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Auf der Suche nach dem eigenen Kompass: Jochen Schweizer stellt neues Buch vor

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Von: Martin Becker

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Sein Buch „Die Begegnung“ stellt Jochen Schweizer nahe seines Zweitdomizils in Norwegen vor.
Sein Buch „Die Begegnung“ stellt Jochen Schweizer nahe seines Zweitdomizils in Norwegen vor. © Justin Gray

In seinem neuen Buch erzählt Jochen Schweizer auf eine spirituelle Selbstfindungsgeschichte. Hinter den beiden Protagonisten verbirgt sich der bekannte Event-Unternehmer selbst.

Grünwald/Taufkirchen – Der alte Mann und das... Ja, das Meer? Naja, ein bisschen. Zum Kurzroman von Ernest Hemingway fehlt es ihm ein wenig an der schriftstellerischen Gabe, aber Jochen Schweizer, Event-Unternehmer aus Grünwald und Arena-Betreiber in Taufkirchen, ist mit 64 Jahren nicht mehr der Jüngste. Und er sitzt am Meer, nahe seiner Hütte in Norwegen, als er sein neues Buch „Die Begegnung“ vorstellt. Eine spirituelle Selbstfindungsgeschichte „über den Weg zu einem selbstbestimmten Leben“, wie es im Untertitel heißt.

Eine fiktive Story, hinter deren beiden Protagonisten der Abenteurer und Unternehmer sich jeweils selbst verbirgt: als der 95-jährige weise Hakon, quasi der Jochen Schweizer der Zukunft, und der junge Ausreißer Sverir, wohl der Jochen Schweizer der Vergangenheit. In einer Sturmnacht in Norwegen würfelt das Schicksal die beiden zusammen, am knisternden Hüttenfeuer tauschen sie ihre Lebenserfahrungen aus und philosophieren. Hakon mit Sverir, Schweizer (alt) über Schweizer (jung) und umgekehrt.

„Jeder kann nicht alles erreichen, aber ein jeder kann höher hinaus“

„Jeder kann nicht alles erreichen, aber ein jeder kann höher hinaus. Es ist für jeden Menschen möglich, ein Stück freier und selbstbestimmter zu leben, als er es gerade tut“, sagt Jochen Schweizer über sich, das Leben allgemein und das Buch konkret. „Man kann aus jeder Situation lernen und an Herausforderungen wachsen, wenn man sich die dafür erforderliche Geisteshaltung aneignet.“

Dies ist letztlich der Tenor der 238 Seiten über die Begegnung zwischen Hakon und Sverir. Wer Jochen Schweizer ein bisschen kennt, der vermag reale Lebensbezüge herauszulesen – diese vermischen sich mit literarischer Fiktion, die unterschwellige Verwebung ist immer wieder eine Art Selbstanalyse des 64-Jährigen: Was habe ich (als Hakon) mehr oder weniger gut gemacht, was könnte ich (als Sverir) besser machen, wenn ich nochmal jung wäre?

Rund 120 Thesen in einem Buch

Die Lebensweisheiten des Jochen Schweizer: Rund 120 Thesen, so sagt er, stecken in der Selbstfindungsgeschichte. „Nur wer das Ziel kennt, findet den Weg“, heißt es da, oder: „Schnitze das Leben aus dem Holz, aus dem du gemacht bist“. Im Kern geht es um Selbstverwirklichung im Sinne von Selbstbestimmung: herauszufinden, was seine Berufung ist, auch gegen externe Widerstände. „Wenn dir jemand sagt, was dein Weg sein soll, dann ist das nicht dein Weg“, erklärt der einstige Stuntman seine Philosophie. „Dein eigener Weg ergibt sich aus jedem Schritt, den du gehst.“

Eine Formulierung, die zigfach auftaucht, ist, dass der knorrige Alte „milde lächelt“. Das klingt nach Versöhnung mit sich selbst, nach Verständnis für den ungestümen Sverir. Einer der vielen Ratschläge des Alten an den Jungen: „Stell dir bei jeder Zielsetzung die Frage: Kommt der Wunsch aus deinem Herzen – oder aus einer kulturellen oder gesellschaftlichen Erwartung heraus?“ Das ist letztlich die Kernbotschaft von Jochen Schweizer: seinen eigenen Kompass zu finden und diesem Weg unbeirrt zu folgen.

Womit wir zum Schluss des Buchs kommen, das wegen der autobiografischen Parallelen die Frage aufwirft: Was hat Jochen Schweizer jetzt vor? Als Hakon paddelt er mit seinem Kajak hinaus aufs offene Meer, einer Wolkenwand entgegen, bis er irgendwann als kleiner Punkt am Horizont verschwindet. Ein Fingerzeig fürs reale Leben? Katapultiert sich der 64-jährige Grünwalder aus dem Flugtunnel seiner Jochen-Schweizer-Arena auf Nimmerwiedersehen an seinen Zufluchtsort in Norwegen? Ein bisschen ist es wie beim neuen James-Bond-Film mit einem dramatischen Ende und dem Hinweis, dass 007 zurückkehren wird. Dass sich Schweizer fortan also aufs Pflücken von Aroniabeeren an seinem persönlichen Kraftort reduziert: Nein, damit ist nicht zu rechnen. Aber damit, dass er vielleicht nochmal einen neuen Weg einschlägt auf seiner turbulenten Lebensreise.

Das Buch „Die Begegnung“ von Jochen Schweizer ist im Knaur-Verlag erschienen und kostet 18 Euro.

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