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Eine helfende Hand bietet Richard Kopp (61) aus Taufkirchen „seiner“ Seniorin Ottilie Raith. Die 92-Jährige ist sehbehindert und bat darum, nicht fotografiert zu werden. 

Senioren-Paten gesucht  

„Auch im Heim kann man einsam sein“

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Die Nachbarschaftshilfe Taufkirchen sucht neue Paten für Senioren. Menschen wie Richard Kopp (61), der Ottilie Raith (92) als einziger regelmäßig besucht.

Taufkirchen – Einmal pro Woche, dafür dann aber länger am Stück: Für Richard Kopp (61) gehört der Besuch bei Ottilie Raith (92) im Seniorenheim am Köglweg in Taufkirchen mittlerweile einfach dazu. Im Herbst 2015 haben sich die beiden über das Projekt der Nachbarschaftshilfe (NBH) kennengelernt und verstehen sich seither prima. Besonders lustig werden die Treffen, wenn Kopp Leberkäs’ und ein Weißbier mitbringt oder Sprudelwasser für eine kühle Weißweinschorle, die beiden gut schmeckt.

Aus einem Helfer wurde ein echter Freund

Für Ottilie Raith, die keine Kinder hat und auch sonst keine Angehörigen in der Nähe, sind die gemeinsamen Abendessen eine echte Abwechslung im Seniorenheim. Seit 2014 lebt sie in einem Appartement am Köglweg, zuvor war sie 47 Jahre lang in Unterhaching daheim. Geistig fit ist sie noch, aber sehen kann sie so gut wie nichts mehr. Anfangs half Richard Kopp ihr beim Ausfüllen von wichtigen Anträgen fürs Amt, mittlerweile sind der 61-Jährige und die 92-Jährige enge Freunde geworden.

Als Kopp sein ehrenamtliches Engagement begann, lief das Projekt Senioren-Patenschaften der Nachbarschaftshilfe Taufkirchen gerade ein halbes Jahr. „Damals gab es in der Spitze bis zu 16 Patenschaften“, erinnert sich NBH-Koordinatorin Heike Hindringer-Heindl. „2016 waren es noch zehn, aber aktuell haben wir leider nur noch sieben.“ Drei Paten mussten sich aus beruflichen Gründen eine Auszeit nehmen. Hindringer-Heindl hofft deshalb, dass sich bald neue Interessierte melden, die fest einsteigen wollen. Betreut werden Senioren, die noch zuhause leben, oder ältere Menschen in Heimen. „Denn auch dort kann man einsam sein“, sagt Hindringer-Heindl.

Einige Paten sind abgesprungen

Umso mehr freuen sich die Senioren auf den Besuch. Die meisten bereiten Tee oder Kaffee vor – oder lassen sich überraschen, wie im Fall von Ottilie Raith und Richard Kopp. „Eigentlich bin ich eher eine Kaffeetrinkerin“, erzählt Raith. Aber im Winter brachte Kopp aus Bremen die berühmten „Schnoor-Mischungen“ mit. Das Schnoor-Viertel beherbergt eine Vielzahl winzig kleiner Lädchen, die ihre eigenen Teemischungen verkaufen. Der schwarze Bremer-Schnoor-Tee hat Ottilie Raith besonders gut geschmeckt. „Mit Rum, Zitrone und viel Zucker.“ Am Tisch kommen die beiden ins Reden. Als Kopp vom Bremer Schnoor-Viertel erzählte, weckte er Erinnerungen bei Ottilie Raith: „Das ist so wie in Rothenburg ob der Tauber. Da gibt es so was auch.“

Richard Kopp ist froh, dass er der 92-Jährigen etwas Abwechslung bieten kann. „Im Heim arbeitet das Personal feste Zeitlisten ab. Und wenn man als Bewohner von der Pflegestufe her nicht in therapeutische Zusatzprogramme wie Ergotherapie reinkommt, können die Mitarbeiter nicht mehr viel anbieten.“

Zu wenig: Nur sieben Paten für Senioren

Da die NBH aktuell nur noch sieben Senioren-Paten hat, soll nun ein neuer Ansatz umgesetzt werden. „Unsere Idee ist, dass Paten zum Beispiel im Seniorenheim eine kleine Gruppe betreuen, also sich mit den älteren Menschen im Aufenthaltsraum zum Spielen oder Reden zusammensetzen“, sagt Hindringer-Heindl. Einige der derzeit aktiven Paten praktizieren das bereits. Denn: „Bedarf haben wir immer“, sagt Hindringer-Heindl, „bei den Senioren – und auch bei Patenschaften im Kinder- oder Jugendbereich.“

Vor knapp einem Jahr hat Richard Kopp auch die Koordination für das „Coaching für Jugendliche“ übernommen. „Hier haben wir aktuell 14 Paten“, erzählt er. Die Nachbarschaftshilfe Taufkirchen belohnt das Engagement der Aktiven mit einem vielfältigen Fortbildungsprogramm. „Und zusätzlich schulen wir uns natürlich auch intern“, sagt Kopp. „Denn viele uns haben spezielle Ausbildungen im Coaching- oder Mentoring-Bereich.“

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