Sie schweben fünf bis zehn Meter über dem Boden

Verkehrslösung der Zukunft? Firma will mit Gondel-Bahn durchstarten - Teststrecke bei München geplant

  • Doris Richter
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Die Münchner Firma Ottobahn GmbH will mit ihrer neuen Kabinenbahn Verkehrsprobleme weltweit lösen. Eine Teststrecke zwischen der A 8 und der Ludwig-Bölkow-Allee soll den Anfang machen.

Taufkirchen - Seit zwei Jahren gibt es die Ottobahn Gmbh. Das Münchner Unternehmen hat ein neues Mobilitätssystem mit Kabinen, die fünf bis zehn Meter über dem Boden schweben, entwickelt. Nun will es eine erste Teststrecke in Taufkirchen bauen und dort das System zur Serienreife bringen. Ein entsprechender Bauantrag fand im Bauausschuss des Gemeinderats große Zustimmung.

Taufkirchen: Münchner Unternehmen entwickelt neues Mobilitätssystem mit Kabinen

„So schaffen wir es vielleicht, den Münchner Süden verkehrstechnisch besser anzubinden“, hofft Bürgermeister Ullrich Sander, der sichtlich stolz ist, dass sich die Ottobahn gerade Taufkirchen ausgesucht hat. „Wir haben schon Anfragen von New York bis Asien“, berichtete Geschäftsführer Marc Schindler. „Und die wollen sich das dann sicher mal in Taufkirchen anschauen.“

Einen Kilometer lang soll der Rundkurs werden, auf dem die Gondeln ihre Testfahrten absolvieren. Das Prinzip: Oberhalb der Kabinen sind Metallräder befestigt, die auf Schienen laufen. „Wir setzen damit auf eine bewährte Technologie“, erklärt Geschäftsführer Marc Schindler.

Ottobahn: Gondel-Teststrecke in Taufkirchen - Bahn passt sich der Nachfrage an

Der Vorteil: Bei der Schienentechnik gibt es viele Partner, mit denen die Ottobahn zusammenarbeiten kann. Das System ist aber wesentlich länger haltbar als etwa Eisenbahnschienen. Von bis zu 100 Jahren sprechen die Unternehmer. „Die Gondeln sind viel leichter, die Schienen werden weniger abgenutzt und die Gondeln kann man nachts warten“, so Schindler.

Die Kabinen selbst sind klein und windschnittig. Bis zu vier Personen haben darin Platz. Aber auch Güter sollen damit transportiert werden. Zu Stoßzeiten sollen mehrere Kabinen hintereinanderfahren. Und hier liegt auch der große Unterschied zu anderen öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Bahn passt sich der Nachfrage an: Über eine App auf dem Handy bestellt man seine Fahrt mit Start und Zielpunkt. Je mehr Leute bestellen, umso mehr Gondeln werden eingesetzt. Fixe Haltestelle sind langfristig nicht geplant. „Wo man ein- und aussteigt, kann man selbst bestimmen“, erklärt Schindler. Dafür wird die Gondel abgesenkt und man kann aussteigen – natürlich an Punkten, wo das verkehrstechnisch möglich ist.

Gondel-Bahn im Landkreis München geplant: Wenig Platz und geringer Energieverbrauch

Dadurch, dass auf der Strecke zwei Gleise verlegt werden, kann die Kabine jederzeit ausscheren und herabgelassen werden, während die anderen Gondeln vorbeifahren können. Jede Kabine wird mit Sensoren ausgestattet, die Personen und Hindernisse im Einstiegsbereich erkennen. Mit 50 bis 60 km/h sollen die Kabinen im städtischen Bereich fahren, „bis zu 250 km/h sind aber möglich“, sagt Schindler.

Ein weiterer Vorteil der Ottobahn – sie braucht nicht viel Platz, denn sie verläuft in fünf bis zehn Metern über der Erde, etwa über Straßen. Im 20- bis 50-Meter-Abstand werden tragende Pfeiler in den Boden gesetzt. Auch energietechnisch macht das System einiges her: „Es braucht zehnmal weniger Energie als Elektroautos“, sagt Schindler. Und: Der Strom soll zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien kommen. So sollen oberhalb der Schienen Photovoltaik-Zellen Strom produzieren.

Die Gemeinderäte zeigten sich recht beeindruckt. Und Peter Hofbauer (FW) wollte wissen, ob es von Taufkirchen aus nicht gleich noch weiter Richtung Innenstadt gehen könnte. „Das wäre wünschenswert“, erklärte Schindler. Man könne sich gut eine Strecke von Taufkirchen über den Mittelstreifen der Autobahn bis zum Karl-Preis-Platz vorstellen – und damit eine Anbindung zur U-Bahn, die „auf jeden Fall schneller zu realisieren ist, als die Verlängerung der U-Bahn“. Rund 400 Meter Strecke könne man pro Tag bauen. „Etwa 8000 Leute könnte man dann pro Stunde vom Karl-Preis-Platz bis Taufkirchen bringen“, erklärte Marc Schindler.

Ottobahn: Günstiger als die Verlängerung U-Bahn

Und auch deutlich günstiger ist die Ottobahn: rund fünf Millionen Euro soll der Kilometer in etwa kosten. Nach der Lärmbelastung durch die Teststrecke fragte Gabi Zaglauer (Grüne). „Vermutlich kaum wahrnehmbar“, sagte Schindler, selbst wenn auch nachts Testfahrten stattfinden. Und auch gut rückbaubar sei das Ganze – was die Grünen auch interessierte. Doch lieber würde das Unternehmen Taufkirchen langfristig als Ausgangspunkt für weitere Strecken nutzen und dort auch einen kleinen Betriebshof einrichten.

Noch ist das alles Zukunftsmusik. Bisher gibt es nur eine Mini-Strecke im Firmengebäude der Ottobahn in Sendling. Doch der Bauausschuss gab schon mal grünes Licht für die Teststrecke. Nun muss das Landratsamt dem Bau noch zustimmen. Am liebsten würde die Ottobahn schon heuer mit dem Bau der Teststrecke beginnen. Bis zum Sommer nächsten Jahres sollen dann die 100 000 Testkilometer absolviert sein. Und dann das Streckennetz wachsen – am besten überall auf der Welt.

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Rubriklistenbild: © Simulation: Ottobahn GmbH

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