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Das Gründungsfoto von 1893.

Gründungsfest

125 Jahre Burschenverein Taufkirchen: Mit einem Humpen hat es angefangen

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Der Burschenverein „Fröhlich Frisch Taufkirchen“ feiert sein 125. Jubiläum. Seine Mitglieder blicken auf eine bewegte Geschichte zurück.

Taufkirchen – Als in Bayern der Prinzregent Luitpold herrschte, lebten in Taufkirchen keine Kinder von Traurigkeit. Zumindest gründeten am 18. Januar 1893 genau 53 Taufkirchner einen Burschenverein und schmissen eine Party nach der anderen. Die Burschen und ihre Gäste tanzten bei mehreren Bällen in der Tafernwirtschaft „Zum Stumpf“, dem heutigen Gasthof „Trenner“ in der Münchner Straße. Im Juni feierte man bei den Sommerfesten in Unterhaching und Deisenhofen.

Doch eine der ersten Amtshandlungen des neuen Vereins: Die Burschen besorgten sich einen Humpen, um daraus dunkles Malzbier zu trinken. Getreu dem Zweck des Vereins: „Die Förderung des sittlichen Gesellschafts- und Gemeinsinnes“. 

Der Burschenverein Fröhlich Frisch auf Taufkirchen wird heuer 125 Jahre alt. Er besteht aus 52 Burschen, 23 Gönnern und wird von 30 Madln unterstützt. Von Mittwoch, 9., bis Sonntag, 13. Mai, geht am Sportpark ein mehrtägiges Gründungsfest über die Bühne (siehe unten). Die Mitglieder können auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, die gezeichnet ist von zwei Weltkriegen. Doch auch nach den dunkelsten Stunden haben die Burschen immer wieder zusammengefunden, um bayerisches Brauchtum zu pflegen und Feste zu feiern.

Der erste Maibaum

1898, als die ersten Züge über die Eisenbahnstrecke Giesing-Deisenhofen rauschten, stellten die Taufkirchner Burschen erstmals einen Maibaum auf. In der Vereinschronik heißt es: „Anfang März holten wir unser Prachtstück mit dem Pferdefuhrwerk und mit Musikbegleitung aus dem Wald.“ Die Burschen hobelten den Baum und schliffen ihn ab. Anschließend bewachten sie das „schwere Stangerl“, damit niemand ihn stehlen konnte. Und schließlich: „Mit viel Irxen-Schmalz und mithilfe vieler Neugieriger stellten wir unseren Stolz mittel Scharstangen auf.“

Anno 1907: Die Burschen in feinem Zwirn.

Sechs Jahre später veranstalteten die Burschen ein Ochsenrennen auf der Wiese hinter dem Stumpfschen Gasthof. Die Strecke war 600 Meter lang. Der Ochse von Bauer Simon Sam rannte als erster durchs Ziel. 279 Liter Bier flossen bei dem Spektakel die Zuschauer-Kehlen hinunter. Eine Mass kostete 24 Pfennig. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, mussten fast alle Taufkirchner Burschen als Soldaten ausrücken. Feiern wollte zu dieser Zeit niemand. Erst 1919 erweckten 50 Burschen den Verein wieder zum Leben. „Es gab viel nachzuholen und das Jahr war gespickt mit Bällen“, heißt es in der Festschrift.

Ähnlich war die Situation im Zweiten Weltkrieg. Die Nazis hoben den Verein auf. 1946 genehmigten die Amerikaner, das Vereinsleben wiederaufzunehmen. Dazu mussten die Burschen 524 Fragen beantworten. Wenige Woche später stellten sie einen Maibaum auf.

Ein Höhepunkt der jüngeren Geschichte: Das Ochsenrennen zum 100. Jubiläum

Die darauffolgenden Jahre waren hart. Der Burschenverein kämpfte mit knappen Mitteln. Bei Veranstaltungen kamen kaum Menschen, sodass der Verein gerade so die jährlichen Unkosten aufbringen konnte. Doch allmählich ging es bergauf, sodass die Burschen regelmäßig Feste organisieren konnten. Die Gemeinde Taufkirchen wuchs. Die Siedlung „Taufkirchen am Wald“ entstand in den 1970er-Jahren. Bei den Burschen beäugte man das kritisch: „Dort, wo die Kartoffeln und Ähren wuchsen, wuchsen nun Betonburgen aus den Äckern. Die Menschen entdeckten unser Dorf, jedoch nur selten den Burschenverein.“ Das sei wohl mit der Nähe zur Stadt München und den dortigen Freizeitangeboten zu erklären.

Gruppenfoto zum 100. Jubiläum.

Ein Höhepunkt der jüngeren Geschichte: Das viertägige Fest zum 100. Vereinsjubiläum vor 25 Jahren. Die Burschen richteten ein Ochsenrennen aus. Als Belohnung für die Strapazen machten sie mit den Madln einen Ausflug nach Mallorca. Dort muss es ziemlich wild zugegangen sein. Zwar seien 31 Burschen und Madln verreist, aber nur 30 Betten gebucht gewesen, heißt es in der Vereinschronik. Der Pechvogel, der kein Bett hatte und dessen Namen die Festschrift verschweigt, soll jeden Abend woanders geschlafen haben. Entweder auf Balkonen, am Strand oder in einem der Betten, wenn die anderen bereits aufgestanden waren. „Wodurch auch er zu dem nötigen Schlaf kam, um am nächsten Tag wieder feiern zu können.“

Das Gründungsfest

Das Gründungsfest auf dem Festplatz am Sportpark dauert fünf Tage. Start ist am Mittwoch, 9. Mai. Um 19 Uhr wird angezapft. Es spielen die Ludwig Thoma Musikanten. 

Am Donnerstag gibt es ab 11.30 Uhr ein buntes Programm. Um 15 Uhr startet das Ochsen- und Kamelrennen. Ab 18 Uhr spielt Roland Hefter mit seiner Band Isarrider. 

Am Freitag treten die Troglauer auf und präsentieren ihre „Heavy Volxmusic“. Beginn um 19.30 Uhr. 

Am Samstag steigt ab 19.30 Uhr die ABBA-Night. 

Der Festsonntag beginnt um 10 Uhr mit einem Gottesdienst, den der bekannte Wiesn-Pfarrer Rainer Maria Schießler hält. Anschließend findet ein Festzug durch Taufkirchen statt. Danach gibt es eine Party im Festzelt mit „Fritz and Friends“.

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