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Präsident Klaus Brandmaier ist nach der Sportparkpleite von seinem Amt zurückgetreten.

Interview mit dem SV-DJK

Sportler wünschen sich mehr Wertschätzung

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Für Klaus Brandmaier (74) war es das Ende seiner achtjährigen Präsidentschaft an der Spitze des SV-DJK: Im Oktober stimmte der Gemeinderat gegen die Sportparkerweiterung am Köglweg, daraufhin trat Brandmaier zurück. Der Münchner Merkur wollten wissen, wie der knapp 3000 Mitglieder starke Verein nach dem geplatzten Sporparkprojekt dasteht – und traf den noch amtierenden Präsidenten und Geschäftsführer Sebastian Gallus (30) zum Interview.

-Herr Brandmaier, kurz vor Jahresende haben Sie noch einmal mit Bürgermeister Ullrich Sander, Zweitem Bürgermeister Alfred Widmann (SPD) und Drittem Bürgermeister Rudi Schwab (Grüne) gesprochen. Gibt es noch Hoffnung für die Sportpark-Erweiterung?

Klaus Brandmaier: Nein, in der ursprünglichen Form sicher nicht. Das Paket, über das wir seit 2014 gesprochen haben, wurde vom Gemeinderat abgelehnt. Und Bürgermeister Sander hat in unserem Gespräch nochmals sehr deutlich gemacht, dass es keine finanzielle Förderung der Gemeinde geben wird. Das heißt: Die Gesprächsatmosphäre war gut und freundlich, aber vom Ergebnis her war das Treffen für uns enttäuschend.

-Was wurde konkret vereinbart?

Brandmaier: Wir haben die Zusage, dass das Thema im Januar noch einmal in den Gemeinderat kommt. Da sollen dann bestimmte „rote Linien“ abgefragt werden, etwa: Erweiterung im Erbaurecht: ja oder nein? Vorbau auf Stelzen: ja oder nein?

-Also beschäftigt sich der Gemeinderat 2018 doch noch einmal damit.

Brandmaier: Das schon. Aber mich stört, dass das nur eine ,Stimmungsabfrage’ sein soll – ohne verbindliche Zusagen. Da macht es für uns keinen Sinn, mit großem personellen und finanziellen Aufwand weiter zu planen.

Sebastian Gallus: Unser Vorschlag war, zu diesen Fragen einen Arbeitskreis zu gründen, etwa mit Vertretern der Verwaltung, des Gemeinderats und anderen. So könnte man in kleiner Runde diskutieren, was machbar ist. Aber da sind wir in dem Gespräch leider nicht weitergekommen.

-Ursprünglich war geplant, dass Taufkirchen die Sportparkerweiterung mit 1,8 Millionen Euro bezuschusst und dazu eine Anschubfinanzierung von 150 000 Euro für die ersten zwei Jahre gibt. Vielen Gemeinderäten war die Summe angesichts der klammen Finanzen zu hoch.

Brandmaier: Lag es wirklich am Geld? Mein Eindruck ist eher, dass es noch andere Gründe gibt. In unserem Gespräch mit den drei Bürgermeistern gab es auch Fragen zur technischen Ausführung. Das könnte für einige ein Ablehnungsgrund gewesen sein. Oder eben, dass man das Projekt tatsächlich nicht will.

-Der SV-DJK wollte im erweiterten Sportpark ein eigenes Fitnessstudio eröffnen. Kann das funktionieren, angesichts der großen, oft extrem billigen Konkurrenz?

Gallus: Wir sagen: Ein Sportverein muss heute das komplette Sportspektrum im Gesundheitsbereich, im Rehabereich anbieten. Unser Fitnessstudio wäre für vor allem für die Zielgruppe „Gesundheitsbewusste Personen ab 40“ ausgerichtet gewesen. Übrigens gibt es in Deutschland derzeit 3000 vereinseigene Studios, davon aber nur 70 in Bayern. Das heißt, in Bayern ist man generell sehr zurückhaltend, obwohl die bestehenden Fitnessstudios erfolgreich sind und der Trend eindeutig dorthin geht.

Brandmaier: Unser Referenzprojekt war der SVN (Sportverein Neuperlach). Und auch mit dem TSV Haar haben wir eng zusammengearbeitet. Das Fitnesscenter dort gehört der Gemeinde, wird aber vom TSV gepachtet. Es wurde 2001 eröffnet – und ist extrem erfolgreich, trotz der relativ hohen Pacht.

-Die Erweiterung ist abgelehnt. Bleibt das Problem, dass der Sportpark in die Jahre gekommen ist...

Brandmaier: Der Sportpark wurde 1995 eröffnet. Da ist also nach 20 Jahren ein Sanierungsbedarf zu erwarten. In unserer Machbarkeitsstudie zur Erweiterung hatte der Architekt rund 450 000 Euro als „vorgezogene Instandhaltungskosten“ angesetzt. Die waren in dem 1,85 Millionen-Euro-Zuschuss der Gemeinde also bereits enthalten.

-Wird der Verein versuchen, ein neues Projekt alleine zu finanzieren?

Brandmaier: Darüber müssen wir uns vereinsintern klar werden. Möglicherweise ist die Gemeinde ja doch bereit, uns in der einen oder anderen Form zu unterstützen.

Gallus: Unser Problem ist die Zeit. Grundsätzlich haben wir vor den Billigketten im Fitnessbereich keine Angst. Die Region wächst, und der Fitnessmarkt ist noch nicht gesättigt, das sagen alle Studien. Aber wenn wir noch fünf Jahre warten, sind vielleicht schon so viele neue Anbieter da, dass sich das Fenster für uns wieder schließt.

-Durch den Neubau der Grundschule am Wald fällt der Sportplatz am Ahornring weg. Die SPD fordert in einem Antrag vom Oktober, dafür „im bestehenden Sport- und Freizeitpark Ersatz zu schaffen“.

Brandmaier: Aber so ein neuer Platz kostet doch auch etwas! Wie der Wegfall kompensiert werden kann, werden zeitnahe Gespräche mit der Gemeinde und den anderen Vereinen zeigen.

-Herr Brandmaier, Sie haben nach der Absage an die Sportparkerweiterung Ihren Rücktritt angekündigt. Scheiden Sie verbittert aus dem Amt?

Brandmaier: Nein, ich scheide nicht mit Ärger aus dem Verein. Nach wie vor wird mein Herzblut daran hängen, dass es dem Verein gut geht. Und wir haben in den letzten Jahren ja nicht nur auf die Sportparkerweiterung gesetzt, sondern den Verein insgesamt modernisiert.

Gallus: Ein Beispiel ist der Kindersport. Neben dem Aufbau der Kindersportschule KisSS arbeiten wir mit den Kindergärten zusammen und haben Kooperationen mit den Schulen am Ort. Mit der Grundschule Am Wald sind wir schon in Gesprächen, wie wir ein Sportangebot in den Ganztag einbauen könnten.

-Ihr persönlicher Wunsch fürs neue Jahr?

Brandmaier: Ich würde mich sehr über einen hauptamtlichen Sportreferenten im Rathaus freuen. Sportangebote und Sportflächen sind für die gesamte Bevölkerung wichtig. Und mit seinen knapp 3000 Mitgliedern ist der SV-DJK ein Querschnitt der Gesellschaft.

Gallus: Ein Beispiel: Wenn wir den Kindern nachmittags ein Sportprogramm anbieten, unterstützen wir die Gemeinde bei dieser Aufgabe. Wir laufen also in die gleiche Richtung. Ich würde mir wünschen, dass dieser Punkt stärker ins Bewusstsein rückt.

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