+
Sanierungsbedürftig: Die Mittelschule Taufkirchen.

Zweckverband scheitert

Ärger bei den Nachbarn: Taufkirchen lässt Zusammenarbeit  bei Schulen platzen

  • schließen

Bedauern und Unverständnis herrscht in den Rathäusern von Oberhaching bis Sauerlach über eine Entscheidung des Gemeinderats Taufkirchen.

Taufkirchen/Landkreis – Wortreich hatten Landrat Christoph Göbel (CSU) und Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) vor zwei Wochen im Gemeinderat Taufkirchen für eine Erweiterung des Zweckverbandes Gymnasiums Oberhaching und um Solidarität im Sinne der kommunalen Familie geworben – umsonst. In seiner jüngsten Sitzung hat das Gremium abgelehnt, Fachoberschule (FOS) und Realschule, die in Oberhaching entstehen, sowie ein neues Gymnasium in Sauerlach mit in den Zweckverband aufzunehmen, dem neben Oberhaching und Taufkirchen Grünwald und Sauerlach angehören. Die Hauptmotivation der Lokalpolitiker: Angesichts der klammen Gemeindekasse wollen sie die Kosten für die Schulen nicht mittragen. Vor allem nicht fürs Gymnasium Sauerlach.

Stichwort: Zweckverband

Um weiterführende Schulen zu bauen und zu verwalten, haben sich im Landkreis München mehrere Kommunen mit dem Landkreis zu sogenannten Zweckverbänden zusammengeschlossen. Sie kümmern sich um den Bau und Unterhalt von Realschulen und Gymnasien. Die Kosten dafür teilen sich die Mitglieder auf. Unter anderem sind die Zweckverbände zuständig für Bau, Einrichtung, technische Ausstattung, Reparaturen und Erweiterungen in den Schulen. Ebenso für die Organisation des Hauspersonals wie Hausmeister und Reinigungspersonal. In Sonderfällen trifft der Landkreis mit einer Gemeinde auch nur eine Zweckvereinbarung. 

Während die Errichtung der neuen FOS komplett der Landkreis übernimmt, werden die Kosten für Realschule und Gymnasium je nach Schülerzahl aus der jeweiligen Gemeinde aufgeteilt. Nach ersten Schätzungen müsste sich Taufkirchen mit rund 750 000 Euro an der Realschule beteiligen. Der Beitrag fürs Gymnasium Sauerlach läge grob geschätzt bei etwa drei Millionen Euro. „Ich sehe keinen Sinn, dass wir uns an so einem weit entfernten Gymnasium beteiligen“, sagte FW-Gemeinderat Michael Lilienthal. „Wo soll das Geld herkommen?“, fragte Herbert Heigl (CSU). Und Beatrice Brückmann (ILT) findet wie Gabi Zaglauer (Grüne): „Wir brauchen das Geld für die Mittelschule, für unsere Kinder.“ Und auch ohne Mitglied im Zweckverband zu sein, könnten Taufkirchner Kinder die neuen Schulen besuchen.

„Da sind die derzeitigen Zahlen nicht beschlussreif“

Bürgermeister Ullrich Sander hält zwar wie Hildegard Riedmaier und Paul Haberl (beide CSU) die Aufnahme der Realschule im Zweckverband für akzeptabel, ist jedoch wie alle gegen eine Aufnahme des Gymnasiums Sauerlach. „Da sind die derzeitigen Zahlen nicht beschlussreif“, findet er. Grundsätzlich hält er Zweckverbände für sinnvoll, als „Ansprechpartner vor Ort“. Doch zu große „Ungetüme“ sollten sie nicht werden. Mit dem Votum aus Taufkirchen ist die Erweiterung des Zweckverbands, der Oberhaching, Grünwald und Sauerlach bereits zugestimmt hatten, vom Tisch. Ob ein neuer Zweckverband gegründet wird, welche Gemeinden sich daran beteiligen oder ob Oberhaching für FOS und Realschule eine Zweckvereinbarung mit dem Landkreis trifft – so wie Grünwald bei seinem Gymnasium – muss nun geklärt werden.

Für kurzsichtig hält Stefan Schelle, Rathauschef in Oberhaching und Vorsitzender des Zweckverbands, die Entscheidung Taufkirchens. „Wenn man Probleme lösen will, ist Kopf im Sand die falsche Körperhaltung.“ Prognosen zufolge wachse die Bevölkerung im Landkreis weiter – und damit auch die Zahl der Kinder. „Und die kann man dann nicht wegdiskutieren, die brauchen einen Platz in einer Schule“, so Schelle. Schon jetzt platze die Realschule in Taufkirchen aus allen Nähten. Auch an den Gymnasien werde es eng. „In Grünwald dachte man, das Gymnasium wird nicht voll, jetzt musste es schon erweitert werden.“

Der Landrat bedauert die Entscheidung: „Zu wenig von Sachargumenten getragen“

Landrat Christoph Göbel bedauert, die Entscheidung Taufkirchens sei „zu wenig von Sachargumenten getragen“. Von einem Gymnasium in Sauerlach würde am Ende auch Taufkirchen profitieren, das ja selbst kein Gymnasium habe. Es entstünde ein „homogenes Einzugsgebiet“, zu dem auch Taufkirchen gehöre. Im Rahmen einer kommunalen Zusammenarbeit könne man „nicht nur die Vorteile mitnehmen, ohne Pflichten zu übernehmen“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Von Rosin gerettet, dann Hand verloren: Nun wird Wirt auch noch aus eigenem Gasthof geworfen
Erst rettete ihn TV-Koch Frank Rosin vor der Pleite, dann verlor Roman Schmoll (58) seine rechte Hand. Nun muss er in wenigen Wochen seinen Gasthof schließen.
Von Rosin gerettet, dann Hand verloren: Nun wird Wirt auch noch aus eigenem Gasthof geworfen
Nach Verlust seiner Hand: Nächster herber Rückschlag für Wirt von „Rosins Restaurants“
Roman Schmoll muss derzeit einige Rückschläge verkraften. Vergangenes Jahre verlor der TV-Wirt bei einem Unfall eine Hand, nun muss er seinen Gasthof schließen. Doch …
Nach Verlust seiner Hand: Nächster herber Rückschlag für Wirt von „Rosins Restaurants“
Betrunkener attackiert Fahrgäste in Münchner S-Bahn - als Polizei zugreift, dreht er durch
Ein Mann hat in der S-Bahn Richtung München Flughafen Fahrgäste angegriffen. Der Angreifer schien auch bei der Festnahme völlig von Sinnen zu sein.
Betrunkener attackiert Fahrgäste in Münchner S-Bahn - als Polizei zugreift, dreht er durch
Gesprächspartner am Sterbebett: Hospizbegleiter berichten von ihrer Arbeit
Hospizhelfer begleiten Sterbende in den letzten Zügen ihres Lebens. Und das ist gut. Denn viele treiben Erinnerungen oder gar Schuldgefühle um, über die sie so sprechen …
Gesprächspartner am Sterbebett: Hospizbegleiter berichten von ihrer Arbeit

Kommentare