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Er gibt den Toten ein gutes Aussehen: Alfred Riepertinger hat mit dem Tod beruflich zu tun.

Interview mit Oberpräparator

Er hat Moshammer einbalsamiert

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Franz Josef Strauß, Rudolph Moshammer, Roy Black: Sie alle hat Alfred Riepertinger getroffen – nach ihrem Tod. Wie diese Begegnungen so waren, verrät er im Interview.

Taufkirchen – Der 62-jährige Riepertinger  aus Germering ist Oberpräparator am Klinikum Schwabing, hat Zeit seines Lebens mehr als 25.000 Leichname hergerichtet und darüber ein Buch geschrieben, das er am Donnerstag in Taufkirchen vorstellt. Im Interview verrät Riepertinger, wieso er bei der Einbalsamierung Moshammers den Kühlraum verriegeln musste – und was nach dem Tod kommt.

-Herr Riepertinger, haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein, wieso sollte ich?

-Weil niemand weiß, was danach kommt…

Und genau das macht so vielen Angst. Bei der Geburt wissen wir, was uns erwartet, nämlich das Leben. Beim Tod dagegen ist ungewiss, was hinterher geschieht, und deshalb wollen sich die Menschen nicht damit beschäftigen. Das wiederum führt dazu, dass der Tod so viele auf dem falschen Fuß erwischt. In einer Zeit, in der wir uns auf alles Mögliche vorbereiten, bereiten wir uns ausgerechnet nicht auf das vor, was auf jeden Fall kommen wird.

-Und Sie fürchten sich davor nicht?

Mein Beruf hat meine Ängste vor dem Tod abgebaut. Ich habe tausende Menschen gesehen, die vor mir diesen Weg gegangen sind – Menschen, die teilweise genauso alt waren wie ich oder sogar noch jünger.

-Wobei Sie schon früh mit dem Tod in Kontakt gekommen sind...

Ich habe bereits während meiner Lehre zum Werkzeugmacher nebenbei bei einem Bestatter gearbeitet. Und danach habe ich meinen Zivildienst beim Leichenabholdienst im Klinikum Schwabing gemacht. Der ist dafür zuständig, alle Patienten, die im Krankenhaus sterben, in die Pathologie zu bringen.

-Und dort sind Sie nach Ihrem Zivildienst geblieben – als medizinischer Präparator. Was genau ist Ihre Aufgabe?

Wenn ein Leichnam zu uns kommt, nehmen wir ihn in Obhut und betten ihn um. Danach kann ihn der Bestatter abholen oder es kommt zu einer Obduktion. Die führen Arzt und Präparator gemeinsam durch, wobei wir für die technischen Arbeiten zuständig sind. Also zum Beispiel das Öffnen von Kopf, Brust oder Bauch, die Entnahme der Organe und das Zunähen hinterher.

-Sie selbst sprechen davon, dass sie Leichname „herrichten“?

Unser Ziel ist es, dass jeder Leichnam so weit hergerichtet ist, dass die Angehörigen des Verstorbenen am offenen Sarg Abschied nehmen können. Das ist beileibe nicht immer leicht, gerade bei Unfalltoten oder Suiziden. Ein Präparator braucht vor allem gute anatomische Kenntnisse und handwerkliches Geschick.

-Und die richtigen Geräte?

Das Wichtigste sind Nadel und Faden. Dazu kommen dann noch Schminke und spezielle Pasten zum Überdecken. Wobei allein das Waschen des Leichnams schon viel ausmacht.

-Sie reden über Tote und den Tod wie andere über ihr Frühstück. Lässt Sie das alles kalt?

Ich bin mit der Gabe gesegnet, dass ich einen professionellen Abstand zu den Dingen halten kann. Das muss man in diesem Beruf, denn nur so kann man die Gedanken an die Toten hinter sich lassen, wenn man das Institut verlässt. Allerdings darf man auch nicht abgebrüht sein, denn sonst ist man nicht mehr in der Lage pietätvoll mit dem Leichnam umzugehen.

-Immer wieder liegen auch Prominente vor Ihnen auf dem Tisch. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie Franz Josef Strauß einbalsamiert haben?

Ich habe mir zwei Minuten Zeit genommen, um zu verinnerlichen, wer da vor mir liegt. Danach habe ich ganz normal meine Arbeit gemacht – so wie bei jedem anderen Leichnam.

-Und das, obwohl die Klinik von Polizisten umlagert war?

Die wollten unbedingt verhindern, dass Fotografen reinkommen und Bilder machen. Noch schlimmer war es nur bei Rudolph Moshammer. Damals haben wir sogar den Raum verriegelt.

-Zuletzt noch eine Frage an den Experten: Was kommt denn nun nach dem Tod?

Da kann ich Ihnen zwei mögliche Antworten geben. Die erste ist: Wir kehren wieder zurück in den Zustand vor unserer Geburt. Man ist also nicht mehr da und kriegt nichts mehr mit.

-Ich hoffe, die zweite Variante ist etwas erbaulicher?

Das ist die barocke Antwort, die sich an den Brandner Kaspar anlehnt. Und zwar die Vorstellung, dass wir nach unserem Tod in den Himmel kommen und dort mit allen Menschen, die wir gekannt haben, beim Weißwurstfrühstück zusammensitzen.

Das Gespräch führte Patrik Stäbler

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