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Ehrengast am Klavier: Joe Kienemann mit der Veterinary Street Jazz Band.

Jazzfrühling

Gleich hinter Taufkirchen fließt der Mississippi

Taufkirchen – Beim dreitägigen Jazzfrühling im Kultur- und Kongress Zentrum Ritter Hilprand-Hof folgte dem Swing Orchestra „Wine And Roses“ der Matinee die Veterinary Street Jazz Band und am Abend Dusko Goykovich‘s „Five horns and rythm combination“.

Die Veterinary Street Band, die 20 Jahre lang am Kirchweihfest aufspielte und jeden Donnerstag im Wirtshaus „Zum Isartal“ (Brudermühlstraße 2), gab nun an Ostern den Takt an, nach dem die Herzen der Fans schlugen.

Die acht Musiker stellten sich gleich anfangs auch als Solisten vor. Perfekt abgestimmt, ließ der farbige Klang Jazz der 1920er Jahre aufblühen. Doch hinter Standards wie dem „West End Blues“ von Joe „King“ Oliver verbargen sich mitunter Schicksale. Oliver erlebte mit seinen Dixie Syncopaters, deren bruchlos eingefügte Soli einst bewundert wurden, diesen Blues als Erfolg, doch musste er die Band 1928, im gleichen Jahr, wegen mangelnder Arbeit auflösen. 

Schon 1918 ersetzte er sich in seiner eigenen Band als Trompeter durch Louis Armstrong, der ihm 1922 als 2. Trompeter seiner Creole Jazz Band nach Chicago folgte. Das Lied des Films „New Orleans”, „Do you know what it means to miss New Orleans“ (1947), das Armstrong und der Sänger Billy Holiday mit Sehnsucht nach dem Mississippi bei Mondlicht füllten, prägte sich den Taufkirchenern in seiner Schwermut ein.

Der Mississippi wurde aber auch mal freudig besungen, „Lou-easy-an-ia“ hieß das triumphal endende Lied, wobei Pianist und Schlagzeuger aufhorchen ließen. Mit „Doktor Jazz“ wurde man an King Olivers Brauch erinnert, auf einem Lastwagen mit der Band diesen Stomp, ein Tanz Farbiger, zu spielen. Wiederum war Oliver überrascht, seinen „Camp Meeting Blues als wehmütiges Liebeslied „Creole Love Call“ in Duke Ellington’s Stil wiederzufinden. In Taufkirchen erklang es im Gedenken an Hugo Strasser, als Klage wirkten ein Solo des Trompeters Heinz Dauhrer und des Pianisten Joe Kienemann, der Ehrengast.

Gewandt variierte dieser Motive, sang aber auch die sehnsuchtsvolle Ballade „Georgia On My Mind“ mit, so wie der Trompeter und Gerhard Reichel (Posaune) oder Stephan Reiser und Ingo Erlhoff (Klarinette, Saxophon) als Sänger stilsicher hervortraten. 

elancholisch wirkte der „Tin Roof Blues“. Lustvoll muszierte die Band Armstrong’s „Struttin‘ With Some Barbecue“, flott, mittendrin ein Duo von leuchtender Trompete und brummelndem tiefschwarzen Sousaphon von Stefan Frühbeis, übermütig ein Solo von Uli Kümpfel (Banjo), den die Band verhalten begleitete, oder von Axel Blanz (Schlagzeug).

Gas gab die Band bei der Dixieland-Nummer „Fidgety Feet“. Am Ende waren, nach „Sweet Georgia Brown“ als fröhlichem Rausschmeißer, drei Stunden vergangen. Moderator Frühbeis legte den Fans das Ostermontagskonzert ans Herz, wo Ben Cottrell’s Boygroup „Beats & Pieces“ aus Manchester Pop- and Rockjazz sowie Jazz Actuel vorstellte. Arno Preiser

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