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Wild, aber friedlich: Mit seiner Friedensbotschaft schlug das Musical „Hair“ 1967 voll ein. Bis heute findet das Symbol der Hippie-Bewegung glühende Anhänger.

Musical "Hair" im Taufkirchner Kulturzentrum

Friedensbotschaft gilt bis heute

Taufkirchen - Auf ihrer Europa-Tournee sorgte die „Broadway Musical Company New York“ im gut gefüllten Kulturzentrum Taufkirchen mit dem Musical „Hair“ für Furore. Mit nicht weniger als 33 Songs brachte die Company das epochale Musical aus dem 1967 zur Wirkung.

Südafrikanische Rhythmen, energiegeladene Bewegungen und Songs, die beinahe jeder mitsingen kann: Das sind die Erfolgsgaranten des Musicals „Hair“, das schon einige Jahre auf dem Buckel hat, aber noch immer begeistert – wie zuletzt im Ritter-Hilprand-Hof in Taufkirchen. „Hair“-Komponist Galt MacDermot (geboren 1928 in Montreal) hatte das Arbeiten mit Rhythmen einst in Südafrika erlernt – und das hört man dem Musical an. Die Sänger der „Broadway Musical Company New York“ strichen dieses Rhythmusgefühl besonders heraus, und Michael Burnie fand die passende Choreographie dazu. In den „wilden 60ern“ stand das Musical symbolhaft für ein neues, freieres Körpergefühl, und es sprach die Rassenintegration an. Das Hochwerfen der Arme hat sich als Sinnbild dieser neuen Energie einprägte.

Der „Aquarius“-Song riss freilich auch in Taufkirchen mit. Die Lebensfreude drückte sich in teils übermäßiger Phonstärke aus, und am Keyboard spornte Pete Lee als Musical Director sein Team (Gitarre, Flöte und Saxophon, Drums, Bass) mit dem richtigen Feeling für Stimmung und Klangfarben zu Höchstleistungen an. Hoffnung auf Frieden ist aktueller denn je Handlung und Songtexte der US-amerikanischen Schauspieler James Rado und Gerome Ragni machen aus dem Protest der Jugend gegen autoritäre Vorbilder, darunter die Einberufung zum Vietnam-Krieg, das Bekenntnis-Musical der Hippie-Bewegung. Und auch im Taufkirchner Publikum ließen es sich einige nicht nehmen, das Musical als „Blumenkinder“ zu erleben. Auch die übrigen Zuschauer waren von der Show der „Make love not war“-Anhänger begeistert. Es gab brausenden Beifall. Schließlich waren die Darsteller wirklich gut in Form.

Rührend wirkte manche Szene von einst. So trat ein biederes farbiges Ehepaar auf, die Frau riet dem Publikum, ihren Kids zu sagen, sie sollten sich frei fühlen und tun, wozu sie Lust hätten. Plötzlich öffnete sie ihren Mantel und entpuppte sich als Mann. Dann wieder sangen indische Gurus den „Hare Krishna“-Song, und eine junge Frau verschloss den Gewehrlauf eines Soldaten mit einer Blume. Faszinierend wirkte der Electric Blues. Danach sang der Chor auf abgedunkelter Bühne mit Kerzen in Händen, „Oh Great God Of Power“ – ein kitschiges und doch beeindruckendes Ritual.

„Good Morning, Starshine“ galt fast romantisch dem Mond, und mit dem Song „Let the sunshine in“ endete die Company in der Hoffnung auf eine Welt des Friedens. Diese Botschaft könnte heute, knapp 50 Jahre nach der Uraufführung von „Hair“, aktueller nicht sein.

Arno Preiser

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