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Extrem engagiert sind die Helfer des „Hachinger Tischs“. Doch eine Essenausgabe im ersten Obergeschoss, nur zu erreichen über einen kleinen Lift, können sie sich nicht vorstellen.

Abriss der Lindenpassage in Taufkirchen  

Helfer wollen nicht in den ersten Stock

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Umzüge sind lästig. Den „Hachinger Tisch“ trifft es seit seiner Gründung 2006 bald zum dritten Mal. Da die Lindenpassage, wo der „Tisch“ derzeit sein Quartier hat, abgerissen und neu gebaut wird, hat die Gemeinde Taufkirchen einen Umzug in die Eschenpassage angeboten. Das allerdings lehnen die Ehrenamtlichen ab. Die Lage im ersten Stock sei für Helfer und Bedürftige ein zu großes Hindernis, argumentieren sie.

Taufkirchen– Neujahrsempfang der Gemeinde Taufkirchen, erstmals sind auch ehrenamtliche Helfer des „Hachinger Tischs“ dabei und äußern gegenüber Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) ein wichtiges Anliegen: Da die die Lindenpassage abgerissen wird (wir berichteten), braucht auch der „Hachinger Tisch“ in naher Zukunft eine neue Heimat, um die rund 200 Bedürftigen aus Taufkirchen, Unterhaching und Oberhaching jeden Freitag mit Lebensmitteln versorgen zu können.

Die Idee der Gemeinde allerdings lehnen die Helfer ab. Diese wollte ursprünglich, dass der „Hachinger Tisch“ von der Lindenpassage ins erste Obergeschoss der Eschenpassage umzieht. Die Gemeinde hätte dort auf eigene Kosten eine ehemalige Arztpraxis umbauen lassen, um Platz für Ausgabe und Lagerräume zu schaffen.

Auch Claudia Mammach, Fachdienstleitung für „Soziale Dienste“ der Caritas im Landkreis München und damit zuständig für den „Hachinger Tisch“, wäre mit dieser Lösung zufrieden gewesen. „Ich hätte die Räume gerne genommen“, sagt sie auf Nachfrage des Münchner Merkur.

Doch mittlerweile steht fest: Ein Umzug in die Eschenpassage fällt flach. Die Ehrenamtlichen des „Hachinger Tisches“ haben ihr Veto eingelegt. Mammach musste der Gemeinde absagen. Dies gab der stellvertretende Bauamtsleiter Thomas Beer im Gemeinderat bekannt.

Die Argumentation der Helfer: Im ersten Obergeschoss, das nur mit einem kleinen Lift zu erreichen ist, sei die Arbeit nicht zu machen. „Wir haben beim Hachinger Tisch jede Woche 1,5 Tonnen Lebensmittel“, erklärt Edeltraud Kauffmann vom Leitungsteam im Gespräch mit dem Münchner Merkur. „Da würden wir fürs Raufschaffen der Lebensmittel dauerhaft den Aufzug blockieren.“

Gleichzeitig blieben die gesamten Abfälle – Kisten, Steigen und anderes Verpackungsmaterial – oben liegen. „Wir können doch nicht ständig rauf und runterrennen, um das zu entsorgen“, sagt Kauffmann. „In unserem Team sind alle Rentner – zwar noch ziemlich fit – aber eine große Anstrengung ist es trotzdem.“

Deshalb habe das Leitungsteam bereits im Dezember – nach einer ersten Besichtigung der Räume – einen Brief an die Gemeinde aufgesetzt und darin die vier Hauptprobleme des möglichen neuen Standorts benannt. Größtes Hindernis: der kleine Lift. Er falle oft aus und sei auch für die rund 200 Bedürftigen zu klein. „Die meisten kommen mit kleinen Wägelchen zu uns. Viele sind schlecht zu Fuß und können keine Treppen gehen.“

Wie Beer im Gemeinderat sagte, habe man deshalb angeboten, den Lift nachzurüsten oder einen Hubwagen zu organisieren. Doch die Helfer blieben bei ihrem Nein. „Bevor die Gemeinde Geld ausgibt, sollte es doch der richtige Raum sein“, sagt Kauffmann stellvertretend für die 120 Ehrenamtlichen aus Unterhaching, Oberhaching und Taufkirchen.

Denn der Standort berge weitere Probleme: Es sei nicht geklärt, ob und wo die dringend benötigten Abfallbehälter stehen könnten, zudem werde der benachbarte Discounter Norma ebenfalls immer freitags von großen Lkw beliefert. Und: die Bedürftigen, die zum „Hachinger Tisch“ kommen, stünden an diesem Standort zu sehr im Fokus. „Freitags gehen die Leute zur S-Bahn oder zum Wochenmarkt“, erklärt Kauffmann. „Aber diejenigen, die zu uns kommen, wollen nicht gesehen werden. Vielen ist es unangenehm, dass ihr Einkommen oder ihre Rente nicht zum Einkaufen im Supermarkt reicht.“

Aktuell steht der „Hachinger Tisch“ nun also wieder ohne neue Bleibe da. Zwar ist der Zeitdruck noch nicht akut, „doch die Gemeinde sieht momentan keine andere Möglichkeit“, sagte Beer im Gemeinderat. Claudia Mammach von der Caritas hofft, dass sich dennoch eine Lösung finden lässt. „Die letzte Alternative wäre, Container aufzustellen“, sagt sie. Doch wo wäre Platz dafür? „Am Rande der Gemeinde? Das wäre nicht zielführend.“ Vorstellbar sei hingegen ein Umzug nach Unterhaching. „Zwar haben wir in Taufkirchen die meisten Bezieher, aber wir würden auch nach Unterhaching gehen.“ Ihr Appell: Unternehmen oder Privatleute, die geeignete Räume anbieten könnten, sollen sich beim „Hachinger Tisch“ melden. Mammach: „Wir wären mit allem glücklich, was ebenerdig ist und die nächsten fünf Jahre funktioniert.“

Kontakt

zum „Hachinger Tisch“ über Martina Schmidt-Pabst im Caritas-Zentrum Taufkirchen unter Telefon 089/960 51 70. Neben einer neuen Bleibe sucht der „Hachinger Tisch“ derzeit auch dringend ehrenamtliche männliche Helfer, die donnerstags zwischen 9.45 und 12 Uhr und/oder von 16.30 bis 18 Uhr beim Abholen und Einladen von Lebensmitteln in Taufkirchen helfen können.

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