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Hier nicht : Walter Siebert (vorne, l.) und andere Anwohner fürchten, dass auf dem Parkplatz der Wohnanlage in Taufkirchen bald auch ein Stelzenhaus stehen könnte.

Anwohner sammeln Unterschriften

Keine Stelzenhäuser vor dem Fenster

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Stelzenhäuser in Taufkirchen? Was in Haar auf grundsätzlich großes Interesse gestoßen ist, sorgt in Taufkirchen für Wirbel. Nachdem eine Wochenzeitung über solche Planungen im Ort geschrieben hat, fürchten viele Anwohner, dass vor ihren Fenstern nachverdichtet wird. 

Taufkirchen– Seit gut einer Woche sammelt Walter Siebert (69) aus Taufkirchen Unterschriften gegen ein Stelzenhaus vor seiner Haustüre. In einem kostenlosen Wochenblatt hatte er einen Artikel über das bestehende Projekt am Dantebad gelesen, das offenbar bald auch an anderen Standorten umgesetzt werden soll. Überschrift „Gewofag baut Stelzen-Bauten auch in Neuperlach und Taufkirchen“.

Dieser Titel hat Walter Siebert und seine Frau Sonja (69) in Alarmbereitschaft versetzt. Gemeinsam den Ehepaaren Lippmann und Methner aus der Ulmenstraße beziehungsweise am Lindenring sammeln sie seither Unterschriften. Mehr als 500 Taufkirchner haben bereits unterschrieben.

„Wir waren alle entsetzt, als wir den Artikel gelesen haben“, schildert Walter Siebert im Gespräch mit dem Münchner Merkur. Seit 43 Jahren lebt er mit seiner Frau in der Ulmenstraße, also dort, wo dem Bericht zufolge bald gebaut werden soll. „Unsere Tiefgarage ist marode“, sagt Siebert. „Und darüber soll dann in eine bestehende Wohnanlage ein Stelzenhaus gepresst werden? Das ist doch ein Unding.“

Die Gewofag hingegen versucht, zu beruhigen. „Uns haben auch schon einige Schreiben zu dem Artikel erreicht“, teilte Konzernsprecherin Sabine Sommer gestern auf Nachfrage mit. „Allerdings planen wir im Moment da nichts.“ Vielmehr würde der Bericht, der die Anwohner aufgeschreckt hat, zwei Dinge miteinander vermischen. Zum einen das bereits realisierte Stelzenbau-Projekt am Dantebad, das der Bauunternehmer Ernst Böhm nun auch in Haar vorgestellt hat und zum zweiten den Architektenwettbewerb „Europan“ für junge Architekten unter 40 Jahren.

„Im Rahmen dieses Wettbewerbs sollen die Architekten sogenannte ,Stadtbausteine’ entwickeln, mit denen künftig bei gleichbleibender Qualität schneller und günstiger gebaut werden kann“, erläutert Sommer. „Und weil Architekten nicht einfach so planen können, haben wir ihnen bestimmte Areale in Neuperlach und in Taufkirchen für ihre Überlegungen zur Verfügung gestellt.“ Heißt konkret für die Anwohner in Taufkirchen: „Im Moment planen wir da nichts.“

Allerdings, schränkt die Gewofag auf Anfrage des Münchner Merkur schriftlich ein, „ist eine Bebauung langfristig nicht auszuschließen“. Begründung: „Vergleichbare freie Flächen in den Siedlungen bieten Bebauungspotenziale, die die Gewofag nutzen muss, um dringend benötigten sozialen Wohnraum zu schaffen.“ Die Errichtung „eines Projekts vergleichbar mit dem Dantebad ist aber nicht geplant; es wird keinen ,Stelzenbau’ am Standort Taufkirchen geben.“

Über den Wettbewerb „Europan“ hatte die Gewofag alle betroffenen Taufkirchner Mieter im Februar in Form eines Rundschreibens informiert. Der Wettbewerb findet bereits zum 14. Mal unter Beteiligung von rund 50 Standorten in 15 europäischen Ländern statt. In der Mitteilung wurde laut Sommer „ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei , Europan14’ lediglich um eine reine Ideenfindung handelt und nicht um konkrete Planungen“.

Walter Siebert und die anderen Anwohner wollen die Entwicklung vor ihrer Haustüre dennoch weiterhin genau verfolgen. „Innerhalb kürzester Zeit haben mehr als 500 Menschen unterschrieben“, sagt Siebert. „Und alle haben uns gesagt: ,Wenn es sein muss, gehen wir auch auf die Straße’.“

Mit Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) haben die Initiatoren der Unterschriftenaktion einen Termin vereinbart. Das Treffen findet am Donnerstag um 15 Uhr im Rahmen der Bürgersprechstunde im Rathaus statt.

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