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Nicht immer klappt das Miteinander an den Schulen – dann helfen die Jugendsozial arbeiter. 

Schülerin Maria spuckt und beißt - dann greifen die Sozialarbeiter ein

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Sie stört permanent den Unterricht, spuckt andere Schüler an und beißt sie: Als Beispiel dafür, was Jugendsozialarbeit alles leisten kann und muss, hat Jugendsozialarbeiter Paul Haas jetzt den Taufkirchner Gemeinderäten die Geschichte von Grundschülerin Maria geschildert.

Taufkirchen– Die Jugendsozialarbeit ist ein wichtiger Baustein an vielen Schulen im Landkreis geworden. Rund 3,7 Millionen Euro hat der Landkreis allein im vergangenen Schuljahr dafür ausgegeben. Wie anspruchsvoll die Arbeit der Sozialarbeiter sein kann, zeigte Paul Haas, Jugendsozialarbeiter an der Grundschule Am Wald, jetzt im Sozialausschusssitzung von Taufkirchen auf. Statt Zahlen und Fakten beschrieb er einen konkreten Fall, wie es ihn auch an anderen Schulen geben kann: Maria (Name geändert), eines von 404 Kindern an der Grundschule.

Schwieriger Fall

Maria besucht die erste Klasse und fällt negativ bald auf, da sie permanent den Unterricht stört. „Sie ist aggressiv, spuckt andere Kinder an, schlägt und beißt sie“, berichtet Haas. „Sie ist nicht in der Lage, mit anderen Kindern normal in Kontakt zu treten.“ Auf Lehrkräfte, die ihr Grenzen setzen wollen, reagiert sie nicht. Im Unterricht kann sie kaum mithalten. Die Sozialarbeiter nehmen Kontakt zu den Eltern auf. Beide sind berufstätig, der Vater arbeitet bis zu 70 Stunden pro Woche. Beim Gespräch mit den Eltern kommt heraus, dass es schon im Kindergarten Probleme mit Maria gegeben hat.

Die Chance der Sozialarbeiter: Maria kommt schon vor dem Unterricht in die Frühbetreuung, die ab sieben Uhr in der Schule angeboten wird. „Da haben wir den ersten Frust der Schülerin schon mal abgefangen“, erzählt Haas. Regelmäßig sprechen sie mit dem Kind. Fragen, wie es geht, was es braucht, um sich besser zu fühlen. In Krisensituationen kommen sie den Lehrern zu Hilfe, tauschen sich regelmäßig mit dem Schulpsychologen und dem mobilen sonderpädagogischen Dienst aus. „Nach einem halben Jahr hat uns das Kind erzählt, dass es zuhause auch geschlagen wird“, berichtet Haas. Sie verständigen das Jugendamt, das auch Mitarbeiter zur Familie schickt. Es gibt zahlreiche Krisengespräche mit den Eltern, man empfiehlt ihnen, Marias Verhalten auch psychologisch abklären zu lassen. Schritt für Schritt wird gemeinsam an einer Lösung gearbeitet.

Die Situation nach zwei Jahren: Bei Maria wurde ADHS sowie eine Entwicklungsverzögerung diagnostiziert. Neben der richtigen Medikamente hat sie nun einen Schulbegleiter, der sie im Unterricht unterstützt. Nachmittags besucht sie eine heilpädagogische Tagesstätte. Die Mutter hat die Hilfe zur Erziehung vom Jugendamt angenommen. Maria selbst nimmt nun am Unterricht teil und hat Freunde gefunden.

„Es ist extremer Fall, kein alltäglicher“, stellt Haas klar, der mit zwei Kolleginnen auf insgesamt 2,5 Stellen die Sozialarbeit macht. „Es gibt etwa 20 Schüler pro Jahr, die eine so zeitintensive Betreuung brauchen“, sagt er. Oft gehe es dabei auch um Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung, die bestmöglich integriert werden sollen. Ansonsten vermitteln Haas und seine zwei Kolleginnen meist bei Konflikten zwischen Schülern, helfen in Krisensituationen und behalten auffällige Schüler im Blick.

Entlastung für Lehrer

„Ohne Jugendsozialarbeiter geht‘s gar nicht mehr“, sagt Hildegard Höhn, Rektorin der Grundschule am Wald. „Als Lehrer können wir uns nicht um alles kümmern.“ Wurden Streitereien und Krisen früher oft schnell abgehandelt, könne man nun dank Hilfe der Sozialarbeiter angemessen reagieren. Auch wenn Kinder frustriert sind wegen schlechter Noten, oder Problem von zuhause mitbringen, könne man dem nun auf den Grund gehen.

Auch die Gemeinde hat längst erkannt, wie wichtig die Sozialarbeit an den Schulen ist und die Trägerschaft für diese an der Grundschule am Wald sowie für die zwei Stellen an der Mittelschule übernommen. Rund 130 000 Euro hat sie im vergangenen Jahr für die 4,5 Stellen ausgegeben. Geld, das gut angelegt ist, wie alle Gemeinderäte befanden.

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