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Pötke fehlt: Die Ahnengalerie im Rathaus endet mit Altbürgermeister Eckhard Kalinowski. 

Ahnengalerie

Rathaus will Ex-Bürgermeister aufhängen - doch der wehrt sich

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Die Gemeinde Taufkirchen will das Konterfei des ehemaligen Bürgermeisters Jörg Pötke in der Ahnengalerie aufhängen. Doch da macht der geschasste Rathaus-Chef nicht mit. 

Taufkirchen – Auch rund sechs Jahre nach dem skandalträchtigen Abgang des damaligen Bürgermeisters von Taufkirchen, Jörg Pötke, sind die Narben bei den Beteiligten nicht alle verheilt. Ein Sinnbild dafür ist die Galerie der ehemaligen Bürgermeister, die im Treppenaufgang des Rathauses beheimatet ist. Diese Ahnengalerie ist nämlich unvollständig. Sie endet mit dem Porträt von Pötkes Vorgänger Eckhard Kalinowski. Ein Bild von Pötke existiert nicht. Und das obwohl der heute 72-Jährige, der 2008 für die ILT den Chefsessel im Taufkirchner Rathaus erobert hatte und im November 2012 aufgrund schwerer Mobbingvorwürfe von der Landesanwaltschaft suspendiert wurde, seit 2014 offiziell aus dem Amt geschieden ist.

Das Konterfei des umstrittenen Ex-Bürgermeisters wird man wohl auch auf absehbare Zeit vergeblich im Treppenhaus des Rathauses suchen. Denn Pötke hat es jetzt auf Anfrage von Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei) abgelehnt, ein Schwarz-Weiß-Foto von ihm für die Fortführung der Ahnengalerie zur Verfügung zu stellen.

Jörg Pötke war von 2008 bis 2014 Bürgermeister von Taufkirchen. Wegen Mobbingvorwürfen wurde er im November 2012 vom Dienst suspendiert. 

In einem Antwortschreiben auf die per E-Mail versandte Anfrage aus dem Rathaus hat Pötke Sander gegenüber angedeutet, dass sich eine Lösung des Problems wohl erst anbahnen wird, wenn Sander selbst nicht mehr Rathauschef ist. „Dann wird geklärt werden müssen, ob man Sie direkt neben meinen Vorgänger hängt oder die vielsagende Lücke belässt oder man die Ahnenreihe gänzlich beendet und mit Herrn Kalinowski den End- und damit Höhepunkt im Taufkirchner Rathaus verdübelt“, erklärt Pötke in der für ihn bekannten spöttischen Art und Weise.

Denn obwohl Sander in die damaligen Pötke-Querelen nicht involviert war und sich erst nach der Amtsenthebung politisch im Ort engagierte, ist das Verhältnis zwischen Pötke und ihm alles andere als unproblematisch. Das zeigt sich auch daran, dass Pötke nicht nach Belieben E-Mails an die Mitarbeiter im Rathaus verschicken kann, wie er in besagtem Antwortschreiben an Sander hervorhebt. Seinen Aussagen zufolge landen seine elektronischen Anfragen in der Regel in den Spam-Ordnern. Mails könne er nur direkt an den Bürgermeister schicken. Pötke, der sich deshalb als Bürger zweiter Klasse fühlt und bereits vergeblich bei der Kommunalaufsicht im Landratsamt über dieses Vorgehen beschwert hat, macht Sander dafür verantwortlich. „Solange Sie diesen Filter belassen, möchte ich mit meinem Abbild nicht Teil Ihrer Phobie sein“, heißt es in dem Schreiben an Sander.

Der Gescholtene selbst weilt derzeit in Urlaub, kann sich deshalb nicht zu den Vorwürfen Pötkes äußern. Sein derzeitiger Stellvertreter im Rathaus, Zweiter Bürgermeister Alfred Widmann (SPD), bestätigt aber, dass bei manchen Mitarbeitern E-Mails von Pötke blockiert werden. Er verweist darauf, dass Pötke ein sehr fleißiger E-Mail-Schreiber sei, der die Verwaltung mit seinen Anfragen oft über die Maße beschäftige.

Was die unvollständige Ahnengalerie im Rathaus anbetrifft, sieht Widmann vorerst keinen Handlungsbedarf. Die Gemeinde habe die Anfrage gestellt, nun sei es an Pötke, ein Bild zur Verfügung zu stellen. „Er darf sich im schönsten Licht darstellen, nur schwarz-weiß muss es sein“, meint Widmann trocken.

Auf Initiative des Gemeinderates sei es jedenfalls nicht zu der Anfrage an Pötke gekommen. „Das ist ein reiner Verwaltungsakt“, betont Widmann. Und von sich aus werde die Gemeinde keinesfalls ein Foto von Pötke aufhängen, dass dieser nicht autorisiert habe, stellt der Zweite Bürgermeister klar. Sollte sich Pötke aber doch noch durchringen, hat – zumindest Widmann – kein Problem damit: „Ich werde nicht schlecht schlafen, wenn er da hängt.“

Doch vorerst sieht es nicht danach aus. Pötke sagt, er spüre, dass seine Person weiterhin auf große Ablehnung stoße. „Ich will da nicht ungewollt hängen“, betont er. „Wenn man die Ära totschweigen will, dann muss man das akzeptieren.“ 

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