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Die Krähen in den Bäumen an der Waldstraße nerven die Anwohner.

Taufkirchner fühlen sich von der Gemeinde im Stich gelassen

Krähen: Anwohner sind sauer

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Taufkirchen - Der Streit um die Saatkrähe geht in die nächste Runde. Der Gemeinde hat erste Nester entfernt. Weitere Eingriffe sind rechtlich derzeit nicht möglich. Die Anwohner sind sauer.

An Ausschlafen ist für die Bewohner der Waldstraße in Taufkirchen nicht zu denken. Jeden Morgen pünktlich um vier Uhr bricht die Hölle aus. Das lautstarke Gekreische der unzähligen Saatkrähen, die in den Bäumen vor den Wohnhäusern nisten, reißt die Anwohner aus dem Schlaf. „An diesen Lärm gewöhnt man sich nie“, sagt Johanna Herrmann. Sie wohnt mit ihrem Mann Lothar seit 45 Jahren in der Waldstraße. 

Vor etwa sechs Jahren sind die unliebsamen, schwarzgefiederten Nachbarn dazu gekommen. Es sind seither immer mehr geworden, und sie sorgen für großen Ärger in der Nachbarschaft. „Die sche*** uns hier alles zu“, sagt einer der 15 aufgebrachten Anwohner, die das Ehepaar Herrmann zusammengetrommelt hat. Autos, Gehwege und neuerdings auch der Spielplatz – überall sind die Hinterlassenschaften der Vögel zu finden. Vorfälle wie diese machen die Anwohner der Waldstraße wütend – nicht nur auf die Tiere. 

Sie fühlen sich von der Gemeinde missverstanden und im Stich gelassen. In einem Brief an das Rathaus verleihen die Bürger ihrem Ärger nun Ausdruck. Darin kritisieren sie zum einen die mangelhafte Informationspolitik der Verwaltung. So habe man durch einen Aushang im Treppenhaus davon erfahren, dass erste Nester entnommen und Äste abgeschnitten werden. „Eine persönliche Information der Anwohner wäre wohl angebrachter gewesen“, heißt es in dem Brief. 

Zudem sei zu bezweifeln, dass die Beseitigung von 17 Nestern aus fünf Bäumen ausreicht. Viel mehr zeuge das von „Unentschlossenheit, das Problem wirklich anzupacken“. 

Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) kann den Unmut verstehen. Den Vorwurf, die Gemeinde sei nicht entschieden gegen die Krähen vorgegangen, weist der Rathauschef aber zurück. „Wir haben alles uns rechtlich Mögliche getan“, sagt er. Mit einer Genehmigung der Regierung von Oberbayern habe man Ende Januar die Nester aus den fünf Bäumen entfernt. Die Erlaubnis war erforderlich, da die Tiere, wie alle europäischen Vogelarten, geschützt sind. „Ich weiß, das ist nicht sonderlich viel, aber ein erster Schritt“, sagt Sander. 

Bei der Vergrämung, also der Umsiedlung, der Saatkrähen verfolgt die Gemeinde ein langfristiges Konzept. Die Vögel sollen peu á peu weg von den Wohngebäuden auf die nördliche Seite der Waldstraße und dann in Richtung Autobahn getrieben werden. Dazu ist geplant, in den nächsten Jahren Nester aus weiteren Bäumen zu entfernen, diese zu beschneiden, und die Vögel in die gewünschte Richtung zu treiben. 

Das geht aber nur außerhalb der Brutzeit und mit einer Genehmigung. „Das ist nun mal keine Sache, die in einem Jahr passiert“, sagt Christine Schwarzmüller vom Umweltamt der Gemeinde. Sie ist sich der Brisanz der Situation bewusst. Verschärft wird sie durch Taufkirchner, die die Vögel füttern. 

Seit 2010 hat sich die Krähen-Kolonie in der Waldstraße von ehemals sieben Paaren auf heute über 120 vermehrt. Sie weiß aber auch, dass ein radikaler Schlag gegen die Vögel negative Folgen haben könnte. „Splitterkolonien“ in ganz Taufkirchen wolle man dringlichst vermeiden. In der Waldstraße können die Betroffenen ihren Ärger nicht mehr zurückhalten. „Das ist ein Wahnsinn“, ruft einer in die Runde. „Die Vögel sind geschützt – und was ist mit den Menschen?“ 

Sie alle wünschen sich ein energischeres Vorgehen der Gemeinde, damit wieder Ruhe einkehrt. Sie verstehen aber, dass sich an geltendes Recht gehalten werden muss. Ein „gemeindeübergreifendes Konzept“ stellt sich Johanna Herrmann daher vor. Sie hat sich im Internet informiert und kennt verschiedene Ansätze. „Es ist mir klar, dass es keine Lösung von jetzt auf gleich gibt“, sagt sie, wünscht sich aber, in die Planungen der Gemeinde mit einbezogen zu werden. Den Brief sieht sie daher als Denkanstoß: „Wir wollen aufgeklärte Bürger sein. Ein kleiner Hinweis ist zu wenig.“ 

Maßlos ärgern sie sich über ein Schild, das die Gemeinde vor kurzem auf dem Grünstreifen zwischen Waldstraße und Gewerbegebiet aufgestellt hat. Als „Singvogel im schwarzen Kleid“ wird die Saatkrähe dort betitelt. Blanker Hohn für die Anwohner. Lothar Hermann sagt: „Ein Singvogel im Stimmbruch vielleicht."

Florian Prommer

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