Spuren der Brandnacht: Einen Tag später zeigt sich, was vom Feuer übrig blieb. Bis auf die Grundmauern ist das Gebäude vernichtet. 
+
Spuren der Brandnacht: Einen Tag später zeigt sich, was vom Feuer übrig blieb. Bis auf die Grundmauern ist das Gebäude vernichtet. 

1,5 Millionen Euro Schaden

Nach verheerendem Scheunenbrand: So geht es dem Landwirte-Ehepaar

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
    schließen

1,5 Millionen Euro Schaden sind bei dem Großbrand einer Scheune am vergangenen Sonntag in Taufkirchen entstanden. Im Gespräch mit dem Münchner Merkur erzählt das betroffene Landwirte-Ehepaar, wie es jetzt für sie weitergeht.

Taufkirchen – Am Sonntagabend verspürte Susi, die zwölf Jahre alte Zwergdackelhündin, Appetit. „Ich hatte gerade das Hundefutter hergerichtet“, schildert Christa Klarer den Moment um 17.22 Uhr. „Plötzlich läutet es an der Tür.“ Ein junges Pärchen, eigentlich auf dem Weg zur Bushaltestelle, klingelt Christa Klarer (74) und ihren Mann Ludwig (82) aus der Vorabendidylle: „Bei euch brennt‘s! Sofort raus aus dem Haus!“

Haben die Feuernacht unverletzt überstanden: Das Ehepaar Christa und Ludwig Klarer. Jetzt wollen sie ihre zerstörte Scheune wieder aufbauen.

Ein paar Tage später. Sogar im Schnee draußen verdunkeln schwarze Flecken das frische Weiß. Ruß-Reste einer Nacht, die das Ehepaar Klarer so schnell nicht vergessen wird. Die Spuren des Großbrandes in Taufkirchen sind unübersehbar, nicht nur im Schnee: Verkohlte Trümmer liegen herum, das angrenzte Wohnhaus indes blieb durch das schnelle Eingreifen der Feuerwehr unbeschadet.

Niemand wurde verletzt

Die Feuernacht von Taufkirchen: Wie gehen die Betroffenen mit dem Ereignis um? Der Münchner Merkur hat die Klarers auf ihrem landwirtschaftlichen Anwesen im Ortsteil Potzham besucht. „Das wichtigste ist“, sagt Ludwig Klarer, „dass niemand verletzt wurde. Das war ganz wichtig.“ Seine Frau Christa stimmt zu: „Wir sind wohlauf.“

1979 haben die beiden geheiratet, ein Jahr zuvor übernahm Ludwig Klarer den Hof, den es schon seit 1947 gibt an der Bergstraße in Potzham. Früher gehörte Vieh dazu, heute konzentriert der 82-Jährige, der jahrzehntelang (1972 bis 2002) für die CSU im Gemeinderat saß, sich auf Ackerbau. „Und einen Wald“, ergänzt seine Frau, „haben wir auch.“

Die Grundmauern überstanden das Feuer

Nun liegt manches, aber nicht alles, in verbrannten Trümmern. „Dem Traktor fehlt nix“, sagt Ludwig Klarer. Vom oberen Teil der Scheune ist nichts mehr übrig, aber die Grundmauern überstanden das Feuer. Sogar Autos stehen noch unversehrt darin, landwirtschaftliche Geräte ebenso. Und der Traktor. Was denn, in der Etage darüber, ein Raub der Flammen wurde? „Bretter, eine Hobelmaschine, die Kreissäge. Ersatzfliesen“, sagt Ludwig KLarer. Eine erste Bestandsaufnahme.

Wie es zu dem Feuerausbruch kam? „Woaß i ned.“ Ein Brandfahnder ermittelt. Nach ersten Aussagen der Polizei soll ein Heizstrahler die Ursache für das Feuer gewesen sein. Die Ermittlungen laufen noch.

Nachbarn schotten die Landwirte ab

Die Erinnerungen an die Feuernacht vom Sonntagabend, als 226 Einsatzkräfte sechseinhalb Stunden lang die Flammen bekämpften, sind eher dürr. Denn nach der Alarmierung durch das zufällig vorbeigekommene Pärchen wurden die Klarers sofort von Nachbarn in Empfang genommen und abgeschottet. „Auf einmal war alles voll mit Feuerwehr, Polizei, Notärzten“, schildert Christa Klarer. „Das ganz große Feuer haben wir gar nicht gesehen.“

Lichterloh brannte die Scheune am Sonntagabend. 226 Feuerwehrleute waren mehr als sechs Stunden im Einsatz, um die Flammen zu löschen. 

Scheune soll wieder aufgebaut werden

Die Sachschäden, auf 1,5 Millionen Euro geschätzt, sind versichert, die Aufräumarbeiten laufen. Bleibt die Frage: Was nun? Die Klarers tendieren dazu, die alte Scheune, vor ein paar Jahren erst saniert, nochmals aufzubauen. Vielleicht ein bisschen kleiner als bisher, aber ansehnlich: „Früher war es der Stall. Aber wir legen Wert darauf, dass das Gebäude ein Gesicht hat.“ Ein Architekt soll einen Vorschlag für einen optisch passenden Wiederaufbau machen.

Bis dahin ist viel anderes zu tun. Die Dinge mit den Versicherungen regeln, „das lenkt mich ab“, sagt Christa Klarer. Sie und ihr Mann verbrachten die Nacht nach dem Feuer bei einer Nichte, eine andere Nichte hilft spontan: schiebt eine Mülltonne heran, die alte ist verbrannt.

Überschaubare Probleme. Ebenso, dass kurzfristig die Stromleitung gekappt war und „der Fernseher nicht mehr geht“, weil die Satellitenschüssel vom Brand heruntergerissen wurde. Für Susi, die Zwergdackeldame, die am Sonntagabend um ihr Futter kam, steht in der großen Wohnküche inzwischen alles wieder bereit: Der Fressnapf ist gefüllt, und so blicken bei der Familie Klarer alle optimistisch der Zukunft entgegen.

Auch interessant

Kommentare