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Erfolgsteam (v.l.): Paul Schweller, Leon Golz, Alexander Spöri und Luca Zug. Auf dem Foto fehlen Colin Maidment und Vitus Rabe.

Neuer Film von Taufkirchner Jugendlichen

Psychische Abgründe in Szene gesetzt

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Im Frühjahr stehen die Abiturprüfungen an. Die ersten Mitschüler vergraben sich schon in ihren Büchern und Heften. Alexander Spöri und Luca Zug fiebern einem ganz anderem Termin entgegen: 6. April. Bis dahin muss ihr neuer Film fertig sein. „Grau ist keine Farbe“ heißt er.

Taufkirchen – Das Thema: Depression bei Jugendlichen. Ein Dokudrama. Und wer da ein kleines Schulprojekt vermutet, könnte falscher nicht liegen. Denn das, was Spöri, Zug und die weiteren vier jugendlichen Mitglieder der „MovieJam Studios“ aus Taufkirchen da filmisch auf die Beine gestellt haben, lässt so manchen alt gedienten Profi ehrfürchtig den Hut ziehen.

Zu den Anfängern zählen die Jungspunde aus dem Landkreis längst nicht mehr. Seit der 6. Klasse drehen sie gemeinsam Filme. Jeder hat seine Aufgabe dabei, hinter oder vor der Kamera. Ihr Werk „Olympia ’72“ über das Attentat von Olympia 1972 ist preisgekrönt, mit ihrer Dokumentation „Das (Bildungs-) System“ beleuchteten sie kritisch das bayerische Schulsystem und viel Ehre gab es zuletzt für ihre Produktion „Unvergessen“, eine Dokumentation über den Amoklauf am OEZ im Sommer 2016. Statt sich auf den Lorbeeren auszuruhen und in Ruhe die Abiprüfungen vorzubereiten, haben sich die jungen Filmemacher gleich das nächste heftige Thema vorgenommen. Ein bisschen kleiner und weniger aufwendig sollte es diesmal werden, wie Luca Zug, einer der Gründer und Regisseur von MovieJam Studios, erzählt. Daraus geworden ist die bisher größte und arbeitsintensivste Produktion.

Dass immer mehr Menschen psychisch erkranken und dass auch immer mehr Jugendliche unter Depressionen leiden, hat die Schüler hellhörig gemacht. Fünf Monate recherchierten sie zu dem Thema, bevor das Konzept zum neuen Film stand. „Man wird dadurch sensibel, bemerkt auch Menschen im Umfeld, die betroffen sind“, sagt Luca Zug. Und wie schwer die es haben, das wollen er und sein Team mit dem Film deutlich machen. Herausgekommen ist eine Mischung aus filmischen Szenen, Experteninterviews und Aussagen von Betroffenen.

Es geht um drei Jugendliche aus unterschiedlichen Verhältnisse, die alle an einer Depression erkrankt sind: Anna, die unter Schulangst leidet und sich zunehmend isoliert. Sabine aus einem sozial schwachen Elternhaus, die unter den Aggressionen ihres Vaters leidet. Und der homosexuelle Christian, der von seinem Umfeld kaum wahrgenommen wird und immer mehr dem Alkohol verfällt. Um ihre Wahrnehmung und ihre Gefühlslage darzustellen, haben die Filmemacher zum Teil recht düstere Drehorte gewählt: im Moor, unter Wasser, in verlassenen Häusern, mitten in dickem Nebel, in der Notaufnahme einer Klinik. Zwischen den Filmsequenzen erklären vier Betroffene, wie es ihnen ergeht mit ihrer Krankheit. Daneben kommen Experten zu Wort, der Leiter der Münchner Jugendpsychiatrie, der Leiter der Universitätsklinik, der Vorsitzende des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, der Chef des Kriseninterventionsteams. Dabei wird schnell klar, wo der Schuh gedrückt: zu wenig Therapieplätze, zu wenig Hilfsangebote, keine Informationen an den Schulen, überforderte Eltern und Lehrer, Jugendliche, die mit ihren Problemen allein gelassen werden.

Viele Fragen hätten die Filme gerne deshalb Politikern gestellt. „Wir haben uns wirklich bemüht und etliche Anfragen verschickt“, sagt Alexander Spöri. Ans bayerische Gesundheitsministerium, ans Bildungsministerium, auch ans Bundesgesundheitsministerium. Einen Interviewpartner bekamen sie nicht. Über eine Grünen-Landtagsabgeordnete konnten sie immerhin eine Anfrage an die bayerische Staatsregierung richten in Bezug auf den Mangel an Therapieplätzen. Die Antwort: „Viel Text, wenig Inhalt“, fasst es Luca Zug zusammen.

Jetzt hoffen sie, dass die Verantwortlichen wenigstens den Film zu sehen bekommen. Mehr als 20 Drehtage stecken darin. Unzählige Stunden Arbeit, um passende Orte zu finden, Drehgenehmigungen zu bekommen, Fördergelder zu beantragen und Unterstützer zu finden. Deren Liste ist mittlerweile lang: Vom bekannten Film-editor bis zu den Freunden, die einfach mal beim Tragen helfen – drei Kameras, unzählige Leuchten und Kabel sind immer beim Dreh dabei. „Die Leute wundern sich oft, mit welcher Profiausrüstung wir anrücken“, sagt Alexander Spöri. Das sieht man dem Film auch an. Derzeit bekommt er den letzten Schliff. Die Farben werden bearbeitet, der Ton, ein Trailer erstellt. Am 6. April läuft der Film um 11 Uhr vor 400 Zuschauern im Mathäser Filmpalast in München. Ein paar Restkarten gibt es noch. Und dann? „Erst mal Abi“, sagt Spöri. Und danach? „Irgendwas mit Film.“ Natürlich.

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