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Der Autor: Maurice Philip Remy.

Sachbuchautor Maurice Philip Remy 

Kunsthändler Gurlitt „war kein Verbrecher“

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Handelte es sich bei der Sammlung von Hildebrand und Cornelius Gurlitt um Raubkunst oder nicht? Sachbuchautor Maurice Philip Remy sagt: Nein.

Taufkirchen – Im September 2010 ist Cornelius Gurlitt im Zug von Zürich nach München von den Zollfahndern nach illegal eingeführtem Geld durchsucht worden. Jetzt, gut sieben Jahre später, sagt der Filmemacher und Sachbuchautor Maurice Philip Remy bei einem Vortrag in der Volkshochschule Taufkirchen: „Der Fall war ein Justizskandal.“

Nicht nur die Staatsanwaltschaft habe ohne triftigen Grund wenig später das Haus des Mannes durchsucht und dort Bilder im Wert von 50 Millionen Euro beschlagnahmt; auch in der Öffentlichkeit sei der Vater von Cornelius, der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, falsch dargestellt worden. „Er war kein Heiliger, aber er war auch kein Verbrecher“, meint Remy, der nun ein Sachbuch geschrieben hat.

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Die leider nur 15 Zuhörer saßen gebannt im Vortragssaal. Remy erzählte spannend und informativ. Mit der NS-Zeit kennt er sich, spätestens seit er vor 18 Jahren eine sechsteilige Serie über den Holocaust gemacht hat, bestens aus. Im März 2014 wurde er von Arte beauftragt, über Gurlitt eine Sendung zu machen. Darin kam er zu dem damals gewagten Schluss, dass höchstens ein Dutzend der 1560 Kunstwerke, die Gurlitt von seinem Vater geerbt hatte, unter Raubkunst fallen. Alle anderen seien schon immer Familienbesitz gewesen oder legal erworben worden. Inzwischen hat die vom Staat eingesetzte „Task Force“ fünf Bilder aus der Sammlung an ihre Vorbesitzer zurückgegeben, ein weiteres Werk wird wohl noch restituiert werden. Mehr nicht. „Ich hab’ recht behalten – Gott sei Dank“, sagte Remy.

Gurlitt „war kein Nazi“

In Taufkirchen holte der Vortragende weit aus, um die Rolle verständlich zu machen, die Hildebrand Gurlitt im Kunsthandel während der NS-Zeit spielte. Auch über den Sohn Cornelius, den er kurz vor dessen Tod treffen konnte, erzählte er ein wenig. Der Mann war offenbar gegen Ende seines Lebens zum Messi geworden. Beide Wohnsitze, das Haus in Salzburg und die Wohnung in Schwabing, seien vermüllt gewesen. Als Gurlitt später unter Betreuung gestellt wurde, fanden die Anwälte unter anderem in einem verfaulten Koffer 150 Blätter der Klassischen Moderne.

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Remy erläuterte, dass der größte Teil der Bilder, die der NS-Staat den Juden abpresste, im Zuge der „wilden Arisierung“ von ihnen selbst verkauft worden sei. Der Staat griff auf die Kunstwerke, die noch in jüdischem Besitz waren, ab 1938 zu. Museumsdirektoren wurden ermächtigt, bei den Leuten zuhause von den Wänden zu pflücken, was sie wollten. Remy: „Die Juden wurden bis auf die Unterhose beraubt.“

Hildebrand Gurlitt war zu Beginn der NS-Zeit in Schwierigkeiten, seinen Posten als Direktor des Hamburger Kunstvereins hatte er 1933 verloren, nachdem er den Fahnenmast abgesägt hatte, an dem die Hakenkreuzfahne zu hissen gewesen wäre. „Er war kein Nazi“, betonte Remy. Eher aus der Not heraus habe er sich dann als Kunsthändler betätigt, wobei er in einem Prozent aller Fälle auch Sachen von Juden ankaufte, zu eher fairen Preisen, wie Remy glaubt. „Hitlers Kunsthändler“, als der er gern bezeichnet wird, wurde er erst ab 1943. „Gurlitt hat Hitler nie persönlich kennengelernt“, stellte Remy klar, und die Tatsache, dass er jetzt „zum ersten Mal in seinem Leben unendlich verdient“ habe, könne man ihm schwer zum Vorwurf machen. Denn es seien ja die Nazis gewesen, die er über den Tisch zog.

Völlig naiv sei sein Sohn „in die Mühlen der Justiz geraten“. Bald wurde er von der Staatsanwaltschaft beschattet. Remy wurde vom Anwalt, den die Betreuer eingeschaltet hatten, nach dem Arte-Beitrag kontaktiert. Er sollte für sie auf eigene Faust die Provenienz der Bilder unbekannter Herkunft klären. Deshalb kennt er sich so gut aus in dem Fall: Er kopierte sämtliche Unterlagen, die in Gurlitts Wohnungen gefunden wurden. „Ich war der Einzige, der wusste, was die Sammlung genau war.“

Andrea Kästle

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