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Beim Aufräumen drüber gestolpert. Die Aufnahme entstand vor zwölf Jahren (2014 geposted). Michael Blume und Bandleader Steven Tyler von der Band Aerosmith.

Kulturchef Blume kam vor fünf Jahren in Taufkirchen

„Mit Grönemeyer war ich im Knast“

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Er ist in Taufkirchen vor fünf Jahren angetreten, den schlafenden Riesen zu wecken. Und Michael Blume (58) hat sein Ziel erreicht. Das Kulturzentrum muss sich vor der Konkurrenz im Umfeld längst nicht mehr verstecken.

Taufkirchen– Viel Stars mit Alleinstellungsmerkmal wie Carolin Kebekus, Meret Becker, Harald Krassnitzer und Markus Maria Profitlich treten hier auf. Das Alte, Verzopfte wie den Namen „Ritter-Hilprand-Hof“ hat er verbannt, und gleichzeitig spielt der Netzwerker auf der Medien-Klaviatur. Die Abonnentenzahl hat sich verdoppelt.

Django Asül ist der Fels in der Brandung. Der Kulturchef räumt ihm gerne einen jährlichen Auftritt für seinen Jahresrückblick ein und findet es super sympathisch, wie sich der Kabarettist ungezwungen ins Gasthaus Zinners mittenrein hockt und nach der Vorstellung mit den Leuten spricht. „Er liebt unser Haus.“ Der Gemeinderat hat in das Bürgerhaus in der Zwischenzeit viel Geld, Michael Blume viel Liebe und Arbeit hineingesteckt. Seit fünf Jahren wird hartnäckig saniert. Stück für Stück.

Während in Deutschland die digitale Revolution noch auf sich warten lässt, ist der digitale Umbau im Bürgerhaus vollzogen. Brandschutz nur noch Kleinigkeiten, ohne großen Eingriff ins Gebäude. Auf einmal hingen da Traversen, die Statik war optimiert. Irgendwann kam der Vorhang, dann die Moving Lights. „Das Haus steht jetzt – nach 30 Jahren – sehr gut saniert da“, sagt Blume. Es hakt noch ein bisschen am Foyer-Umbau. Als Erstes werden die grauen Rotunden-Eingänge herausgerissen und Schiebetüren eingebaut. Das Geld steht schon im Haushalt. „Ich kann damit leben, stückchenweise umzubauen. Aber ich gebe nicht auf zu sagen: ,Wir müssen umbauen.‘“ Und in einem zweiten Fall wendet der 58-Jährige die Befehlsform ebenfalls unerbittlich an: „Alle müssen sich hier wohlfühlen: die Gäste, die Künstler die Mitarbeiter, einfach alle.“

Wenn zu Meret Becker kaum einer ins Haus kommt, ärgert sich der Event-Stratege. Aber da ist nichts zu machen, sie hat eben nur ein kleines Fanpublikum. „Sollte man sich trotzdem gönnen, springt ja auch das Feuilleton ab“, frotzelt Blume. Was ihn stört: das doppelte Lottchen. Wenn ein Programm wie „Don’t stop the Music“ kurz aufeinander in zwei Nachbargemeinden gespielt wird. „Nichts da. Mit dieser Agentur arbeite ich nie wieder zusammen.“ Die goldene Regel lautet: Alles von Putzbrunn bis zur Isar ist ihm zu nah.

Sein ganzes Leben hat Michael Blume in Clubs mit gestaltet. Taufkirchen ist seine vorerst letzte berufliche Station. Öffentlicher Dienst statt Clubleben. Was die vergangenen fünf Jahre mit ihm gemacht haben? Knappe Antwort: „Hoffentlich nichts.“ Und wo in der Münchner Szene hatte er nicht seine Finger im Spiel? Vor Jahrzehnten ließ er die Zenit-Halle sanieren, gründete das Kessel-Haus neu und entwickelte Event-Locations.

Seit seinem 20. Lebensjahr, das gesteht er ein, „bin ich ein Workaholic und Nerd“. Vielleicht hat er sich aus deshalb in den vergangenen zwei Jahren gleich zwei Lungenentzündungen geholt. Für ihn ist der Beruf keine lästige Arbeit, sondern Vergnügen. Blume wurstelte glücklich und erfolgreich in kleinen Clubs wie dem Atomic Café mit, aber auch im Babylon, der Tonhalle und in seinen eigenen Club Incognito. Das größte in seiner Karriere waren mit Abstand die Open Airs im Olympia Stadion mit Herbert Grönemeyer und Robbie Williams, als dieser auf dem Höhepunkt seiner Karriere war. Zu Grönemeyer erzählt er immer wieder gerne: „Ich war mal mit ihm im Knast.“

Blume hatte in Aachen eine Tournee-Agentur Anfang der 90er Jahre, und da gab es ein Spiel in der Jugendstrafanstalt Siegburg. Grönemeyer, Blume und ein paar weitere Fußball narrische Jungs in einer Mannschaft spielten gegen die Knast-Auswahl. Die Jugendlichen habe aus den Zellen auf den Sportplatz geschaut: „Manchmal hast du eben das Glück, mit dem Künstler eine schöne Zeit zu verbringen.“

Das war auch so mit Aerosmith, die einen Tag Freilauf hatten vor der Show in München vor 16 Jahren. Danach ging es ins Schumanns, damals Maximilianstraße. „Da stehst du gemütlich an der Bar. Die Jungs wollten sich noch einen Porsche ausleihen und über die Autobahn fegen.“ Bei Cher war es das Gegenteil. „Wir haben für über 5000 Euro die Backstage-Räume in der Olympiahalle ausgestaltet.“ Die Agentur meinte, alles in Weiß bitte mit Käfer-Catering und pipapo. Aber was passiert? Cher kommt mit der Limousine aus ihrem Hotel Rafael (heute Mandarin), fährt hinter die Bühne, spielt, gibt Zugaben. „Dann ab in die Limousine, weg war sie. 5000 Euro in den Wind geschissen.“ Vielleicht war hier auch das Management Schuld. Egal.

Die schönen Erlebnisse bleiben nicht für die Zeit in München reserviert. Die Show mit Dominique Horwitz in Taufkirchen zum Beispiel hat Blume in guter Erinnerung. „Ein wunderbarer Mensch.“ Es war wahnsinnig gut. Als Blume am Rathausplatz anfing, dachte er noch. „Super, jetzt lässt du es mal ein bisschen ruhiger angehen, und da habe ich Schiffbruch erlitten.“ Bürgermeister Ullrich Sander Sander, der im Vorbeigehen das Gespräch hört, witzelt: „Er wird ja auch älter, und da ist es schon gut, dass er im öffentlichen Dienst ist.“

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