Kampf um heimische Rüstungsindustrie: IG-Metall-Demo auf dem Airbus-Gelände

Die IG Metall hat zu einer Demo auf dem Airbus-Gelände in Taufkirchen/Ottobrunn aufgerufen. Die Beschäftigten sorgen sich um ihre Jobs.
Taufkirchen/Ottobrunn – „Wenn mir vor ein paar Jahren mal jemand gesagt hätte, dass wir hier auf dem Werksgelände von Airbus eine Demo veranstalten, hätte ich gefragt: Was hat der denn geraucht?“ Jürgen Kerner, Vize-Vorsitzender der IG Metall, gibt sich heiter. Gut, die Gewerkschaft hatte mit „bis zu 1000 Beschäftigen“ gerechnet, gekommen waren nach Taufkirchen am Dienstag rund 200 Teilnehmer, darunter auch einige des ortsansässigen Rüstungskonzerns Hensoldt.
Die nicht mal einstündige Kundgebung war Teil einer bundesweiten Aktionswoche, zu der die IG Metall aufgerufen hat. Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Bundesregierung bei der Ausrüstung der Luftwaffe immer mehr auf Systeme US-amerikanischer Produktion setzt, ohne dabei das eigene Interesse zu wahren, die Systeme nach Kauf eigenständig weiterzuentwickeln oder warten zu können. Damit ignoriere die Bundesregierung die „berechtigten Interessen“ der hiesigen Beschäftigten und Unternehmen.

„Für unsere Sicherheit“, lautet denn auch das Veranstaltungsmotto, einige Teilnehmer tragen Pappschilder mit Slogans wie „Mensch – Für unsere Sicherheit“ oder „Technologie – Für unsere Sicherheit“. Und Sicherheit meint hier ja nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch militärische und politische.
Gewerkschaft und Unternehmen haben hierfür eine Art Verteidigungsbündnis geschlossen. Und glaubt man den Rednern, herrscht in den Waffenschmieden der Nation denn auch alles andere als Bombenstimmung, hier fühlt man sich ausgebremst und übergangen. Zwar werde von der Regierung derzeit viel Geld ausgegeben, „aber die Weichen sind in die falsche Richtung gestellt“, mahnt etwa Jürgen Kerner. Das Dilemma: Zu viele Zukäufe aus USA, zu wenig eigene Entwicklung und deshalb kaum genug „Planungssicherheit“ im eigenen Land. „Wir brauchen aus Berlin ein klares Bekenntnis zur Entwicklung des Eurofighters“, fordert Kerner forsch. Europa müsse rüstungstechnisch „auf eigenen Füßen“ stehen.

Martin Kress, Leiter der BU Airbone Optronics der Hensoldt AG, sagt, dass es darum gehe „demokratische Werte“ zu verteidigen, sein Unternehmen sei Willens und in der Lage „die Serienproduktion auszubauen“. Eine moderne Bundeswehr brauche nun mal die neueste Technologie. Harald Mannheim, Mitglied der deutschen Airbus Geschäftsführung, betont die Selbständigkeit der Nation und stellt sich eine „deutsche nationale wehrtechnische Industrie“ vor. Wissen was Anfang der 2030er-Jahre geliefert werden soll – dafür „brauchen wir eine Zusage der Regierung noch in dieser Legislaturperiode“, so Mannheim. Es gehe um „Fachkräfte, Menschen und hunderte mittelständische Unternehmen“ (Kress) und um ein größeres Stück vom Etat-Kuchen: „Wir bekommen derzeit nur die Krümel“, sagt Jürgen Kerner.
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