+
Herbst-Idylle: Vor dem mächtigen Holzlager liegen die Kürbisse.

Sechs Meter hohes Holzlager im Wert von 26 Millionen Euro in Taufkirchen

"Niklas" hat viel auf dem Kerbholz

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
    schließen

Taufkirchen - Holz für mehr als 26 Millionen Euro lagert momentan in Taufkirchen. Es handelt sich um Überreste vom Orkan Niklas. Bis April sollen die verschwinden.

Das Luftbild von Google Earth täuscht. Wer sich auf PC oder Smartphone den Zacherlweg heranzoomt, sieht auf dem Feldweg südlich davon lediglich zwei etwas größere Holzstöße. In der Realität indes türmen sich vor Ort zwei riesige Mauern aus Baumstämmen: Auf einer Länge von 750 Metern sind beiderseits des Feldwegs etwa 28 000 Kubikmeter Holz gelagert. „Es handelt sich um Hölzer, die als Folgeschäden von Orkan Niklas aus Waldschutzgründen ausgelagert worden sind“, erläutert Alfred Straub, Stellvertretender Betriebsleiter des Forstbetriebs München. 

Zum einen gehe es darum, die Wälder vor Borkenkäferbefall zu schützen. Der zweite Aspekt ist ein rein wirtschaftlicher: Viele Holzwerke waren im Sommer überlastet, der Markt gesättigt – nun sollen die Orkan-Überreste „dosiert bis April an die Sägewerke geliefert werden, wenn die Holzvorräte knapper werden“. Sogenannter Frischholzeinschlag erfolge in dieser Zeit kaum – Vorrang habe der Verkauf der Schadhölzer, sagt Straub. 

Riesig türmt sich das Holz an der Tegernseer Landstraße auf.

Die vielen Baumstämme in Taufkirchen kommen aus den Wäldern um München, aber auch aus der Region Schliersee und dem Ebersberger Forst. „Es war ein regionales Ereignis“, blickt Straub zurück auf den Orkan Anfang April. Anderswo in Bayern sei der kaum zu spüren gewesen, im Großraum München indes kam heuer in sechs Monaten soviel Holz zusammen wie sonst in knapp zwei Jahren. Und das Taufkirchner Holzlager ist nur der Rest in einer Größenordnung von 20 Prozent – vier Fünftel der Schadhölzer sind schon in den Sägewerken gelandet. 

Immerhin noch etwa 26,6 Millionen Euro bringen die Baumstämme in Taufkirchen den Bayerischen Staatsforsten, 95 Euro pro Festmeter. Im Gegensatz zum Tölzer Feuchtlager in Vorderriss beim Sylvensteinstausee werden die Baumstämme in Taufkirchen trocken gelagert. „Wir haben das Grundstück ja extra angemietet. Eine Wasserentnahme-Möglichkeit gibt es hier nicht“, sagt Straub. Das bedeutet, dass das Holz trocknet, seinen Frischegrad verliert und dann in einem anderen Gütegrad eingestuft wird. Mit einem Verblauen, wie es im Fachjargon heißt, sei teilweise zu rechnen: „Im Randbereich der Stämme besiedeln Pilze das Holz, es entsteht ein blauer Ring. Auf die Funktionalität hat das keinen Einfluss, es ist halt ein optischer Makel.“ Für offene Dachstühle beispielsweise könnten blau verfärbte Hölzer nicht mehr verwendet werden, aber für Verschalungen oder im U-Bahn-Bau. 

Die bis zu sechs Meter hohe Holzmauer von Taufkirchen: Betreten ist streng verboten. Aber einen Blick auf auf ungewöhnliche Lager werfen darf jeder. So lange es steht.

Martin Becker

Auch interessant

Kommentare