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Gegen den Krieg ansingen

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Von: Andrea Kästle

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Sabine Sauer
Premiere: BR-Moderatorin Sabine Sauer stand bisher noch nie als Sängerin auf einer Bühne. © Andrea Kästle

In Taufkirchen fand ein bewegendes Solidaritätskonzert für die Ukraine im Ritter-Hilprand-Hof statt.

Taufkirchen – An den Wänden gelbe und blaue Friedenstauben mit Ölzweig im Schnabel, auf der Bühne Bilder vom Krieg. Soldaten mit Maschinengewehren, zerstörte Häuser, ein Kind im grünen Anorak, mit Mütze, das vor einer Ruine steht. Vor dieser Kulisse ist am Sonntag im Ritter-Hilprand-Hof in Taufkirchen ein Solidaritätskonzert für die Ukraine über die Bühne gegangen.

Rund 400 Besucher hatten den Weg ins Kulturzentrum gefunden, sie erlebten drei teils hoch bewegende Stunden – mit Musik vom Feinsten. Vor der Pause, als zwei Tenöre, die dem Chor der Münchner Staatsoper angehören und aus der Ukraine beziehungsweise Litauen kommen, die ukrainische Nationalhymne sangen, dürften einige von ihnen den Tränen nahe gewesen sein.

Initiator Claus Blank

Initiiert hatte das Ganze Claus Blank, ehemaliger langjähriger Leiter der Taufkirchner Musikschule, der inzwischen mit seiner Familie in Polen lebt, nur rund 570 Kilometer entfernt vom Krieg. Er ist bestens vernetzt – und hatte das abwechslungsreiche Programm innerhalb weniger Tage zusammengestellt, das dann in Rekordgeschwindigkeit umgesetzt worden ist – in „bemerkenswerter Zusammenarbeit mit dem Team vom Ritter-Hilprand-Hof“. Dabei war im ersten Teil eher Volksmusik zu hören, nach der Pause brachten dann Mitwirkende der Musikschulen Taufkirchen und Grünwald moderne Friedenslieder zum Vortrag. Am Ende spendeten die Besucher genau 7826 Euro, die nun der Ukraine zugutekommen, „das hätte ich mir nicht erträumt“, meinte Claus Blank, der auch Geflüchtete aus der Ukraine bei sich aufgenommen hat. „Die Situation ist sehr bedrückend“, erzählt er.

Dass niemand gedacht hätte, dass es noch einmal zu einem Krieg in Europa kommt, sagte in seiner kurzen Ansprache Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). Er hatte zusammen mit Landrat Christoph Göbel, der wegen seiner Corona-Erkrankung nicht kommen hatte können, die Schirmherrschaft für den Nachmittag übernommen.

Von Bavarian Rhapsody bis Chopin

Eröffnet hat das Konzert die Unterbiberger Hofmusik, quasi die Familie Well aus dem Landkreis – und bekanntlich in der Welt zuhause. Franz, Irene, Xaver und Franz junior Himpsl, verstärkt durch den ungarischen Tubisten Gergö Matyas, begannen mit der „Bavarian Rhapsody“ und spielten dann eine Komposition, die den Text des osttürkischen Stückes „Uzun Ince Bir Yoldayim“, verknüpft mit dem Choral „Innsbruck, ich muss dich lassen“ von Heinrich Isaac. Inhalt: Flucht aus der Heimat.

Es folgten: Brechts „Bitten der Kinder“, gesungen von Moderator Herbert Hanko, außerdem „Sag mir, wo die Blumen sind“, das Hanko zusammen mit seiner BR-Kollegin Sabine Sauer vorgetragen hat. Nach der „Revolutionsetüde“ von Frederic Chopin, der lang in Warschau gelebt hatte, gehörte die Bühne Gintaras Vysniauskas aus Litauen und Wasyl Bil, einem ukrainischen Freund von Claus Blank – beide sind Mitglieder im Chor der Staatsoper. Vysniauskas trug Tracht, die zwei Tenöre bestritten sicher den bewegendsten Teil des Nachmittags. Allein der Text der 1862 komponierten Nationalhymne, die sie zusammen mit den Unterbibergern zu Gehör brachten, sorgte dafür, dass man einen Kloß im Hals bekam: „Noch sind der Ukraine Ruhm und Freiheit nicht gestorben, noch wird uns lächeln, junge Brüder, das Schicksal, ...“

Nach einer Pause: moderne Anti-Kriegs-Songs, intoniert von Schülern und Lehrern der Musikschulen Taufkirchen und Grünwald. Darunter Reinhard Meys „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ von 1984 ebenso wie „Wozu sind Kriege da?“ von Udo Lindenberg, dem „Wind of change“ von den Scorpions, Dylans „Blowin in the wind“. Letzter Beitrag, als es draußen längst dunkel war: „Imagine“ von John Lennon. Langer Applaus, Bravo-Rufe.

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