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Ungewisse Zukunft: Das Haus ist beliebt bei seinen Bewohner, doch ein Umzug scheint unvermeidbar.

Gemeinderat lässt zwei weitere Grundstücke prüfen

Neue Debatte um Standort für Seniorenheim

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Wie und vor allem wo geht es mit dem Seniorenwohnheim in Taufkirchen weiter? Diese Frage treibt derzeit viele Menschen in der Gemeinde um. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats wurden die Karten neu gemischt. Nachdem die Standortdebatte zunächst in nichtöffentlicher Sitzung stattfinden sollte, beantragte Peter Hofbauer von den Freien Wählern, die Debatte in die öffentliche Sitzung zu verlegen – was die Mehrheit befürwortete und was sogleich umgesetzt wurde.

Taufkirchen – Ende 2018 hatte das Gremium noch einen Alternativstandort am Oberweg diskutiert, den ein Architekt auf Wunsch des Gemeinderats überplant hatte. Sein Konzept für ein Mehrgenerationenquartier gefiel vielen. Doch danach entbrannte eine Debatte, ob es gut wäre, die Senioren an den Ortsrand zu verlegen. Altbürgermeister Walter Riedle schimpfte in einem offenen Brief an die Gemeinde, warum sie das derzeitige Grundstück nicht selbst gekauft habe, um den optimalen Standort in der Ortsmitte zu erhalten und wetterte: „Die Alten sollen – wie Müll – an den Ortsrand aus- und abgelagert werden.“

So drastisch wollte es keiner der Gemeinderäte formulieren, doch in der Sitzung beschlossen sie, zwei weitere Standorte zu prüfen: einen am Wolfschneiderhof, in der Verlängerung des Köglwegs. Das Grundstück gehört der Gemeinde. Geklärt werden muss hier, wie es erschlossen werden kann – wofür die Gemeinde noch einen Teil eines kirchlichen Grundstücks bräuchte. Laut Bürgermeister Ullrich Sander (parteilos) hierzu laufe eine Anfrage.

Das zweite Grundstück gehört der Rock-Capital-Group – die auch das Grundstück mit dem jetzigen Seniorenheim 2018 vom Arag-Versicherungskonzern gekauft hatte. Es liegt an der Mehlbeerenstraße, nahe dem S-Bahnhof. Für Grünen-Gemeinderat David Grothe die ideale Lösung: „Rock Capital würde hier sicher unterstützen, auch weil es Interesse an einem Umzug der Senioren hat.“ Nur dann könne der Investor den derzeitigen Standort neu beplanen. Denn: Als die Gemeinde das Grundstück am Hachinger Bach vor 35 Jahren an die Arag verkaufte, machte sie eine Auflage, die im Grundbuch festgeschrieben ist: Die Gesellschaft müsse dort für mindestens 50 Jahre ein Seniorenwohnheim betreiben.

Peter Hofbauer bevorzugt den Standort am Wolfschneiderhof, da die Grundstücke der Gemeinde gehörten und nur einen Katzensprung vom derzeitigen Standort entfernt seien. Paul Haberl (CSU) plädierte noch einmal für den Oberweg. „Dort ist die Grundstücksfrage die Erschließung geklärt.“ Bei den anderen Orten dauere die Planung deutlich länger. „Am Ende schaffen wir es nicht rechtzeitig und dann ist es – typisch Taufkirchen – wieder mal so, dass wir nix geschafft haben, wo es weitergeht.“

Drängen lassen will sich Matteo Dolce von der SPD nicht. „Wir brauchen eine sachlich gute Entscheidung.“ Er fragte sich, ob der Mietvertrag am derzeitigen Standort nicht noch verlängert werden könne. Das erscheint unwahrscheinlich, spricht man mit Heike Winkler, Vorstand des Diakoniewerks Hohenbrunn, Träger des Heims. Für sie wäre ein Neubau an anderer Stelle die beste Lösung. „Wir können hier die neuen gesetzlichen Auflagen für Pflegeheime gar nicht mehr erfüllen.“ Die Bäder seien nicht barrierefrei, ebenso die Balkone. Auch wenn derzeit einiges gemacht werde – eine komplette Sanierung bei laufendem Betrieb – „undenkbar“. Für fünf Jahre hat das Diakoniewerk einen Mietvertrag mit dem neuen Inhaber Rock Capital abgeschlossen, danach „würde die Heimaufsicht das Haus wohl ohnehin schließen.“ Die Idee des Mehrgenerationenquartiers hatte sie begrüßt. Weil dort neben kleinen Geschäften und Kinderbetreuung auch Wohnungen entstehen sollen. „Und ohne die bekommen wir in Zukunft sowieso kein Personal mehr“, sagt sie.

Auf eine baldige Entscheidung drängt Herbert Heigl (CSU). „Für mich ist klar: Das neue Haus muss am 30.6.2023 stehen.“ Der Platz am Wolfschneiderhof sei hierfür die einfachste Variante. Wie fast alle Gemeinderäte stimmte er für den Antrag von SPD-Fraktionschefin Rosemarie Weber, die beiden Standorte am Wolfschneiderhof und an der Mehlbeerenstraße zu prüfen. Beim vierten Standort, den Kegelfeldern, soll zumindest abgefragt werden, ob der Eigentümer (Siemens) für die Realisierung eines Seniorenheims aufgeschlossen ist.

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