Motive wie die Frauenkirche oder der Olympiaturm verleihen den Longboards von Florian Totzauer den gewissen Heimat-Charme. 
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Motive wie die Frauenkirche oder der Olympiaturm verleihen den Longboards von Florian Totzauer den gewissen Heimat-Charme. 

Zu Besuch in der Werkstatt

Handarbeit mit Heimatcharme: Diese Longboards hat nicht jeder

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Die meisten Longboards werden außerhalb Europas gefertigt. Die Boards von „A’gscheid’s“ kommen aus Bayern. Florian Totzauer stellt sie in Taufkirchen her.

Taufkirchen – Die Longboards heißen Kaiser, Alois oder Fanni. An den Wänden in der Werkstatt in Taufkirchen hängen die Holzbretter, mit Motiven der Frauenkirche und des Olympiaturms. Während der Arbeit läuft Musik von Münchner Hiphop-Künstlern. Die Werkstatt von Longboard-Bauer Florian Totzauer, 39, ist ein bayrischer Minikosmos. Er nennt ihn: „A’gscheid’s“.

Ein Hauch von Freiheit

Die Bretter, die Totzauer in Taufkirchen baut, sind länger als Skateboards. Der Unterschied zum Skateboard ist, dass der Achsabstand und die Rollen größer sind. Longboards lassen sich so auch bei höheren Geschwindigkeiten stabil fahren. Für Totzauer bedeutet Longboard-Fahren Freiheit. „Es ist wie Surfen oder Snowboarden“, sagt er. Totzauer flößt den Boards einen gewaltigen Hauch Bayern dazu. Er benutzt Holz von Eschen-, Eichen- und Ahornbäumen – aus heimischen Wäldern.

Der Longboard-Spezialist selbst wohnt nur eine „Zigarettenlänge weit“ von der Werkstatt entfernt, sagt er. Die Bretter baut er nebenher, eigentlich arbeitet Totzauer als Heizungs- und Lüftungsbauer. In der Werkstatt stehen zwei große Tische, eine selbst gebaute CNC-Fräse und jede Menge Holz. Alles, was der Skate-Liebhaber für die Herstellung der Boards braucht, findet er in seinem 24 Quadratmeter großen Raum. Die meisten Bestellungen sind Auftragsarbeiten.

Auf seiner selbst gebauten CNC-Fräse werden die Bretter in Form gebracht. 

So entsteht das Longboard

Seine Longboards baut er so: Die Holzfurniere presst er im Vakuum-Verfahren mit Glasfasern zusammen. Zum Verkleben benutzt Totzauer Epoxyd-Harz. Auf seiner selbst gebauten CNC-Fräse bringt er die Bretter in Form und schneidet die Aussparungen für die Achsen aus. Die Boards werden mehrfach versiegelt, sie sind somit wasserfest.

Der junge Familienvater mag die Maserung des Holzes, er brennt deshalb die Bretter an, damit die Musterung besonders zur Geltung kommt. An einem Board arbeitet Totzauer acht bis zehn Stunden. „Ich bin Perfektionist“, sagt er. Holz und Metall seien „seine“ Materialien. 20 bis 30 Stück entstehen jedes Jahr.

So entstand die Idee

Die Handarbeit hat seinen Preis: rund 350 Euro kostet ein Board. In jedem einzelnen steckt das Wissen, das sich Totzauer mehrere Jahre angeeignet hat. Alles begann vor sieben Jahren: Totzauers Freundin hatte sich selbst ein Longboard gebaut. Florian Totzauer nahm es in die Hand und sage: „Da bau ma jetzt a gscheid’s“.

Der Name und die Geschäftsidee waren geboren. Sieben Jahren später ist die Werkstatt in Taufkirchen voll mit „A’gscheid’s“-Aufkleber. Sie kleben auf dem Laptop, der CNC-Fräse und dem Feuerlöscher. Die Arbeit „gscheid“ zu machen, das versucht Florian Totzauer bei jedem seiner Longboards.

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