schwieriger Prozess, Vertrauen zu gewinnen

Als „Pioniere und Visionäre“ sehen sich die Drei, ihre langjährige Afrika-Erfahrung kommt ihnen zugute: Sie kennen die Mentalität der Menschen vor Ort. „Die ist anders als in Deutschland, wo man gleich auf den Punkt kommen will. In Ghana fällt eine Entscheidung oft erst nach dem 15. oder 20. Gespräch“, schildert Ralph Schneider den schwierigen Prozess, Vertrauen zu gewinnen. Wenn das freilich gelinge, seien die Ghanaer „motivierte, loyale und auf ihre Art zuverlässige Partner“. Wegen Corona gebe es viele Videokonferenzen, „zu 90 Prozent finden sie mittlerweile pünktlich statt“. Jedes berufliche Meeting beginnt und endet mit einem kurzen Gebet, die Religionszugehörigkeit spielt keine Rolle.

Aufs Spirituelle legen die Ghanaer viel Wert, der Stern im Firmenlogo von Ewia stammt aus der Adinkra-Symbolsprache und bedeutet ungefähr „Gott beschütze das Unternehmen“. Ein bisschen in Landessprache zu reden, „das bricht jedes Eis“, weiß Wolf-Dietrich Fugger. Mit „Akwaaba“ heißt er Geschäftspartner willkommen. Bei seiner Firma Ewia, das „Sonne bedeutet im Sinne unendlicher Energie“.

Weitere Informationen

www.ewiainvestments.com

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