“Ich wollte ihn nur schneiden“

Messerattacke aus Rache: Asylbewerber wird von Mitbewohner zurückgehalten

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Fuad A. soll Zaalim C. im vergangenen Jahr in einem Taufkirchner Asylbewerberheim ein fast 25 Zentimeter langes Messer in die Brust gestoßen haben. Dabei sei er von Rache getrieben gewesen.

Taufkirchen – Der in Somalia geborene Mann soll an jenem Morgen des 2. Oktober in das Zimmer seines mutmaßlichen Opfers gegangen sein. Dort habe Fuad A. sich über das Bett des Schlafenden gebeugt. Nachdem er zugestochen habe, zog der 24-Jährige laut Anklage das Messer aus der stark blutenden Wunde, beugte sich über das mutmaßliche Opfer und rief dann: „Du wirst jetzt sterben. Ich werde dich töten.“ Anschließend kam es der Staatsanwaltschaft zufolge zu einem Kampf auf Leben und Tod: Fuad A. soll dabei von einem herbeigeeilten Mitbewohner von der Vollendung seiner Tat abgehalten worden sein.

Wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes muss sich der Somalier, der vor seiner Flucht nach Deutschland in Äthiopien lebte, nun vor dem Landgericht München verantworten. Der Angeklagte gestand am ersten Prozesstag zwar, zugestochen zu haben. Er habe Zaalim C. aber nicht töten, sondern „schneiden“ wollen. Nach seiner Festnahme hatte der Asylbewerber gegenüber der Polizei ausgesagt: „Wenn er sein Opfer hätte töten wollen, hätte er ihm „in den Hals stechen können“. Fuad A. sagte nun vor Gericht: „Ich wollte mich nur an ihm rächen.“ Zaalim C. habe ihn Wochen zuvor geschlagen. „Und das, obwohl ich krank war.“

Verletzter schleppt sich zur Security

Trotz der Schreie soll der Somalier nicht von dem blutenden Mann abgelassen haben. Beim Kampf am Boden sei es ihm den Ausführungen der Staatsanwaltschaft zufolge jedoch nicht gelungen, ein weiteres Mal zuzustechen. Nachdem ihm ein Zeuge das Messer aus der Hand geschlagen hatte, soll Fuad A. zwar laut Anklage realisiert haben, dass Zaalim C. in Lebensgefahr schwebt – habe aber nichts zur Rettung unternommen. Der Verletzte schleppte sich demnach selbst zum Büro der Security. Die Sicherheitsleute hätten den Notarzt verständigt. Zaalim C. wurde ins Harlachinger Krankenhaus gebracht. Dort entdeckten die Ärzte einen blutenden Lebereinriss. Die Mediziner konnten Zaalim C. nur durch eine Not-OP retten. Er lag tagelang auf der Intensivstation.

Der Angeklagte schien sich während des Prozesses der Tragweite der mutmaßlichen Tat bewusst zu sein. Offenbar um den Vorwurf des versuchten Mordes zu entkräften, sagte er am ersten Prozesstag, er habe den Angeklagten in die Schulter stechen wollen – als der Richter ihm dies jedoch nicht glauben wollte, räumte Fuad A. ein, dem Schlafenden in die Brust gestochen zu haben. Für die Verhandlung hat der Richter fünf Tage festgesetzt.

Neue Meldung vom 20. Juli 2018

In Norddeutschland hat sich ein brutaler Angriff mit einem Messer ereignet. Hier erfahren Sie mehr zu der Messerattacke in Lübeck.

Lesen Sie auch: Mann (23) soll abgeschoben werden - schwangere Freundin leistet massiven Widerstand

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Frank Leonhardt

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