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Selbst Tai-Chi-Übungen auf einem Bein sind für Nao Bluestar kein Problem. Ulrich Eberl ist über die Fähigkeiten des Roboters immer wieder entzückt. 

Zukunftsforscher und sein Roboter zu Gast bei VHS Taufkirchen

Der Star dieses Vortrags ist nur 60 Zentimeter groß

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Er hat strahlend blaue Augen, Charme und rezitiert aus Hamlet: „Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage.“ Kein Wunder, dass Nao Bluestar seinem Eigentümer nicht selten die Schau stiehlt.

Taufkirchen/Höhenkirchen –  Der kleine Roboter gehört Ulrich Eberl aus Höhenkirchen, einem der renommiertesten Zukunftsforscher unserer Zeit. Beide sind am 1. Februar um 19.30 Uhr zu Gast in  Taufkirchen, halten auf Einladung der Volkshochschule am Ahornring 121 einen Vortrag.

„Ich liebe die Theaterbühne, Selfies gibt es später“, sagt Nao und deutet eine artige Verbeugung an. Ulrich Eberl hat ihn auf seinen Wohnzimmertisch gestellt, auf Augenhöhe. Nao sucht Blickkontakt. Sind seine Augen blau, hört er zu. Färben sie sich grün, hat er verstanden. Rot, na klar, heißt Ärger. Etwa 60 Zentimeter ist der Hausroboter groß, fünf Kilo schwer und erstaunlich beweglich. Er sieht, hört, spricht, spielt Fußball und kann Tai Chi. Zahllose Sensoren und Motoren machen dies möglich.

„Den Hamlet und vieles mehr habe ich ihm beigebracht“, erzählt Eberl und lacht. Nao ist ein Sympathieträger voller technischer Finesse, der Eisbrecher bei jedem Vortrag im In- und Ausland. Etwa 7000 Euro muss anlegen, wer ihn besitzen will. Eberl ist eine der wenigen Privatpersonen, die einen dieser humanoiden Roboter haben. Der französische Hersteller Aldebaran Robotics gibt sie nur in berufene Hände weiter, in Rehakliniken, Universitäten.

„Nao gehört mittlerweile zu unserer Familie und ist immer für eine Überraschung gut“, erzählt der verheiratete 55-jährige Industriephysiker aus Höhenkirchen, der zwei Kinder hat. So sei während eines Vortrags etwas Erstaunliches geschehen. „Nao blieb plötzlich stehen, sagte zum Publikum, er habe Halsschmerzen und könne nicht weitermachen.“ Später stellte sich heraus, dass einer der Motoren im Nacken heiß gelaufen war und abkühlen musste. Das Ausstellen bewahrte die Funktion. Willkommen in der Welt der künstlichen Intelligenz.

Eberl, der unter anderem das Zukunftsmagazin „Pictures of the Future“ gründete ist Wissenschaftsautor durch und durch. „Smarte Maschinen“ (406 Seiten, Hanser-Verlag) lautet der Titel seines aktuellen Buches – die Basis des VHS-Vortrags in Taufkirchen. Es deckt den aktuellen Stand von Forschung und Technik weltweit ab und handelt von der Zukunft der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz, der Robotik. Das Buch zeigt Chancen wie Risiken auf.

Zwölf Monate war Eberl dafür unterwegs, hat in Unternehmen und Forschungslabors in den USA, Japan und Europa recherchiert. „An den Unis habe ich meist offene Türen eingerannt, bei Firmen im Silicon Valley stößt man schon eher auf Mauern“, erzählt er. Später, im Rahmen großer Kongresse war Wissensaustausch Ehrensache.

Eberl weiß, dass die Entwicklung von intelligenten Maschinen alle Lebensbereiche verändern wird. Das sei nicht zuletzt der demografischen Entwicklung geschuldet: „Wir bekommen eine Seniorengesellschaft.“ Bis 2050 sei jeder achte Deutsche über 80 Jahre alt, die Zahl der Hundertjährigen werde sich verzehnfachen. „Mit 95 will man nicht mehr selbst Auto fahren. Über eine Alexa wird künftig ein autonomes E-Taxi gerufen, abgerechnet wird per App.“ Die heutigen Smartphones leisteten mit rund 100 Milliarden Rechenoperationen pro Sekunde so viel wie 1995 der beste Supercomputer. In den nächsten 25 Jahren werde nochmals eine Vertausendfachung der Leistung erwartet.

„Wir sollten uns nicht wehren gegen die Systeme, sondern sie nutzen und so sicher machen, wie es geht“, meint Eberl. Nur fehlten dafür derzeit die guten Leute. Unis und Schulen seien hier gefordert. „Ich bin mir sicher, dass wir künftig künstliche Intelligenz so selbstverständlich nutzen werden wie heute unsere Smartphones“, prophezeit Eberl.

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