1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Taufkirchen (bei München)

Taufkirchen: Intakter PV-Anlage droht Rückbau

Erstellt:

Von: Stefan Weinzierl

Kommentare

Die´ser Photovoltaikanlage droht der Rückbau: Die Anlage rechnet sich nicht für Betreibergesellschaft, so der Geschäftsführer.
Dieser Photovoltaikanlage droht der Rückbau: Die Anlage rechnet sich nicht für Betreibergesellschaft, so der Geschäftsführer. © Bürgersolargesellschaft

Die Betreibergesellschaft strebt eine Übernahme durch die Gemeinde an – doch Taufkirchen zögert.

Taufkirchen – Die Nutzung der Sonnenergie ist für die erfolgreiche Energiewende unabdingbar. Da sind sich alle Experten einig. Trotzdem könnte in der Gemeinde Taufkirchen eine voll funktionsfähige Photovoltaikanlage in absehbarer Zeit abgebaut werden – weil sie womöglich keiner mehr haben will. „Es wäre wirklich schade darum“, sagt Ulrich Haushofer, der die Anlage bisher betreut hat.

Haushofer ist noch Geschäftsführer der Bürgersolargesellschaft Taufkirchen I GbR. Die rund 30 Mitglieder der Gesellschaft haben vor 20 Jahren – unter anderem mit Eigenkapital – den Bau der rund 120 000 Euro teuren PV-Anlage auf dem Dach des Feuerwehrgerätehauses realisiert. Das Dach wurde damals von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug verpflichtete sich die Bürgersolargesellschaft zum Rückbau der Solarmodule.

Jetzt will sich die Gesellschaft auflösen. „Die Anlage hat sich längst amortisiert“, sagt Haushofer. Mit einer Leistung 31,5 Kilowatt-Peak hat sie in 20 Jahren mehr als 600 000 Kilowattstunden Strom erzeugt, womit laut Haushofer rund acht Haushalte versorgt werden können, und eine Rendite von 4,1 Prozent abgeworfen. Auch jetzt würden die PV-Module noch hervorragende Erträge bringen, betont der Geschäftsführer. Die technische Laufzeit dürfte noch viele Jahre betragen. Warum aber will die Bürgersolargesellschaft die PV-Anlage nicht mehr betreiben? „Es liegt an der Einspeisevergütung“, klärt Haushofer auf. Die Vergütungshöhe lag bisher nämlich bei knapp 50 Cent und war garantiert. Diese Garantie läuft Ende des Jahres aus. Ab 2023 ist die Vergütung nicht mehr fix, sondern richtet sich nach dem Börsenpreis.

„Das rechnet sich nicht“

Der lag im vergangenen Jahr laut Haushofer bei etwas über sieben Cent. Trotz den Turbulenzen auf dem Energiemarkt und der angestrebten Energiewende glaubt er nicht, dass der Preis auf absehbare Zeit die Zehn-Cent-Marke überspringen wird. So ist für die Gesellschafter nur mehr ein minimaler Erlös zu erwarten. Angesichts von zwingenden Ausgaben für den Steuerberater, die Versicherung der Anlage und die Gesellschafterversammlungen – ganz zu Schweigen von der Entlohnung des Geschäftsführers – rechnet sich das nicht.

Wenn dagegen die Gemeinde die Anlage für den Eigenverbrauch nutzt, sei das für sie durchaus profitabel, meint Haushofer. Erste Gespräche mit der Gemeinde hätten bereits stattgefunden, sagt der Geschäftsführer. Dabei habe es positive Signale von der Gemeinde gegeben.

Der Bauamtsleiter im Rathaus, Stefan Beer, widerspricht. Die Bürgersolargesellschaft sei auf die Gemeinde zugekommen und habe ihren Vorschlag dargelegt. Die Gemeinde habe bisher nur zugesagt, die Anlage von einem Experten überprüfen zu lassen. Der soll kommende Woche die Module inspizieren und prüfen, ob die Anlage geeignet ist, um Strom fürs Feuerwehrhaus zu gewinnen. Nur wenn dies der Fall ist, wird die Gemeinde möglicherweise mit der Gesellschaft über eine Übernahme verhandeln.

Und es gibt noch einen zweiten Knackpunkt: die bestehende Rückbauverpflichtung. Zwar hat die Gesellschaft, wie ihr Vorsitzender Ulrich Gienger betont, 9000 Euro für den Rückbau der Anlage zurückgelegt. Falls man die Module der Gemeinde aber für einen symbolischen Preis von einem Euro schenkt, will man dieses Geld einbehalten. Die Kosten für einen späteren Rückbau soll die Gemeinde selbst übernehmen. „Auch da gibt es noch Gesprächsbedarf“, meint Beer diplomatisch.

Das wiederum sieht Gienger anders: „Bevor wir der Gemeinde die 9000 Euro überlassen, bauen wir die Anlage lieber ab.“

Auch interessant

Kommentare