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Das voll besetzte Podium mit den „Promis“: Schreyer, Kohnen und Markwort in Taufkirchen.

Schreyer, Kohnen und Markwort auf dem Podium

Autobahn-Südring, Isarticket und wen würde Strauß wählen? Lebhafte Debatte in Taufkirchen 

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  • Marcel Görmann
    Marcel Görmann
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Am 14. Oktober wählen die Bayern einen neuen Landtag. Mit Spannung wurde daher eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion in Taufkirchen erwartet. Merkur.de übertrug sie am Mittwochabend live. 

Die Höhepunkte der Podiumsdebatte  in Taufkirchen

Rund zweieinhalb Stunden diskutierten die Moderatoren Günter Hiel (Leiter der Landkreisredaktion des Münchner Merkur) und Lars Brunckhorst, (Leiter der Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung) mit den Kandidaten des Stimmkreises München-Land Süd. Es wurde ein lebhafter Abend mit vielen Fragen aus dem Publikum im Kultur- und Kongresszentrum Taufkirchen. 

Gleich zu Beginn der Diskussion ging es streitlustig zu. Das bayerische Familiengeld sorgte für Reibungspunkte zwischen der Sozialministerin Kerstin Schreyer und der SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen. Schreyer kritisierte, dass SPD-Bundesarbeitsminister Hubertus Heil diese zusätzliche Sozialleistung als anrechnungspflichtig für Hartz IV-Empfänger beurteilt. Die Ministerin kenne keinen Sozialrechtler, der das bayerische Gesetz so einschätzt wie Heil. Daher sei sie zuversichtlich, dass sich die Ansicht der Staatsregierung juristisch durchsetzen und den Bedürftigen nichts weggenommen werde. Kohnen hielt dagegen, dass in Bayern alle Kinder bessere Chancen bräuchten, nicht nur die Zwei- und Dreijährigen. Sie plädierte für kostenfreie Kitas und eine bessere Bezahlung der Erzieher. 

Auf die desaströsen Umfragergebnisse ihrer SPD angesprochen, räumte Kohnen ein: „Elf Prozent sind echt hart“. Sie wolle nun „kämpfen wie irre“, um die vielen Unentschlossen noch für ihre Partei zu gewinnen. 

Markwort: Medien haben sich versündigt 

Der ehemalige Focus-Chefredakteur und -Herausgeber Helmut Markwort, der nun für die FDP für den Landtag kandidiert, durfte sich dann zur Parole „Lügenpresse“ positionieren. Er lehne den Begriff ab, aber Kritik insbesondere an öffentlich-rechtlichen Sendern sei berechtigt. Er erkenne zwar keine Gleichschaltung, wohl aber einen „Gleichklang“ in der deutschen Presselandschaft, die bei der Migrationsfrage teilweise tendenziös berichtet habe. „Einige Sender haben sich versündigt, weil sie nicht die Realität gezeigt haben“, watschte der FDP-Promi seine Journalisten-Kollegen ab. 

Das Rad als Alternative? Selbst hier keine Übereinkunft zwischen Grünen und AfD

Der Grüne Markus Büchler warb für sein Herzensthema: Den Ausbau des Radwegenetzes. Im Großraum München würde es ein riesiges Potenzial für das Rad als gleichberechtigte dritte Alternative zum Autoverkehr und zum ÖPNV geben. 

Das wiederum bezweifelte der AfD-Kandidat Ulrich Riediger. Viele Menschen würden nicht dort leben, wo sie arbeiten. Auf Grund der weiten Strecken sei das Rad oft keine Alternative. Man müsse stattdessen in die Höhe bauen und somit städtebaulich im Großraum München umdenken. Dann würde es auch weniger Belastungen durch den Pendlerverkehr geben. 

Für einen völlig anderen Ansatz plädierte die Freie Wähler-Kandidatin Ilse Ertl: Keine Konzentration in die Ballungsräume, sondern Breitbandausbau, um das Land attraktiver zu machen. So könne man möglichst viele grüne Flächen erhalten. 

Berhard Baudler von den Linken warf den anderen Parteien vor, „der Autoindustrie nachzulaufen“. Er selber habe gar kein Auto und fahre nur mit den Öffentlichen oder dem Rad. 

Wen würde Strauß wählen? 

Hoch her ging es bei der Frage, ob die Bayern-AfD zum rechtsgerichten „Höcke-Lager“ in der Partei gehört, wie es Sozialministerin Schreyer unterstellte. Anders als von der AfD plakatiert, hätte CSU-Übervater Franz Josef Strauß diese Partei niemals gewählt, zeigte sie sich überzeugt. 

AfD-Kandidat Riediger versuchte sich als bürgerlich-konservativ geprägten Menschen darzustellen, dessen Familie selbst unter den NSDAP- und DDR-Regimen gelitten hätte. SPD-Spitzenkandidatin Kohnen forderte von ihm angesichts der Vorfälle in Chemnitz vehement eine klare Distanzierung von Björn Höcke und der Annäherung an Pegida, die aber ausblieb. Man müsse differenzieren zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen, antwortete Riedinger ausweichend und unter Protesten aus dem Publikum. Die Menschen im Osten seien nun mal politisch anders sozialisiert. 

365-Euro-Ticket: Nur ein Wahlkampfgang oder ein großer Wurf? 

Auch die MVV-Tarifreform, die aktuell auf der Kippe steht, sorgte für Diskussion. Grundsätzlich sei das 365-Euro-Ticket für das ganze Jahr, das Ministerpräsident Markus Söder ins Spiel brachte, eine interessante Idee, räumte Linken-Kandidat Berhard Baudler ein. Seine Partei denke aber weiter und sei mittelfristig dafür, den ÖPNV komplett kostenfrei anzubieten. 

Dass manche Pendler in Gemeinden im nördlichen Landkreis nach der derzeit geplanten und umstrittenen Tarifreform mehr für das Isarticket zahlen sollen, lehnt der Grünen-Kandidat Büchler ab. Zumal dafür auch noch eine „katastrophale Leistung“ angeboten werde. Wenn Söder jetzt plötzlich doch Geld rausrücken wolle, müsse man sich neu zusammensetzen. 

Kohnen wies auf das „Kleingedruckte“ in Söders Vorschlag hin, etwa dass es dieses 365-Euro-Ticket erst ab dem Jahr 2030 geben und der Bund es finanzieren solle. Alles andere als ein Wahlkampf-Gag sei dieser Vorstoß, verteidigte ihn Sozialministerin Schreyer. Man müsse nun schnellstmöglich zu vernünftigen Lösungen kommen. Markwort, der eine Seniorenkarte für den MVV besitzt, sieht in dem 365-Euro-Vorschlag von Söder eine sinnvolle Idee, vor allem weil „die komplizierten Ringe wegfallen würden“. Tatsächlich sei das Preissystem zu kompliziert, fand auch Ilse Ertl von den Freien Wählern.

AfD-Politiker Riedinger hat große Zweifel, ob das Münchner S-Bahn-Netz überhaupt die ausreichenden Kapazitäten habe. „Die Dinger sind doch heute schon voll!“

Alle sind gegen den Südring - nur der AfD-Kandidat sieht es anders

Bei der Frage, ob es einen Autobahn-Südring brauche, gab es eine einhellige Ablehnung auf dem Podium - zumindest fast. Selbst Ertl distanzierte sich von dem Vorschlag ihrer Freien Wähler. Wenn überhaupt, könne es einen Südring nur geben, wenn dieser komplett untertunnelt sei. Kritisiert wurde von den meisten Politikern, dass der Norden dadurch gar nicht entlastet und stattdessen die „grüne Lunge“ im Süden zubetoniert werden würde. 

Nur der AfD-Kandidat sah es wieder mal anders. „Ich wüsste nicht, wieso man einen Südring nicht bauen sollte. Man könnte den bestehenden Verkehr kanalisieren“, meinte Riediger unter erneuten Unmutsäußerungen des Taufkirchner Publikums. 

„Die Diskussion über den Südring werden wir in 100 Jahren noch führen“, wiegelte Markwort ab. Man solle doch mit der ewig alten Frage nicht die Zeit vergeuden. 

Ein launischer Schlussstrich, der von den Moderatoren gerne als Überleitung aufgegriffen wurden. Nun durfte das Publikum die Fragen stellen. Braucht es ein bayerisches Radverkehrsgesetz, was muss sich in der Bildungspolitik tun, wie schafft man bezahlbaren Wohnraum, würde die FDP mit der CSU koalieren und wie gelingt die Digitalisierung - die Zuschauer hakten nach. 

Alle Fragen und Antworten können Sie oben im Video nachverfolgen.

Vorbericht

Taufkirchen –  Mitten im heißen Wahlkampf für die Landtagswahl am 14. Oktober eine Entscheidungshilfe bieten: Das soll die Podiumsdiskussion mit allen Spitzenkandidaten des Stimmkreises München-Land Süd am Mittwoch, 19. September, um 19.30 Uhr im Kultur- und Kongresszentrum Taufkirchen. 

Angesichts einer Ministerin auf dem Podium und der bayerischen SPD-Vorsitzenden wird sich kaum eine andere Diskussionsrunde mit einer so hochkarätigen Besetzung finden. Veranstalter ist die Volkshochschule zusammen mit dem Münchner Merkur und der Süddeutschen Zeitung.

Die Debatte wird ab 19.30 Uhr live hier auf Merkur.de sowie über die Facebook-Seite des Münchner Merkur übertragen. 

Die CSU istlaut Umfragen weit entfernt von der absoluten Mehrheit, die SPD ist hinter den Grünen und gleichauf mit AfD und Freien Wählern auf Platz drei zurückgefallen. Die Linken könnten als siebte Partei den Einzug ins Maximilianeum schaffen. Die bayerische Landtagswahl wird eine Richtungsentscheidung. Viele Wähler sind laut Umfragen noch unentschieden. Bei der Diskussion in Taufkirchen können sich Besucher über Positionen der Parteien informieren, ein persönliches Bild von den Kandidaten im Stimmkreis München-Land Süd machen – und auch selbst Fragen stellen.

Auf dem Podium:

  • die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) aus Unterhaching;
  • die Abgeordnete Natascha Kohnen aus Neubiberg, Vorsitzende der Bayern-SPD und Spitzenkandidatin;
  • Markus Büchler (Grüne) aus Oberschleißheim;
  • Helmut Markwort (FDP) aus München;
  • Ilse Ertl (Freie Wähler) aus Mauern bei Moosburg (Kreis Freising);
  • Ulrich Riediger (AfD) aus Grünwald;
  • Berhard Baudler (Linke) aus Schäftlarn.

Moderatoren sind Günter Hiel, Leiter der Landkreisredaktion des Münchner Merkur, und Lars Brunckhorst, Leiter der Lokalredaktion der Süddeutschen Zeitung.

Weitere Podiumsdiskussion für den Stimmkreis München-Land Nord

Für den Stimmkreis München-Land Nord ist ebenfalls eine Podiumsdiskussion geplant, am Montag, 1. Oktober, um 19 Uhr im Bürgerhaus Unterschleißheim, Rathausplatz 1.

Jetzt gibt es doch ein TV-Duell mit Söder - eine Partei wittert „Wahlmanipulation“

Lange hatte sich der BR offen gehalten, ob es TV-Duell zur Landtagswahl geben soll. Nun ist doch eines angesetzt. 

Wer es gerne interaktiv mag, hat noch andere Möglichkeiten, um die Thesen der Parteien zur Landtagswahl zu vergleichen. Immer beliebt und auch 2018 wieder verfügbar ist der Wahl-O-Mat Bayern.

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