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Gibt’s da drin Kultur? Was für Ortsansässige klar ist, erschließt sich dem auswärtigen Gast nicht auf den ersten Blick. 

Lichtkonzept kostet klamme Gemeinde 250.000 Euro

Kulturzentrum Taufkirchen: Neues Licht für mehr Ambiente

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Das Kultur- und Kongresszentrum Taufkirchen ist keine architektonische Schönheit. Im Inneren hat Kulturchef Michael Blume den Laden seit 2013 aufgemischt. Was ihm fehlt: schönes Licht im Foyer. Doch das ist ein teurer Wunsch.

Taufkirchen – Das Programm auf der Bühne ist top. Doch kaum fällt der Vorhang, ist das Publikum weg. Genau das will Taufkirchens Kulturchef Michael Blume künftig vermeiden. Wie schon länger bekannt, wünscht sich der versierte Veranstaltungsmanager ein professionelles Lichtkonzept, um das Publikum nach dem Programm im Foyer des Kulturzentrums zu halten. Bestenfalls soll es einen größer aufgezogenen Barbetrieb geben, mit zusätzlicher Theke, gemütlichen Sitzgruppen – und stimmungsvollem Licht.

Der Gemeinderat Taufkirchen hat die Investition bislang gescheut – und den Posten beim Beschluss zum Haushalt 2017 im vergangenen November mit einem Sperrvermerk versehen. „Angesichts des anstehenden Neubaus der Grundschule und der dringend notwendigen Sanierung der Mittelschule über ein Lichtkonzept zu sprechen, fällt mir ein bisschen schwer“, bekannte die Grünen-Gemeinderätin Gabriele Zaglauer-Swoboda am Rande der jüngsten Sitzung.

Zu dieser hatte Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) neben Kulturchef Blume auch den Inhaber eines ortsansässigen Lichtplanungsbüros geladen, der ein erstes Licht-Konzept für das Taufkirchner Kulturzentrum ausgearbeitet hat. In einer circa 30-minütigen Power-Point- und 3-D-Präsentation simulierte er ein stimmungsvoll ausgeleuchtetes Foyer mit „Lichtgräben“ und „Lichtpunkten in der Decke“. In einem solchen sogenannten „circle of ring“ können mit einem Spot vier verschiedene Bereiche angeleuchtet werden.

Bislang waren die Ideen nur im Arbeitskreis Wirtschaft des Taufkirchner Gemeinderats vorgestellt worden. In der Februar-Sitzung wurde nun das gesamte Gremium einbezogen.

Als zusätzliches „Futter fürs Licht“ schlägt der Fachmann in seiner Präsentation vor, die Wände zwischen den Saaltüren halbhoch zu vertäfeln und von dort aus kegelförmig farbiges Licht in Richtung Decke zu schicken. Über dem Eingangsbereich sieht das Konzept einen fest installierten Beamer vor, „um bei Firmenveranstaltungen das Logo des Unternehmens oder den Programmablauf an die gegenüberliegende Wand werfen zu können“.

Die bestehende Kasse würde der Fachmann gerne entfernen und stattdessen mehr Platz für eine „superschöne Gastronomiefläche im hinteren Bereich“ schaffen. Und freilich sollen auch die Glasbausteine im Treppenhaus auf der gegenüberliegenden Seite angeleuchtet werden, „mit LED-Technik, was auch abends ein recht schönes Licht macht“.

Zuletzt hat sein Unternehmen die „Staatsdomäne Sonnefeld“ bei Coburg ins rechte Licht gesetzt, wie der Unternehmer auf Nachfrage der Räte mitteilte. „Seither haben sich die Veranstaltungsbuchungen um 400 Prozent gesteigert.“ In München arbeitet der Lichtplaner eng mit der „Kufler Gastronomie an der Oper“ und mit den Wirten des Schottenhamel zusammen: „Für die haben wir das Festzelt neu in LED-Technik beleuchtet – und damit vom schlechtesten Zelt zum besten gewandelt“, sagte der Unternehmer selbstbewusst.

Dennoch reagierten die Mitglieder des Gemeinderats größtenteils verhalten auf die Vision, das Foyer in Taufkirchen, das heute eher einer „Turnhalle“ gleiche, in einen „Galabereich“ zu verwandeln. „Auf einem Stück Papier kann ich nicht sehen, wie das wirkt“, sagte Michael Lilienthal (Freie Wähler). „Aber ich muss das wissen, denn das Geld ist knapp.“

Die Kosten für die Lichtkonzeption liegen nach einer ersten Schätzung des Unternehmers bei 250 000 Euro. Mit einem bereits grob überschlagenen „Puffer“ für Elektrosteuerung, Dimmfunktionen, Video- und HDMI-Verkabelung kämen Gesamtkosten von 340 000 Euro auf die Gemeinde zu.

Auch eine bauliche Veränderung im Außenbereich brachte der Fachmann ins Gespräch. Wie er mit Fotos dokumentierte, ist die Stirnseite des Kulturzentrums komplett eingewachsen: „Hier könnten wir die Bäume eventuell wegnehmen oder kürzer machen, um auf einem Display Veranstaltungen anzukündigen oder das Logo des Kultur- und Kongresszentrums zu zeigen.“

Gegen diesen Vorschlag sprach sich Ursula Schulze (FDP/FWG) aus: „Wenn alles weg ist, schaut das Gebäude aus wie eine Kirche. Ich fände es nicht schön, wenn alles Grün wegkommt“, sagte sie und fragte nach, ob auch die ortsansässigen Künstlergruppen in die Planungen einbezogen seien. „Sie sind durchaus offen, künftig nicht nur Bilder zu präsentieren, sondern auch die Möglichkeiten eines neuen, technisch aufgerüsteten Foyers zu nutzen“, erwiderte Blume.

Alfred Widmann (SPD) hingegen kritisierte den Ansatz, auf einzelne Gruppen oder Vereine zu stark einzugehen. „Einige hier wollen das Kulturzentrum zu einer eierlegenden Wollmilchsau machen“, erklärte er ins Rund des Gemeinderats. „Aber das geht nicht. Wenn wir Herrn Blume sagen, er soll die Einnahmen erhöhen, dann müssen wir auch damit leben, auf die Befindlichkeiten externer Kunden Rücksicht zu nehmen, die vielleicht kein vollgestelltes Foyer haben wollen.“ Für die Ausstellung von Bildern gebe es in Taufkirchen derzeit „fünf Möglichkeiten“, rechnete Widmann vor.

Wohin die Reise mit dem Kultur- und Kongresszentrum also gehen soll, muss der Taufkirchner Gemeinderat nun entscheiden. Die Debatte wird fortgesetzt.

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