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Viele Glasscherben - aber kein Glasscherbenviertel in Taufkirchen

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Von: Doris Richter

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Auf Menschen zuzugehen fällt Hermann Seubelt nicht schwer – eine Grundvoraussetzung für sein Ehrenamt.
Auf Menschen zuzugehen fällt Hermann Seubelt nicht schwer – eine Grundvoraussetzung für sein Ehrenamt. © Doris Richter

Hermann Seubelt registriert zwar vermehrt Glasscherben bei seinen Streifengängen - aber ein Glasscherbenviertel gebe es nicht in Taufkirchen. Der Mann von der Sicherheitswacht erstattete Rapport.

Taufkirchen – Gut 13 Kilometer ist Hermann Seubelt in einer Schicht schon unterwegs. Zu Fuß läuft er dann bis zu vier Stunden kreuz und quer durch Taufkirchen oder Unterhaching. Mit wachem Blick, Funkgerät und einer Uniformjacke, die daraufhin weist, was Seubelt zu tun hat: Er ist einer von zwölf Mitarbeitern der Sicherheitswacht in Taufkirchen und Unterhaching.

Sicherheitsswacht gibt es in Bayern seit 25 Jahren

Ein Projekt, das vor 25 Jahren vom Bayerischen Innenministerium ins Leben gerufen wurde. Ehrenamtlich tätige Bürger sollten nach einer Ausbildung bei der Polizei diese bei ihrer Arbeit unterstützen und das Sicherheitsgefühl der Bürger verstärken. Ein Versuch sollte es zunächst sein, mittlerweile sind die fast 150 Sicherheitswachen in bayerischen Städten und Gemeinden mit rund 1200 Mitarbeitern fester Bestandteil der freistaatlichen Sicherheitsarchitektur.

In Taufkirchen gibt es seit zehn Jahren Streifengänge

In Taufkirchen gibt es die Sicherheitswacht seit zehn Jahren. Hauchdünn war die Mehrheit damals im Gemeinderat, die sich dafür ausgesprochen hatte. Mittlerweile scheinen die letzten Bedenken verflogen. Viele Worte des Dankes bekam Hermann Seubelt zu hören, als er jetzt den Mitgliedern des Sozialausschusses im Gemeinderat von seiner Arbeit berichtete.

Kommunikation ist ganz wichtig

Die bedeutet vor allem: viel reden. Häufig werden er und sein Kollege – bei der Sicherheitswacht ist man immer zu zweit unterwegs – von Menschen angesprochen. Weil ein Lieferwagen den Ausgang zuparkt, ein Auto verkratzt worden ist, eine Wand beschmiert wurde. „Und manchmal wollen die Leute einfach nur wissen, was wir hier machen und ein bisserl ratschen“, sagt Seubelt. Er erzählt dann gerne von seiner Arbeit und hat Flyer dabei für diejenigen, die sich auch für das Ehrenamt interessieren.

Hermann Seubelt ist seit 2019 dabei

Seit 2019 ist Hermann Seubelt dabei. Als er bei der Telekom in Vorruhestand ging, bewarb er sich bei der Sicherheitswacht. „Ein Kollege hatte vorher schon die Ausbildung gemacht und mir begeistert davon erzählt“, sagt der 65-Jährige. Er sprach bei der Polizei in Unterhaching vor – und wurde angenommen. Nach 40 Stunden Ausbildung im Polizeipräsidium München, wo er unter anderem lernte, wie er Eskalationen vermeidet, man Leute am besten anspricht und einer Einführung in die Rechtssprechung, ging es für den Taufkirchner dann auf die Straße. Zwei Mal die Woche ist er seitdem unterwegs. Brennpunkte – „gibt es in Taufkirchen eigentlich nicht“, sagt Seubelt. Regelmäßig unterwegs ist er in der Siedlung am Wald, im Sportpark, in den Einkaufspassagen und bei der Flüchtlingsunterkunft – „unglaublich freundlich, die Leute da“, sagt Seubelt.

Derzeit viele Glasscherben

Viel zu tun hat er im Moment mit Glasscherben. „Da wird irgendwo gefeiert, die Flaschen bleiben stehen und die nächsten hauen sie kaputt.“ Auch Falschparker beschäftigen Seubelt regelmäßig. Mitunter kommen auch skurrile Dinge vor, etwa als jemand aus einem Tempo-30-Schild mit schwarzem Stift ein Tempo-80-Schild gemacht hat. Sorge bereitet ihm, dass am Wochenmarkt und in der Unterführung am S-Bahnhof die Radler oft „viel zu schnell“ unterwegs seien. Er regte an, die Situation mit mobilen Absperrungen zu verbessern.

Präsenz zeigen

Polizisten sind Seubelt und seine Kollegen nicht. Sie dürfen Personalien aufnehmen und Platzverweise aussprechen, versuchen zu vermitteln und zu helfen, „ansonsten stehen wir immer im Funkkontakt zur Polizei, die sich dann um Angelegenheiten kümmert.“ Die Zusammenarbeit sei gut. „Wir sind ausschließlich zu Fuß unterwegs und können daher die Polizeikollegen manchmal auf Sachen hinweisen, die sie vielleicht nicht gesehen hätten.“ Zudem unterstützt die Sicherheitswacht bei Veranstaltungen wie Straßenfesten oder Fußballspielen. Es geht in erster Linie darum, Präsenz zu zeigen und so Störungen zu verhindern.

Uniform verschafft meist Respekt

Eine Waffe tragen sie nicht, wenn sie – wie sie es ausdrücken – die Gemeinde „bestreifen“, nur Pfefferspray für den Notfall. Gebraucht hat es Seubelt noch nicht. „Brenzlige Situationen hatte ich zum Glück noch nie.“ Er setzt auf gute Kommunikation und bleibt gelassen, „auch wenn man mal einen blöden Spruch zu hören bekommt“. Solche kämen nicht nur von Jugendlichen, wie viele behaupten. „Negatives Verhalten zieht sich durch alle Schichten und Altersgruppen.“ Doch meist ist der Ton freundlich. „Die Uniform verschafft einem doch gewissen Respekt.“

Kontakt zu den Menschen

Der Kontakt zu den Menschen – das ist es, was Hermann Seubelt an seinem Ehrenamt so Spaß macht. „Ein wunderbarer Kontrast zu meinem Bürojob vorher.“ Trotz so manch nervenaufreibender Diskussion – oft wird er auch positiv überrascht. So wie neulich, als er auf eine Gruppe Jugendlicher zuging, die recht „wild“ aussahen. Am Ende aß er zusammen mit ihnen ein Eis und erzählte über sein Ehrenamt– „und sie haben interessiert nachgefragt – einfach schön“.

Mehr Informationen

Ab 18 Jahren kann man sich bei der Sicherheitswacht engagieren. Man muss eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung vorweisen, gesundheitlich den Anforderungen des Außendienstes gewachsen sein und im Schnitt mindestens fünf Stunden pro Monat dafür Zeit haben. Nach bestandenem Eignungstest wird man in 40 Unterrichtseinheiten auf die Tätigkeit vorbereitet. Am Ende gibt es ein Prüfungsgespräch. Für den Dienst gibt es eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde. Weitere Informationen gibt es bei der Polizeidienststelle Unterhaching sowie im Internet unter www.polizei.bayern.de/wir/sicherheitswacht.

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