Von weitem nicht zu entziffern: Auf der alten Grabplatte sind die Namen der Vorfahren von Maria Berghammer (r.) und Sohn Johann (2.v.l.) vermerkt. Maria Berghammer, die am Seidlhof lebt, würde die Platte gerne an den Eingang einer Kapelle stellen, die sie noch errichten möchte. 
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Von weitem nicht zu entziffern: Auf der alten Grabplatte sind die Namen der Vorfahren von Maria Berghammer (r.) und Sohn Johann (2.v.l.) vermerkt. Maria Berghammer, die am Seidlhof lebt, würde die Platte gerne an den Eingang einer Kapelle stellen, die sie noch errichten möchte. 
Das historische Hochzeitsfoto zeigt Johann Berghammer, der 1931 Josepha Ortler aus Bergham geheiratet hat.
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Das historische Hochzeitsfoto zeigt Johann Berghammer, der 1931 Josepha Ortler aus Bergham geheiratet hat.
Der Seidlhof (Foto rechts) ist markant. Auf dem Balkon: Maria Berghammer (r.) mit ihrem Sohn Johann (l.), den Enkelkindern Anna und Franziska Berghammer und ihrer Schwiegertochter Petra Berghammer.
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Der Seidlhof (Foto rechts) ist markant. Auf dem Balkon: Maria Berghammer (r.) mit ihrem Sohn Johann (l.), den Enkelkindern Anna und Franziska Berghammer und ihrer Schwiegertochter Petra Berghammer.
Familie Berghammer: Petra Berghammer, Johann Berghammer jun., Johann Berghammer, Anna Berghammer und Franzi Berghammer
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Familie Berghammer: Petra Berghammer, Johann Berghammer jun., Johann Berghammer, Anna Berghammer und Franzi Berghammer
Der Seidlhof aus der Luft: Auf der Wiese in der Mitte sieht man weiße Wäsche wehen. Deshalb hat Maria Berghammer hinten auf das Bild, das bei ihr in einem dicken Holzrahmen im Flur hängt, geschrieben, dass es an einem Montag aufgenommen worden sein muss. 
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Der Seidlhof aus der Luft: Auf der Wiese in der Mitte sieht man weiße Wäsche wehen. Deshalb hat Maria Berghammer hinten auf das Bild, das bei ihr in einem dicken Holzrahmen im Flur hängt, geschrieben, dass es an einem Montag aufgenommen worden sein muss. 

Die Berghammers

Familienchronik bis ins Jahr 1746

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Zum 50. Geburtstag von Johann Berghammer war sie fertig, die Familienchronik der Berghammers, die bis ins Jahr 1746 zurückreicht.

Taufkirchen – Damals, so ist in der Abschrift einer alten Taufkirchner Chronik zu lesen, heiratete Maria Burghart einen Mathias Berghamer; den Familiennamen schrieb man zu dieser Zeit noch mit einfachem M. Sesshaft wurde das Paar am Seidlhof, Adresse: Winning 11 in der Dorfstraße; erbaut von der Familie Seidl, danach im Besitz der Burgharts und seit der Hochzeit von Mathias und Maria der Familiensitz der Berghammers.

Eine der Nachfahren ist Maria Berghammer (77). Sie pflegt die Geranienpracht am Balkon und kocht in der Küche, in der einst die Großfamilie saß. Gerne kommen ihr Sohn Johann (50), dessen Frau Petra (45) und die drei Enkelkinder (15, 13 und 10) vom nahegelegenen „Aussiedlerhof“ am Zacherlweg zum Essen vorbei – und plaudern über die lange Familiengeschichte.

Historiker bekommt Material

Vor drei Jahren hat Maria Berghammer alle Aufzeichnungen, Postkarten und Erinnerungsstücke, die sie finden konnte, an einen Historiker übergeben – mit der Bitte, eine Familienchronik zu erstellen. Schließlich reicht nicht nur der Name Berghammer weit in die Taufkirchner Geschichte zurück. Auch Maria Berghammers Taufname Trenner ist durch die gleichnamige Gastwirtschaft in ganz Taufkirchen und darüber hinaus bekannt. Heuer im Mai feierte das Gasthaus sein 100-jähriges Bestehen, die Wurzeln reichen mindestens bis ins Jahr 1694 zurück und erlauben den Zusatz „älteste Wirtschaft im Hachinger Tal“.

Zum 50. Geburtstag von Johann Berghammer im April wurde die Chronik Berghammer – Trenner als Überraschungsgeschenk überreicht. Besonders ausführlich: der Stammbaum, der im Jahr 1824 beginnt, dem Geburtsjahr des Ur-Ur-Großvaters Johann Baptist Berghammer. Dessen Söhne, Johann und Andreas, luden 1898 zu einer Doppelhochzeit ein. Die Schwarz-Weiß-Fotografie des Doppel-Brautpaares ist in der Familienchronik abgebildet. Doch die gemeinsame Trauung brachte den Landwirten kein Glück.

Ehe blieb kinderlos

Johann, der ältere der Brüder, hätte den Seidlhof in der Dorfstraße übernehmen sollen. Doch die Ehe blieb kinderlos. Eine ganze Seite lang lässt sich der Verfasser der alten Taufkirchner Chronik über das Fehlen eines Hoferben aus. Es drohte Gefahr, „dass das Dollanwesen, der Seidlhof und der Erlös aus dem Kaindlanwesen in fremde Hände fällt“, heißt es darin. 1902 schließlich ging aus der Ehe des jüngeren Bruders, Andreas Berghammer, mit Maria Klarer glücklicherweise ein Sohn hervor – der ersehnte Nachfolger, der den Stamm der Berghammers am Leben hielt. An ihn, Johann Berghammer, fiel später der gesamte Familienbesitz. 1931 heiratet er Josepha Ortler aus Bergham und lebte bis zu seinem Tod am Seidlhof.

Der Sohn der beiden, abermals ein Johann Berghammer, wurde 1933 geboren. 1963 heiratete er Maria Berghammer, geborene Trenner, die heute nicht nur im Besitz der ausführlichen Familienchronik ist, sondern auf dem Seidlhof auch noch andere Schätze birgt: „Kommen Sie in die Garage, ich zeig’ ihnen was!“, sagt sie. Sohn Johann packt mit an und wuchtet eine alte Grabplatte hervor. Auf dem grauen Stein sind die Geburts- und Sterbedaten der Vorfahren und deren Ehefrauen zu lesen: Johann Berghammer, Therese Berghammer, Andreas Berghammer, Maria Klarer. „Die Platte soll einmal am Eingang einer kleinen Kapelle stehen“, sagt Maria Berghammer. Wo sie die errichten will, hat sie zwar noch nicht entschieden. Doch der Wunsch nach einem Gedenkort am Hof der Familie ist da.

Ihr größter persönlicher Schicksalsschlag war 1985 der Tod ihres Mannes. Er verstarb plötzlich nach kurzer schwerer Krankheit, und Sohn Johann (geboren 1967), der gerade in der Lehre war, übernahm den landwirtschaftlichen Betrieb quasi vom einen auf den anderen Tag. „Er war erst 18 Jahre alt“, erzählt Maria Berghammer, „aber er hat alles sehr gut geschafft.“ Die Bullenmast gab Berghammer 1993 auf. Auf den Feldern baute die Familie aber auch weiterhin Getreide, Raps und Mais an, dazu kommen forstwirtschaftliche Flächen im Wald.

Landwirtschaft und Gastwirtschaft

Etwa 15 landwirtschaftliche Betriebe gibt es heute noch in Taufkirchen, schätzt Johann Berghammer, der sich freut, dass sein 15-jähriger Sohn – wieder ein Johann Berghammer – den Familienbetrieb weiterführen will. Aktuell besucht er die Wirtschaftsschule in Oberhaching und möchte nach Abschluss der zehnten Klasse eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker machen.

Und auch ihre Verbindung zur Gastwirtschaft hält die Familie Berghammer-Trenner am Leben. Zwar nicht in Taufkirchen, wo das Gasthaus Trenner seit 30 Jahren an das Wirtepaar Bender verpachtet ist, dafür aber in Baiernrain im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Hier betreibt Johann Berghammers ältere Schwester Maria gemeinsam mit ihrer Familie den Hotel- und Landgasthof Baiernrain. Zuhause sind die Wirtsleute und ihre drei Söhne, Franz, Stefan und Kilian in Altkirchen bei Sauerlach.

Wenn heute die ganze Familie zusammenkommt, wird es wieder voll in der Küche von Maria Berghammer am Seidlhof. So wie vor 50 Jahren, als neben ihrem Mann und den eigenen, damals noch ganz kleinen Kindern auch die Schwiegereltern, der Knecht, das Pflegekind Trudi und die Gerl, Mari, die überall mit anpackte, am Tisch saßen. Nach dem gemeinsamen Essen ging es zurück an die Arbeit; am Hof, im Stall oder auf dem Feld. „Die Berghammers“, sagt Maria Berghammer, „waren alles ruhige, brave Leut’, die fleißig gearbeitet haben.“

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