Opfer erleidet schwere Brandverletzungen

Prozess: Feuerdrama in Taufkirchner Seniorenheim

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Ein dementer 73-Jähriger hat in einem Taufkirchner Seniorenheim die Decke eines Mitbewohners angezündet. Er war beim Prozess am Montag nicht vernehmungsfähig.

Taufkirchen –  Ein trauriger Fall von Demenz beschäftigt seit Montag das Landgericht München I. Auf der Anklagebank hätte eigentlich der 73-jährige Alan W. Platz nehmen sollen. Doch der US-Amerikaner, der schon im Rollstuhl in den Sitzungssaal hineingeschoben werden musste, war wegen seiner fortgeschrittenen Krankheit weder vernehmungs- noch verhandlungsfähig. Im März 2017 hatte der frühere Banker die Bettdecke eines Mitbewohners in einem Taufkirchner Senioren-Zentrum angezündet. Das ebenfalls demente Opfer erlitt schwere Brandverletzungen, konnte aber aufgrund der Aufmerksamkeit eines Polizeibeamten gerettet werden.

Bereits im Februar war Alan W., ein damals eigentlich ruhiger Zeitgenosse, wegen einer Attacke aufgefallen. Mit einem zerbrochenen Bilderrahmen ging er auf einen Pfleger los. Die Einrichtung informierte daraufhin die Polizei. Zwei Beamte erschienen im März im Seniorenheim. Als sie sich in einem gläsernen Verwaltungsraum die Daten des älteren Herrn geben lassen wollten, bemerkte einer der Beamten Alans Unruhe. „Er wirkte unschlüssig, ging auf und ab“, berichtete der Polizist.

Plötzlich verschwand der 73-Jährige in einem Zimmer. Der Beamte ging davon aus, dass er sich in sein Zimmer zurückgezogen hatte. Doch dann kam der Mann wieder aus dem Zimmer heraus. Er öffnete die nächste Tür und verschwand. Doch nun erkannte der Beamte, dass er mit einem Feuerzeug und einer Decke herumhantierte. Er rannte aus dem Verwaltungsraum und bemerkte ein Flackern, das sich in der Tür des ersten Zimmers spiegelte, in das der Angeklagte gegangen war. Der Polizist stürmte ins Zimmer, sah die Flammen am Ende eines Bettes, aus dem ihn ein älterer Mann entsetzt anblickte. Mit einem Feuerlöscher konnte er die Flammen löschen. Sein Kollege überwältigte den 73-Jährigen, noch bevor dieser ein weiteres Feuer legen konnte.

Das Opfer überlebte, erlitt aber an einem Fuß erhebliche Brandwunden. Als Folge der Verbrennungen musste ihm ein großer Zeh amputiert und Haut transplantiert werden. „Er lebt immer noch auf der Station, und es geht ihm jetzt gut“, berichtete der Pfleger, der damals von Alan W. angegriffen worden war. Bis dato hatte der Amerikaner niemandem etwas zu Leibe getan. In den 60er-Jahren war er nach München gekommen, weil er sich wegen seiner homosexuellen Neigung in Amerika nicht mehr wohl fühlte. In der hiesigen Szene fand er Freunde. Später wechselte er zum Buddhismus. Wegen seiner Demenz kam er ins Senioren-Zentrum. Er galt als ruhiger, friedlicher und in sich ruhender Mensch. Der Prozess dauert an. 

Rubriklistenbild: © dpa

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