Eine Frage kann er nicht mehr hören

„Ein Kämmerer darf kein Ja-Sager sein“

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Kämmerer - das klingt nach einem trockenen Mathe-Job. Doch dahinter steckt mehr, weiß Jan Gradl zu berichten. Er ist der Herr über Taufkirchens Finanzen. Und eine Frage kann er nicht mehr hören.

Jan Gradlist seit zehn Jahren Kämmerer in Taufkirchen. 

Taufkirchen – Derzeit wird in den Gemeinden des Landkreises wieder eifrig über den Haushalt fürs kommende Jahr diskutiert. Und so mancher Kämmerer brütet seit dem Sommer über den Unterlagen, um etwas Ordentliches zu präsentieren. Wir haben bei Taufkirchens Kämmerer Jan Gradl nachgefragt, wie viel Arbeit das bedeutet, welche Fragen er nicht mehr hören will und ob er auch privat sparsam haushaltet.

- Wie viel Stunden Arbeit stecken in einem Haushaltsplan?

In Stunden ist dies schwer zu sagen. Die ersten Arbeiten beginnen immer Mitte Juli mit der Versendung der Mittelanmeldungen an die Abteilungen. Die Rückläufe erhalten wir dann bis Mitte September von den Abteilungen und von externen Stellen, etwa Volkshochschule und Kindergärten, die gewünschten Anträge auf Zuschüsse und Maßnahmen. Anschließend finden diverse Abstimmungsgespräche, wie zum Beispiel mit den Feuerwehrkommandanten und den Kollegen des Bauamtes statt. Der 1. Entwurf steht dann Ende Oktober.

- Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit als Kämmerer?

Wie heißt es so schön: Am Gelde hängt eben alles. Es geht letztlich um die demokratisch legitimierte Entscheidung, wie finanzielle Ressourcen der Gemeinde eingesetzt werden. Als Kämmerer hat man mit allen Angelegenheiten der Gemeindeverwaltung zu tun. Mich hat immer die Gesamtschau, die Gesamtanalyse interessiert.

- Wie viel Spielraum hat man als Kämmerer?

Man kann durchaus auch seine Ideen einbringen und den Gemeinderäten gewisse Szenarien vorschlagen und aus seiner Sicht bewerten. Zum Beispiel auf den gemeindlichen Grundstücken mit dem Wohnungspakt Bayern Wohnraum zu schaffen. So erreicht man eine gewisse Unabhängigkeit von den Steuereinnahmen und schafft Werte für spätere Generationen. Stichwort: Nachhaltigkeit. Was die Politiker dann entscheiden, das ist indessen ihre Sache. Auch in unserem Gemeinderat ist, trotz meines mahnenden Fingers, das Sparen nicht populär. Der Rahmen der möglichen Investitionen wird ausgeschöpft, so gut es geht. Obwohl ich als Verwaltungsbeamter keine politische Entscheidung treffen kann, habe ich dennoch Gestaltungsspielräume, wie es in der Verwaltungssprache so schön heißt.

- Hat jeder Kämmerer seinen eigenen Stil?

Jeder Kämmerer hat sicher seinen eigenen Stil, aber dies hängt auch mit dem jeweiligen Aufgabengebiet zusammen. Ich schätze die Abwechslung mit der Realschule und dem gemeindlichen Wasserwerk. Es gibt auch Kollegen, die risikobereiter sind. Leider gab es in der Vergangenheit mit Zinswetten oder Risikoanlagen eine Vielzahl von negativen Vorgängen, die unserem Berufsbild sehr geschadet haben.

- Was ist Ihnen besonders wichtig?

Die gute Zusammenarbeit innerhalb der Verwaltung und mit der Politik. Hier hat sich über Jahre eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt. Eine meiner wichtigsten Aufgaben ist, den Gemeinderat vor finanziellen Gefahren zu warnen.

- Welche Eigenschaften sollte ein Kämmerer unbedingt haben?

Kämmerer sind ja berufsbedingt Pessimisten und sollten vorausschauende Planer sein. Eine gewisse Affinität zu Zahlen ist sicher auch von Vorteil. Mich bringt auch so leicht nichts aus der Ruhe, da hilft mir auch meine norddeutsche Gelassenheit. Man muss als Kämmerer auch die Prioritäten anmahnen und darf kein Ja-Sager sein, auch wenn der Wind einem im Gemeinderat mal kräftig entgegen bläst. Am Anfang meines Wirkens in Taufkirchen habe ich da viele Anmerkungen sicher persönlich genommen, aber nach zehn Jahren kann ich schon gut abschätzen, warum ein Gemeinderat politisch gegen „meinen“ Haushalt stimmt.

 -Dinge, die nie passieren dürfen?

Wir haben hier im Amt für Finanzen gemeinsam schon so stürmische Zeiten erlebt. Uns wirft so leicht nichts mehr aus der Bahn. Und: Es gibt immer eine Lösung.

- Fragen, die Sie nicht mehr hören können?

„Reicht das Geld noch?“

- Wie haushalten Sie privat? Haben Sie da auch alle Ausgaben immer genau im Blick oder sind sie da auch mal großzügig?

Es kommt darauf an. Ich bin auch privat sehr überlegt beim Geldausgeben. Es ist quasi eine Berufskrankheit, die ich dann immer anführe. Aber ich freue mich, wenn ich meinen Mitmenschen eine Freude machen kann.

Rubriklistenbild: © dpa / Monika Skolimowska

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