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Starb im Alter von 82 Jahren: Schriftstellerin Elfie A. Vetter aus Taufkirchen.

Nachruf

Abschied von einer strahlenden Künstlerin

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Taufkirchen - Die Taufkirchner Schriftstellerin Elfie A. Vetter ist im Alter von 82 Jahren gestorben. 

„Schreiben, das heißt sehen lernen.“ So nannte Elfie Vetter das Seminar, das sie als freie Schriftstellerin viele Jahre an der Volkshochschule Neubiberg leitete. Sie berief sich dabei auf Kokoschkas „Schule des Sehens“, in der Künstler aus aller Welt Unterricht gaben und einen von Ideologien und falschen Überzeugungen und Strömungen ungetrübten Blick auf die Kunst lehrten. „Für sie, die auch in der Technik der Radierung und der Kaltnadelradierung zu Hause war, galt dieser Blick in allen Belangen – für die Literatur und für sich selbst als Künstlerin“, sagt ihr Lebensgefährte Rudolph Mazac. Vor etwas mehr als zwölf Jahren lernte der Jazzmusiker aus Leidenschaft die stolze Dame im Atelier einer Schwabinger Künstlerin kennen und erlebte sie doch als verletzlich und tief empfindsam. Von der Musikalität und wunderschönen Diktion der Münchnerin angerührt, entspann sich eine Zweisamkeit, die auch in gemeinsamen Lesungen mit Musik in München und Prag ihren Niederschlag fand. Rudolph Mazac hat zwar die die prägenden und gestaltenden Jahre in Elfie Vetters Leben nicht geteilt: „Aber ich habe als ihr Verleger miterlebt, wie sie diese Jahre in ihren Worten, ihren Gedichten, ihren Erzählungen in eine Form goss, sie verdichtete, ihnen eine Kontur gab und so für sich abschließen konnte.“

Schon die neunjährige Elfie hatte als beste Freundin die Muse, als sie Kinderrollen neben Größen wie den Schauspielern Agnes Fink oder Ernst Fritz Fürbringer verkörpert und im Prinzregenten- sowie Residenztheater auftrat. Sie selbst sagte dem Münchner Merkur: „Dadurch lernte ich die schöne Sprache des Theaters kennen. Deren Melodie ist das Wichtigste.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Münchner Theaterlandschaft in Trümmern, und die Träume eines künftigen Gretchens (aus dem „Faust“) oder einer Luise (aus „Kabale und Liebe“) lösten sich auf im Kampf ums Überleben. Die Eltern bestanden auf was „Richtiges“, und die Heranwachsende besuchte eine kaufmännische Berufsschule. Aber das Licht der Scheinwerfer flackerte, als die attraktive Dame mit Charme, Eloquenz und Eleganz in der deutschen Niederlassung des amerikanischen Filmgiganten Metro Goldwyn Mayer erschien, zuständig für die Abrechnung und fasziniert von „Vom Winde verweht“. Die Scheinwerfer strahlten, als die Gattin des Filmmoguls Louis B. Mayer dieses Mädchen unter ihre Fittiche nahm und das bald als das Topmodell von Emilio Schubert, damals einer der bedeutendsten Couturiers in der Modebranche, über den Laufsteg schwebte. Kein „Germanys next Topmodel“, sondern eine blendende Schönheit, und die Diven Maria Callas, Gina Lollobrigida und Sophia Loren saßen im Publikum.

Die späte Elfie A. Vetter, herausgelöst aus dem Nimbus der Darstellungskunst, wendet sich dem Inneren zu. Kurzgeschichten und Alltagsreflexionen sind entstanden. Die größeren Werke „Bastard“, „Melanies Roman“ „Mittag beim Italiener“, aber auch Gedichtbände „Gedanken wie Perlen“ und „Mein Tod ist ein Engel“. Sie präsentieren eine Künstlerin, die neue Wege riskierte und ein Leben abrunden, das zart gebaut war, wie Rudolp Mazac es formulierte. „Sie war zerbrechlich wie eine Blume.“

Marc Oliver Schreib

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