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Sechs von acht Bundestagskandidaten dürfen am Mittwoch aufs Podium.

Kritik an VHS-Podiumsdiskussion in Taufkirchen

AfD und Linke nicht willkommen

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Gut eine Woche vor der Bundestagswahl veranstaltet die VHS Taufkirchen eine Podiumsdiskussion mit den „Bundestagskandidaten vor Ort“. Allerdings: Die Vertreter von AfD und „Die Linke“ sind nicht eingeladen. Auswahlkriterium für die VHS war, ob die Parteien der Kandidaten im Kreistag vertreten sind.

Taufkirchen– Florian Hahn (CSU), Bela Bach (SPD), Anton Hofreiter (Grüne), Jimmy Schulz (FDP), Ilse Ertl (Freie Wähler) und Katharina Graunke (ÖDP): Sie alle sind Direktkandidaten ihrer Parteien bei der Bundestagswahl am 24. September. Und sie alle sitzen am Mittwoch, 13. September, auf dem Podium im Kultur- und Kongresszentrum in Taufkirchen, wo sie sich auf Einladung der örtlichen VHS den Fragen der Zuschauer stellen. Gerold Otten (61), Direktkandidat der AfD, und Eva Schreiber (59), Direktkandidatin von „Die Linke“, hätten sich der Diskussion ebenfalls gerne gestellt. Aber sie wurden nicht eingeladen.

VHS spricht von gelebter Demokratie

Man habe „ein Format gesucht, das relevant für den Landkreis München ist“, begründet Silvia Engelhardt (49), Leiterin der VHS Taufkirchen, die Kandidatenwahl auf Nachfrage des Münchner Merkur. Mit den Vorplanungen, so Engelhardt, habe man bereits im Februar begonnen – im Schulterschluss mit dem Leiter des Kultur- und Kongresszentrums, Michael Blume, und dem Redaktionsleiter der Süddeutschen Zeitung im Landkreis, der die Diskussion moderieren wird. In der Einladung zum „Podiumsgespräch zur Bundestagswahl“ unterstreicht die VHS ihren Willen zu gelebter Demokratie: „Miteinander diskutieren, Ideen einbringen, Kompromisse aushandeln, wählen gehen: Das ist demokratisches Handeln“, heißt es darin. Dass dennoch die größte im Bundestag vertretene Oppositionspartei, aktuell „Die Linke“, nicht auftreten wird, erklärt VHS-Leiterin Engelhardt so: „Sechs Kandidaten sind eine gute Größe für so ein Podium. Und irgendein Auswahlkriterium mussten wir wählen. Da sind wir darauf gekommen, die Parteien einzuladen, die bei der jüngsten Kreistagswahl die meisten Stimmen erhalten haben.“

Für Gerold Otten, Direktkandidat der AfD, ist diese Begründung nicht nachvollziehbar: „Es geht doch um eine Bundestagswahl. Da wäre es meines Erachtens sinnvoll, wenn alle künftig im Bundestag vertretenen Parteien auf dem Podium sitzen.“ Seine Mutmaßung: Der Bezug auf den Kreistag sei ein „kleiner Taschenspielertrick, um sich der Diskussion mit der AfD nicht stellen zu müssen“.

Nach Taufkirchen kommen wird Otten am 13. September trotzdem. Ab 18.30 Uhr hat er eine Kundgebung vor dem Kultur- und Kongresszentrum angemeldet. „Wir werden da einen Infostand aufstellen, und die Bürger, die zur Veranstaltung gehen, mit Flyern und Broschüren informieren“, kündigt Otten an. „Dabei sind wir nicht auf Konfrontation aus“, betont er, „sondern wollen die Gelegenheit nutzen, über unser Programm zu informieren.“

Eva Schreiber, Direktkandidatin von „Die Linke“ erinnert die Auswahl in Taufkirchen stark an die Veranstaltung des Kreisjugendrings vor einigen Monaten im Jugendkulturhaus „Gleis 1“ in Unterschleißheim. „Damals wurden wir auch nicht eingeladen“, sagt sie im Gespräch mit dem Münchner Merkur. „Und zwar genau mit der gleichen Begründung.“

Andere Kandidaten wundern sich auch

Vom Podiumsgespräch mit den „Bundestagskandidaten vor Ort“ der VHS Taufkirchen hat Schreiber über die Webseite von Toni Hofreiter (Grüne) erfahren. „Am Rande einer anderen Veranstaltung habe ich mit Jimmy Schulz (FDP) darüber gesprochen, und er hat sich auch gewundert“, führt Schreiber weiter aus.

In die Offensive gehen will die Kandidatin allerdings nicht. „Ich finde es seltsam, weil es sich um eine Bundestagswahl handelt und nicht um den Kreistag. Aber es ist so, dann muss man das akzeptieren.“ Sich am 13. September vor das Taufkirchner Kultur- und Kongresszentrum zu stellen, ist für Schreiber keine Option. „Vor allem nicht, wenn die AfD auch dort steht und die beleidigte Leberwurst spielt.“

Deren Direktkandidat Gerald Otten würde derweil auch eine nachträgliche Einladung zum Podiumsgespräch annehmen, wie er sagt. „Ich habe Frau Engelhardt dazu bereits eine E-Mail geschickt, aber noch keine Antwort gekriegt.“ Die VHS-Leiterin war bis gestern in Urlaub, hat gegenüber dem Münchner Merkur aber bereits Stellung bezogen: „Wir haben uns auf diese sechs Parteien festgelegt, und dazu stehe ich auch.“

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