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Die Lindenpassage hat schon bessere Tage gesehen. Nach dem Auszug der Läden gleicht sie einer Geisterstadt.

Einkaufspassagen in Taufkirchen

Neue Pläne und alte Probleme

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Die Lindenpassage in Taufkirchen wird abgerissen und modernisiert. Derweil kämpft die Eschenpassage gegen Wettbüros.

Der Lindenpassage in Taufkirchen steht eine Komplett-Erneuerung bevor. Wie berichtet, wird die bestehende Passage abgerissen und neu gebaut. Privater Investor ist die Rock Capital Group. Geplant sind großflächiger Einzelhandel im Erdgeschoss und darüberliegender Wohnungsbau auf fünf Geschossen. Bevor die Arbeiten – voraussichtlich im nächsten Jahr – starten, müssen die bestehenden Läden, Geschäfte und Praxen raus. Der Großteil der bisherigen Mieter ist bereits umgezogen, die Scheiben sind abgeklebt, die Türen sind zu. Die SPD-Landtagsabgeordnete Natascha Kohnen ist mit ihrem Bürgerbüro in der benachbarten Eschenpassage zu finden. Auch der Bürgertreff „Soziale Stadt“ hat hier im September 2015 seine Heimat gefunden.

Aktuell in der Lindenpassage verblieben sind das „Dolce e Salato“, die Taufkirchner Kunsthalle und die Zahnarztpraxis von Dr. Siegfried Eppeneder. Alle anderen Läden der in den 1970er Jahren errichteten Passage haben bereits geschlossen und sind in die unmittelbare Nachbarschaft oder nach München gezogen. Kurze Infozettel an die „treuen Kunden“ – das ist alles, was vom früheren Treiben in der Passage geblieben ist. Im Hochhaus, das bestehen bleibt, haben die Lindenapotheke und das TUI-Reisecenter geöffnet.

Die leer stehenden Flächen bietet der Investor derzeit noch „für ein kurzfristiges Mietverhältnis“ an, wie Andreas Hofmann von Rock Capital sagt. „Bis Mitte 2018 könne man einen Vertrag anbieten“, heißt es auf Nachfrage des Münchner Merkur.

Die Eschenpassage, direkt am Taufkirchner S-Bahnhof, soll als Einkaufsmeile ebenfalls attraktiver werden. Das Problem: Regelmäßig laufen Investoren und interessierte Mieter im Bauamt auf, um Genehmigungen für Spielhallen oder Wettbüros zu erhalten. Genau diesen „Trading-Down-Effekt“ (Abwärtsspirale) will die Gemeinde mit allen Mitteln verhindern.

Aktueller Aufreger ist das Wettbüro „tipico Sportwetten“ am Eingang der Passage.

Vor einem Jahr hatte der Eigentümer einen Antrag auf Nutzungsänderung von einer Verkaufsfläche mit Restaurant in eine Gaststätte und einen Laden („Wettbüro für die Annahme von Sportwetten“) gestellt. Die Verwaltung wollte das Wettbüro mit einem Kniff verhindern: Es wurde als „nicht kerngebietstypische Vergnügungsstätte“ eingestuft, was wiederum die Zahl der Stellplätze erhöht. Da der Eigentümer diese zusätzlichen Stellplätze nicht nachweisen konnte, wurde der Antrag abgelehnt.

Dauerhaft erfolgreich war diese Idee aber nicht. Der gültige Bebauungsplan stuft die Eschenpassage als Gewerbegebiet ein, und darin sind besagte „nicht kerngebietstypische Vergnügungsstätten“ allgemein zulässig, urteilte das Landratsamt. Der Antragssteller richtete das Wettbüro also trotzdem ein und wollte es nun nachträglich legalisieren lassen.

Das lehnte der Taufkirchner Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung abermals ab – und empfahl dem Gemeinderat, den Bebauungsplans für die Eschenpassage grundsätzlich zu ändern. Damit sollen „nicht kerngebietstypische Vergnügungsstätten“, wie etwa besagtes Wettbüro, nun generell ausgeschlossen werden. Bis diese Änderung gilt, soll eine Veränderungssperre dafür sorgen, dass nicht noch mehr Spielhallen und Wettbüros in die Passage ziehen. Beide Beschlussvorlagen nahm der Gemeinderat einstimmig an.

Eine Änderung des Bebauungsplans hatte 2013 auch die Eigentümergemeinschaft der Eschenpassage im Blick. Ziel war es, die Läden zu modernisieren, energetisch zu sanieren und optisch aufzuwerten. Auch die Errichtung von Wohnungen oberhalb der Läden – wie es nun in der Lindenpassage umgesetzt wird – hatten die Eigentümer geplant. Auch damals erließ der Gemeinderat eine Veränderungssperre, die generell zwei Jahre lang gilt. 2015 allerdings lieft die Bauleitplanung ohne Ergebnis aus: „Die Gemeinschaft hat sich zerstritten, deshalb kam der Bebauungsplan nicht zur Rechtskraft“, sagte der stellvertretende Bauamtsleiter Thomas Beer in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

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