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Ob es überhaupt genügend Parkplätze am Riegerweg gibt, ist unklar. 

Trotz Parkplatzproblem

Aus Zeitdruck treibt Taufkirchen Wohnprojekt voran 

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Wie schwierig es ist, günstigen Wohnraum zu schaffen und dabei alle Vorgaben einzuhalten, hat sich in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats gezeigt. Dort ging es um das gemeindliche Wohnungsbauvorhaben am Riegerweg.

Taufkirchen – 50 günstige Mietwohnungen will die Gemeinde dort auf ihrem Grundstück schaffen. Die Projektsteuerung hat die Gewofag übernommen. Das Wohnhaus soll zwischen Straße und dem angrenzenden Neubauprojekt entstehen, wo die OTB Service GmbH neben Wohnungen auch einen Supermarkt errichtet. Mit den Architekten stellte die Gewofag jetzt den Gemeinderäten den Planungsstand vor – und erwartete Entscheidungen, um weitermachen zu können. Der Zeitplan ist straff. Nächstes Jahr soll Spatenstich, im Herbst 2021 alles fertig sein.

Zunächst klang noch alles recht schön, was Architekt Hans-Peter Hebensperger-Hüther vom Büro H2R da so erzählte: 53 Wohnungen sollen entstehen, eine Mischung von der Einzimmer- bis zur Vierzimmer-Wohnung. Das Problem liegt in der Tiefe. Dort soll die Tiefgarage hin mit Stellplätzen für die Anwohner. Und da gibt es mehrere Möglichkeiten: eine eingeschossige Tiefgarage, eine Tiefgarage mit Duplexstellplätzen und eine zweigeschossige Garage. Das Problem: Bei der eingeschossigen Variante kostet der Stellplatz etwa 23 000 Euro, bei den anderen Varianten das Doppelte. Bis zu zwei Millionen Euro mehr kostet es laut Architekt, geht man weiter in die Tiefe. Dass das mit günstigem Wohnungsbau nicht vereinbar ist, war man sich im Gemeinderat schnell einig. Wäre da nicht die Stellplatzsatzung, die vorschreibt, wie viele Parkplätze das Gebäude vorhalten muss. Nämlich einen Stellplatz für alle Wohnungen bis 60 Quadratmeter, 1,5 für über 60 Quadratmeter. Am Riegerweg bräuchte es also 87. In der eingeschossigen Tiefgarage gäbe es aber nur 54, dazu neun Stellplätze an der Oberfläche. David Grothe (Grüne) dachte als erster laut über die Änderung der Stellplatzsatzung nach. Die wird derzeit ohnehin überarbeitet. Doch selbst bei großzügigster Neugestaltung dürften die Stellplätze nicht reichen. Grothe schlug vor, in der Satzung zu unterscheiden zwischen privaten Bauten und gemeindlichen. Peter Hofbauer (Freie Wähler) mahnte: „Wir müssen uns doch an Regeln, die wir selbst beschlossen haben, halten.“ Genauso sah es Parteikollege Michael Lilienthal. „Das hat sonst ein Geschmäckle.“ Auch Überlegungen des Architekten, im Mietvertrag festzulegen, dass man in der Drei-Zimmer-Wohnung nur ein Auto haben dürfe, überzeugten nicht.

Hildegard Riedmaier (CSU) sah nur eine Möglichkeit: „Entweder zahlen wir den Preis für mehr Stellplätze oder wir schaffen weniger Wohnraum.“ Rudi Schwab (Grüne) mahnte „nicht alles der heiligen Kuh Auto zu opfern“. Er schlug vor, mit einem Mobilitätskonzept abzuhelfen. Dadurch könnte man die Stellplatzzahl reduzieren. „Das schaffen wir nicht“, sagte Peter Hofbauer. „Dafür bräuchten wir konkrete Maßnahmen, doch da oben sind wir weit weg von U- und S-Bahn.“

Architekt Hebensberger-Hüter schlug schließlich vor, entlang des Riegerwegs noch Schrägparkplätze zu schaffen. Ob das geht, ist allerdings unklar. Bürgermeister Ullrich Sander brachte noch ein Nachbargrundstück ins Spiel, das der Gemeinde gehöre. Ob der vielen Unwägbarkeiten beschloss der Gemeinderat zunächst, eine Entscheidung zu vertagen.

Doch dann entspann sich erneut eine Diskussion. Ob es nicht doch irgendwelche Möglichkeiten gäbe, das Projekt nicht weiter hinauszuschieben. Und dann stellte Michael Lilienthal den Antrag, die Vertagung rückgängig zu machen – der angenommen wurde. Und am Ende stimmte der Rat auch mit nur drei Gegenstimmen trotz vieler Fragezeichen beim Thema Stellplätze der Variante mit der eingeschossigen Tiefgarage zu – in der Hoffnung, dass sich doch noch Lösungen finden.

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